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Pierre Schunck in Valkenburg, Widerstand und Befreiung

Öffentlicher Widerstand 

aus: nur auf Niederländisch De geschiedenis von Valkenburg-Houthem (Die Geschichte von Valkenburg-Houthem)

Am 29. Juni 1940, dem Geburtstag des Prinzen Bernhard, zeigten sich zahlreiche Niederländer mit einer weißen Nelke im Knopfloch auf der Straße. Denn dies ist die Wappenblume des Prinzen. Es war der erste öffentliche Widerstandsakt gegen die Naziherrschaft.
Wahrscheinlich hat das niederländische Volk die Worte in der Nationalhymne

„de tyrannie verdrijven
die mij mijn hert doorwondt“

(die Tyrannei vertreiben, die mir mein Herz durchwundet)
nie besser verstanden als gerade in diesen bitteren Besatzungsjahren. Die Anzahl der Widerstandskämpfer wuchs allmählich als Folge der Hartnäckigkeit, mit der die Naziideologie aufoktroyiert wurde, der zunehmende Rechtlosigkeit, der Judenverfolgung, der Geiselerschießungen, der vielen Deportationen in die KZs, des erzwungenen Arbeitsdienstes in der deutschen Rüstungsindustrie, der Treueerklärung die jeder Student zu unterschreiben hatte, sowie der Kriegsgefangenschaft der niederländische Armee.
Diese und viele andere Dinge nährten den Widerstandswillen. Der Hass gegen deutsche und niederländische Nazis nahm zu. Öffentlicher Widerstand gegen die gnadenlose Unterdrückung und die Verletzung von fundamentalen Menschenrechten kam immer häufiger vor.

 

Der organisierte Widerstand

Die Notwendigkeit, den vielen Untergetauchten, Juden, abgestürzten alliierten Piloten, entflohenen Kriegsgefangenen und ehemaligen niederländischen Soldaten Hilfe zu leisten, förderte das Bedürfnis nach einem großen Ganzen. Kleinere Widerstandsgruppen taten sich zusammen, und zwar in der L.O. (Die Nationale Organisation für Hilfe an Untergetauchte). Diese teilte Limburg in 10 Distrikte auf. Außer dieser Organisation bildete sich die „Knokploeg“ (Kampfgruppe, Schlägertruppe), kurz K.P. genannt. Diese verschaffte sich häufig unter Gewaltanwendung Ausweispapiere und Lebensmittelkarten. Ab Ende 1944 stand die gesamte K.P. in Limburg unter der Leitung von Jacques Crasborn aus Heerlen.
Nach einiger Zeit entstand auch in Valkenburg eine K.P. Sie bestand anfangs aus zwei Personen, den Lehrern Jeng Meijs und Jo Lambriks, von denen Ersterer einige Jahre vorher Jacques Crasborn als Schüler in der Klasse gehabt hatte. Später wurde Georges Corbey das dritte Mitglied der valkenburger Kampfgruppe. Der Name „Knokploeg“ klingt nach einer Schlägerbande, aber meistens waren die KPs nicht so kämpferisch, obwohl sie natürlich einem tatkräftigen Einschreiten manchmal nicht aus de Weg gingen, wenn das notwendig war. Die Aufgabe einer K.P. war aber kaum eine andere als im Lebensunterhalt von untergetauchten Personen zu versehen. (Die L.O. sorgte für die Verteilung). Man sammelte Materialien, illegale Lektüre, Bezugsscheine und manchmal sogar deutsche Uniformen zur Verwendung während eines Überfalls. Die meisten Aktivitäten fanden während der Nacht statt.
Leiter der valkenburger L.O. war Pierre Schunck, Mitglieder unter anderen Harry van Ogtrop und Gerrit van der Gronden. Natürlich gab es noch andere Menschen, die hin und wieder unter völliger Verschwiegenheit bei dieser oder jener Aktivität mitmachten, bis hin zu Gemeindebeamten. So waren es die Gemeindebeamten Hein Cremers und besonders Guus Laeven, die am Kriegsende dafür sorgten, dass das gesamte Register des Einwohnermeldeamtes von Valkenburg „irgendwie verloren“ ging, als die deutschen Besetzer auf die Idee kamen, alle männlichen Einwohner zwischen 16 und 60 Jahre beim Ausheben von Schützengräben einzusetzen.
In Limburg begann der organisierte Widerstand im Februar 1943 in Venlo. Der dortige Grundschullehrer Jan Hendricx (alias Ambrosius) wurde Leiter der Provinz Limburg der L.O., unterstützt von Pater Bleijs (alias Lodewijk) und Kaplan Naus. Die Seele des limburger Widerstand wurde drs. L. Moonen (alias Ome Leo), der Sekretär des Bistums. Durch seine Mithilfe knüpfte man in kurzer Zeit im gesamten Bistum die nötigen Kontakte, so dass Limburg am Jahresende 1943 eine gut gefestigte Widerstandsorganisation besaß.

 

Der aktive Widerstand in der Regio Valkenburg

In einer Veröffentlichung über den Widerstand in Limburg während des Zweiten Weltkrieges kann man lesen, dass in und um Valkenburg herum in dieser Hinsicht nichts Nennenswertes passiert sein soll. Das kleine Privatarchiv von Pierre Schunck (alias Paul Simons), einer der Überlebenden valkenburger Widerstandskämpfer, beweist das Gegenteil. Nicht nur sein persönlicher Bericht mit Notizen und Bildern zeigt das, sondern auch eine Anzahl echter und gefälschter Ausweise, die er aufbewahrt hat, Bezugsscheine und Personalausweise, mit Zetteln von Untergetauchten, mit „Kassibern“ von Z18 an R8, illegalen Drucksachen und Abzügen, Listen von offizieller Unterstützung von Kriegsopfern während der Besatzung, eine Akte über jüdische Opfer.
Hier liegen die stillen Zeugen der organisierten Untergetauchtenhilfe in der Regio Valkenburg während der Jahre der deutschen Besatzung, der Hilfeleistung an abgeschossene alliierte Piloten, des Überfalls auf das Einwohnermeldeamt, wodurch der Arbeitseinsatz von Männern in der Gegend größtenteils unmöglich gemacht wurde; über die Manipulationen im großen Umfang mit Bezugsscheinen, wodurch es schließlich notwendig wurde, die Zuteilungsamt in Valkenburg zu überfallen und auszurauben, weil die Fälschungen nicht ans Licht kommen sollten; über das Ausräumen eines Lagers von Rundfunkgeräten in Klimmen, darüber, wie sie kostbare liturgischen Gefäße und Meßgewänder aus dem Jesuitenkloster in Valkenburg sicher haben verschwinden lassen; die stillen Zeugen von gelegentlichen Husarenstreichen wie das Ausplündern eines Güterwaggons voller Eier (mit einem Transparent: „Eine Gabe des niederländischen Volkes an die deutsche Wehrmacht!“) und von einer Tonne Butter aus der Molkerei von Reymerstok (die für die Wehrmacht arbeitete. Bei diesen Aktionen leisteten die deutschen Uniformen und das weiter unten erwähnte Wehrmachtsfahrzeug gute Dienste. Die Beute kam besonders dem heerlener Krankenhaus zugute, wo verdeckt viele Untergetauchten behandelt wurden. A. Schunck).

 

Der Überfall auf das Zuteilungsamt

Einige Beamten des Zuteilungsamtes von Valkenburg (darunter Willen Freysen) waren geraume Zeit via allerlei krumme Touren im Stande gewesen, in jeder Periode von vier Wochen heimlich zwischen 500 und 1000 komplette Bögen mit Bezugsscheinen für die Untergetauchten zu beschaffen. Es konnte aber nicht ausbleiben, dass das eines baldigen Tages entdeckt würde (Der Direktor des Zuteilungsamtes, Th. van Hinsberg, hatte die für die L.O. arbeitenden Beamten immer gewähren lassen, aber als er Anfang 1944 untertauchen musste, wurde die Leitung zwei N.S.B.-ern übertragen. Cammaert). Zunächst wurde versucht, neue gefälschte Karten in einer amsterdamer Druckerei drucken zu lassen, aber eine Razzia dort vereitelte diese Lösung.
Da entwarf man einen gewagten Plan. Es war üblich, dass jeden Abend der Schlüssel des Tresors des Zuteilungsamtes und dergleichen in einem Briefumschlag, mit fünf Lacksiegeln und der Unterschrift des Direktors versehen, bei der Polizei zur Aufbewahrung abgegeben wurden. Nach und nach fischte man täglich ein paar Lacksiegel aus dem Papierkorb, die Unterschrift wurde nach vielen Versuchen auf einen gleichen Umschlag nachgemacht und es wurden ähnliche Schlüssel gekauft. Der Umschlag wurde mit Inhalt, Unterschrift und schon verwendeten Lacksiegeln präpariert und nun brauchten sie nur noch den richtigen Moment abzuwarten, dass sie diesen Umschlag bei der Polizei abgeben konnten. Der Moment kam, und die Chance wurde genutzt.
Vorher hatte die K.P. aus einer Garage in Sittard ein deutsches Wehrmachtsfahrzeug gestohlen, zusammen mit einigen Kanistern Benzin. Es wurde nach Valkenburg überführt, da in einer Garage gründlich gewartet und anschließend in einer Höhle hinter dem Kloster am Cauberg untergestellt. In jener Nacht verübte man den Überfall unter Verwendung der echten Schlüssel, während der falsche Umschlag sich unter der Obhut der Polizei befand. Die kompletten Bezugsscheine und andere Unterlagen verschwanden in einen Bauernhof in Kunrade. Später wurden sie aber, in einem Auto unter Stroh versteckt, wieder nach Valkenburg zurückgebracht, weil die Deutschen alle Bauernhöfe in der Gegend untersuchten.
Die Untergetauchten, für die diese Bezugsscheine bestimmt waren, wurden mit Hilfe eines gut organisierten Dienst untergebracht und versorgt. Sie trafen manchmal dutzendweise gleichzeitig mit der Bahn in Valkenburg ein, wenn beispielsweise irgendwo eine Razzia gewesen war. Sie wurden - einmal sogar via den Beichtstuhl in der Kirche, wo Küster Van Ogtrop auf Beichtvater machte - in die diversen Tauchadressen gebracht.
Junge Männer, die für einen Arbeitseinsatz nach Deutschland mussten, hatten ihre Bezugsscheine abzugeben. Sie erhielten dafür eine Erklärung, die sie in Deutschland wiederum gegen Bezugsscheine eintauschen konnten. Wenn sie aber untertauchten, würden sie also verhungern, so war das Kalkül der Deutschen. Es war die L.O., die sie versorgte und ihnen häufig eine neue Stammkarte besorgte.

Mehr über diesen Überfall lesen Sie bei Dr. A.P.M. Cammaert: "HET VERBORGEN FRONT", von dem Sie hier einen Auszug (auf Niederländisch) finden.

 

Weitere Widerstandsakte

Ein ganz andere Geschichte ist, wie sie 1942 kostbare Gegenstände aus dem von den Deutschen geforderten Jesuitenkollegs haben verschwinden lassen und während des ganzen Krieges versteckt hielten. Pierre Schunck und die seinen haben u.a. 38 Kelche und Hostiengefäße, historische Gegenstände und Meßgewänder, verborgen in Körben unter Wäsche, abtransportiert. Obendrauf saßen, ganz harmlos, ein paar seiner Kinder. Kostbare Bücher verschwanden unter der Kutte eines bei Privatpersonen in Valkenburg wohnenden Priesters. Und als ein englischer Flieger zwischen Meerssen und Berg brennend abstürzte, wurde der verletzte Pilot, unter dem Vorwand, er sei ein verletzter Feuerwehrmann, per Krankenwagen ins Krankenhaus in Heerlen überführt. In diesem Krankenhaus war eine ganze Etage „versteckt“ vor den Besatzern, um dort Untertaucher und Piloten versorgen zu können! Übrigens hat der Unterschlupf nahe der Höhle des Mergelwerkes in Geulhem lange Zeit gute Dienste erwiesen.
Das ausgezeichnet getarnte Versteck, in der Kalksteinwand westlich der Wassermühle in Geulhem, diente als Unterschlupf Widerständler, die für kürzere oder längere Zeit von der Bühne verschwinden mussten. Das war in Privatwohnungen nicht immer durchführbar. Die „Bewohner“ des Unterschlupfs in der Höhle wurden von den Mitgliedern der valkenburger „Knokploeg“ versorgt.
Es gibt vieles zu berichten, was in den Kriegsjahren in Valkenburg und Umgebung passiert ist. Individuelle Hilfe, organisierte Hilfe, organisierter Widerstand. Erteilung von Nahrung an valkenburger Kinder während der letzten Kriegsjahren und viele andere, schon nach so kurzer Zeit fast wieder vergessene Vorfälle.

 

Die Befreier kommen!

Nachdem die Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie gelandet waren und die Befreiung von Europa angefangen hatten, herrschte eine ängstige Spannung in Süd-Limburg. Man begriff, dass eine unvermeidliche Folge dieser gewaltigen Offensive der Alliierten sein würde, dass diese Region einer schweren Zeit von Kriegshandlungen entgegen gehen würde. Die Deutschen versuchten den Eindruck zu erwecken, dass sie sich nicht bedroht fühlten und fingen gerade jetzt an, viele limburger Höhlen als bombensichere Werkstätten für ihre Kriegsindustrie einzurichten. Hieran arbeiteten sie weiter bis die ersten Granaten der vorrückenden Amerikaner sie dabei störten.


14. Sept. 1944. Die ersten amerikanischen Infanteristen ziehen von Süden her (Bild: Daelhemerweg) nach Valkenburg ins Göhltal runter.
Sie finden dort einen fast leergefegten Ort vor, dessen Einwohner größtenteils eine Zuflucht in den Mergelhöhlen gefunden haben. Durch den einige Tage dauernden Beschuss und durch die Sprengung der Göhlbrücken durch die zurückziehenden deutschen Truppen, ist das Zentrum von Valkenburg schwer mitgenommen


Nachdem die Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie gelandet waren und die Befreiung von Europa in Angriff nahmen, herrschte in Südlimburg eine angstvolle Spannung. Man begriff, dass eine unvermeidliche Folge dieses gewaltigen Aufmarsches der Alliierten sein würde, dass unsere Provinz wieder einer schweren Zeit von Kriegshandlungen entgegen gehen würde. Die Deutschen versuchten den Eindruck zu erwecken, dass sie sich nicht bedroht fühlten und begannen gerade jetzt, viele limburger Gruben als bombensichere Produktionsstätten für ihre Rüstungsindustrie einzurichten. Hieran arbeiteten sie weiter bis die ersten Granaten der vorrückenden Amerikaner sie bei ihrer Arbeit störten.
Foto: Frans Hoffman

Am Tag nach D-Day, am 7. Juni 1944 landeten die Mannen des 19. Korps der amerikanischen Armee auf europäischen Boden. Eine kleine Einheit dieses Korps sollte drei Monate und sieben Tage später, am 14. September, in Valkenburg eintreffen.
Dieser 19. Korps wurde am 14 Juni eingesetzt, und zwar bei der Übernahme des zentralen Sektors der amerikanischen Front auf der Halbinsel Cherbourg. Außer aus seiner eigenen Artillerie, Panzern, Pionieren, Kundschaftern usw. bestand der 19. Korps damals noch aus den 29. und 30. Infanteriedivisionen. Dieser Korps würde genau 101 Tage ununterbrochen am Kampf teilnehmen, bis man am 15. Oktober in der Nähe von Aachen mit einer anderen US-Division zusammentraf. In diesen 101 Tagen waren sie, manchmal unter schweren Verlusten, von ihrem Landeplatz Vierville-sur-Mer an der französischen Westküste bis in Deutschland vorgerückt, wobei sie am 14. September auch Valkenburg von Deutschen gesäubert hatten.
Wie gesagt: die Monate zwischen Anfang Juni und Mitte September 1944 waren sehr spannend. Als sich die Engländer und Amerikaner anfangs die Zeit nahmen, sich auf dem europäischen Festland eine gute Angriffsbasis einzurichten, fürchteten viele, dieser Zustand könnte noch sehr lange anhalten. Die alliierte Offensive geht den Limburgern natürlich zu langsam, aber tatsächlich, wenn sie einmal in die Gänge gekommen ist, wahnsinnig schnell. Am 6. Juni landeten mehr als 132.000 Soldaten auf französischen Boden, die Schlacht um die Bretagne dauert lange und kostet Tausenden das Leben, am 26. August fällt Paris, am selben Tag ist der 19. Korps schon über Lille bis kurz vor der belgischen Grenze angelangt, am 3. September wird Brüssel befreit, einen Tag später Antwerpen. Die rechte Flanke der alliierten Streitmacht, die nach Deutschland vorstieß, darunter auch der bereits erwähnte 19. amerikanische Armeekorps, erreichte schon am 2. September die belgische Stadt Tournai, aber musste dann eine Zwangspause von einigen Tagen einlegen, bis der Nachschub wiederhergestellt war. Am 8. September erreichte eine Panzeraufklärungseinheit, die ganz Süd-Belgien durchquert hatte, den Albertkanal. Das berühmte Fort Eben-Emael fiel am 10. September ohne einen Schuss in die Hände der Amerikaner. Alle Brücken über die Maas und den Albertkanal waren aber gesprengt worden. Um Verzögerungen beim Vormarsch zu vermeiden, schlugen die alliierten bei Lüttich selbst ein Brücke über die Maas und auch im Aufmarschgebiet des 19. amerikanischen Korps wurde eine Brücke über die Maas geschlagen, die von der Infanterie sofort genutzt wurde. Am 12. September setzten die Amerikaner den ersten Fuß auf niederländischen Boden und vertrieben die Deutschen aus Noorbeek und Mheer. Am 13. September drangen Teile der 30. Infanteriedivision, die sogenannte Old Hickory Division, in Eysden, Gronsveld und den Vorort von Maastricht, Wijk, ein. Am 14. September folgt Maastricht-West. Das ist auch der Tag, ein historischer in der Geschichte des Göhlstädtchens, an dem Valkenburg die ersten Amerikaner begrüßt.

 

Die Befreiung von Valkenburg

Am Morgen des 14. September 1944 ist es besonders still in Valkenburg. Wegen der vorrückenden Truppen bleiben die wenigen, die sich nicht in die Höhlen in Sicherheit gebracht haben, im Haus.
Schon seit Tagen kursieren allerlei Gerüchte. Die deutschen Truppen sind größtenteils zurückgezogen worden. Nur eine Handvoll Deutscher hält sich noch in Hotel Oda auf, um die einzige noch nicht gesprengte Brücke nahe dem Schlösschen „Den Halder“ zu bewachen. Am frühen Morgen gehen zwei Männer in Zivil den Daelhemerweg hoch. Am Tag vorher haben sie Kontakt mit den Amerikanern aufgenommen, die bis De Planck an der belgischen Grenze vorgerückt sind. Einer von ihnen hat den Amerikanern Informationen über den Stand der Dinge in Valkenburg gegeben. Heute wird eine amerikanische Patrouille nach Valkenburg kommen. Bei der Bank, etwas oberhalb der Modell-Steinkohlengrube, wird man Kontakt aufnehmen. Das vereinbarte Passwort ist „Steeplechase“.
Schon aus der Ferne spähen ihre Blicke dem Weg entlang nach oben. An der vereinbarten Stelle sitzt tatsächlich ein Amerikaner auf der Bank. „You want a cigarette?“, fragt er.
„I like steeple-chase“, antwortet Pierre Schunck (38) aus Valkenburg, im Widerstand nur unter „Paul Simons“ bekannt.
„I am Captain Sixberry“ sagt der Mann auf der Bank. Er will genau wissen, mit wievielen die Deutschen im Städtchen sind und wo sie sich befinden. Auf seinen Knien liegt eine topographische Karte. Schunck zeigt: „Auf dieser Seite der Göhl ist keiner mehr. Diese Brücke ist die einzige, die noch intakt ist, aber sie ist vermint und wird aus dem Hotel Oda bewacht, dort. Möglicherweise sitzen auch noch Deutsche im Casino, hier. Ferner finden immer noch deutsche Transporte von Meerssen über Houthem nach Valkenburg und dann über Heerlen nach Deutschland statt.“
Der Amerikaner wird von einigen Soldaten begleitet. Sie halten sich in der Deckung und ihre Anzahl wird sicherlich größer sein. Sie verfügen über ein „Walkie-Talkie“, das erste Sprechfunkgerät, das Pierre Schunck zu Gesicht bekommt. Die erhaltenen Informationen werden weitergegeben. Darauf folgt von der anderen Seite die Order: „Versucht die Göhlbrücke unbeschädigt in die Hände zu bekommen!“ Das sollte überraschend mit einer Zangenbewegung geschehen.
Schunck winkt seinen Begleiter herbei, den bei ihm untergetauchte junge Mann l’Istelle (23) aus Den Haag. Man berät sich kurz. Dann ziehen die Amerikaner sich zurück und es nähert sich geräuschlos eine Reihe offener Jeeps, die Maschinengewehre vorne aufgebaut. Die Motoren sind abgeschaltet, man macht vom Gefälle des Daelhemerweges Gebrauch um vollkommen geräuschlos herunterzufahren.
Im ersten Fahrzeug sitzt nur ein Fahrer. Der Captain und die Soldaten setzen sich hinein, Pierre Schunck wird auf die Motorhaube gesetzt. Weil man ihm immer noch nicht traut? Solche Dinge fragt man sich später. Vorerst aber geht es, die Nerven bis zum Äußersten gespannt, langsam Richtung Valkenburg...
Es sollen zwei Gruppen gebildet werden: eine mit Schunck, die andere mit l'Istelle als Führer. Vor dem alten Stadttor schickt Pierre Schunck einige dort anwesende Valkenburger von Haus zu Haus mit der dringenden Bitte, absolute Stille zu bewahren und vor allem nicht anzufangen, zu jubeln. Alle halten sich daran.
Die zwei Züge gehen ihre Wege. Schunck und „seine“ Soldaten gehen durch das Grendeltor in die Altstadt. In der Muntstraat gehen sie in Hotel Smeets-Huynen (heute „Edelweiß“) hinein und verlassen es ungerührt durch die Hintertür, an der verblüfften Familie Smeets vorbei. Einige Soldaten besteigen den Kirchturm, um von dort die Brücke mit ihren Maschinengewehren im Visier behalten zu können. Pierre Schunck begleitet den Offizier, der mit einem Periskop ausgerüstet ist. Aus der später abgerissenen Brauerei Theunissen hat man aber nicht genügend Überblick wegen der - später übrigens auch abgerissenen - recht hohen Mauer des Schlösschens „Den Halder“. An dieser Mauer entlang schleicht man bis an das Mäuerchen an der Göhl. Mit Hilfe des Periskops sieht der Amerikaner einen deutschen Soldaten auf der Brücke Wache schieben. Pierre Schunck darf auch mal gucken...
Inzwischen sind ein paar Jeeps mit schweren Maschinengewehren aufgebaut, mit abgeschaltetem Motor bis zwischen den Hotels Neerlandia und Bleesers buchstäblich nach vorne geschoben worden. Ein Grüppchen von dort anwesenden Soldaten begibt sich mit l'Istelle hinten herum bis zur Protestantischen Kirche, durch den Garten von Hotel Cremers (l'Ambassadeur) und Haus Eulenberg (später „Texas-Bar“, zum Hotel Prins Hendrik. Eine andere Gruppe versucht via den Schulhof an der Plenkertstraat die Göhl zu erreichen.
Sobald diese beiden Gruppen an ihr Ziel angekommen sein werden, werden Scharfschützen versuchen, die Deutschen zu überraschen, damit diese die Sprengladung unter der Brücke nicht zünden.
Der Plan mißlingt. Die Deutschen bemerken ihre Feinde im Hotel Prins Hendrik. Vielleicht hat man sie auch aus dem Tanzlokal Pavillon gewarnt, wo sich ebenfalls deutsche Posten befanden. Mit einem schrecklichen Getöse fliegt die letzte Brücke in die Luft. Die Brocken fliegen Schunck und dem amerikanischen Offizier hinter dem Mäuerchen um die Ohren. Der Plan ist im allerletzten Moment schief gegangen. Nun wird die Göhl vorübergehend zur Frontlinie.
Der im Laufe des Tages eintreffende Stab der Bataillon, die Valkenburg südlich der Göhl eingenommen hat, richtet sich im Keller des Geschäfts Bours auf der Ecke von Wilhelminalaan und Plenkertstraat einen Befehlsstand unter der Leitung von Colonel Beelar ein. Ihr Auftrag lautet: von De Planck und Noorbeek die Nationalstraße Maastricht-Aachen zu überqueren und nach Margraten, Sibbe und Valkenburg vorzurücken. Dort sollen sie dem deutschen Transport den Rückweg abschneiden und anschließend warten bis auch Maastricht in alliierte Hände gefallen sein wird.
Zwei Tage später, am 16. September, erreicht die Amerikaner in Valkenburg ein Funkspruch, dass Maastricht gefallen ist. Unmittelbarer Kontakt via Berg oder Meerssen ist nicht vorhanden. Nun überqueren die Amerikaner in Valkenburg die Göhl und bahnen sich kämpfend einen Weg zur Provinzialstraße nach Meerssen. Dann ist Valkenburg vollständig befreit. Es ist dann der 17. September 1944.


Quelle: Beeldarchief Valkenburg, Kollektion Gemeentearchief Valkenburg

Während der Befreiungstage, Tage von harten Kämpfen in Valkenburg, hatten de meisten Einwohner in den Höhlen am Cauberg und an der Plenkert Zuflucht gesucht. In seinem kleinen Buch „Limburg in den Wereldbrand“ (Limburg im Weltbrand) widmet M. Kemp, den schweren und angstvollen Tagen die die Valkenburger damals erlebt haben die folgenden Zeilen:
„Zwar sind die Amerikaner am 14. September bis Valkenburg vorgestoßen, aber de Bewohner dieses Teils des Göhltales haben noch etliche kritische Tage durchlebt. Das Elend fing mit der Sprengung einiger Göhlbrücken an, und zwar mit derartigen Dynamitladungen, dass einige Häuser und Hotels dabei zerstört wurden. Viele Einwohner des Städtchens hatten sich in die nahe gelegenen unterirdischen Kalksteingruben geflüchtet. Schon bald gingen jedoch die Lebensmittel zur Neige, ging das Licht aus und entwickelten sich durch die Überbevölkerung unhaltbare hygienischen Zustände. Während in den umgebenden Wäldern das Artillerieduell mit voller Gewalt tobte, und unzählige Granaten in die verlassenen Häuser einschlugen, wurden in den Höhlen drei Kinder geboren und ist ein alter Mann einen übrigens natürlichen Tod gestorben. Die Stunde der Befreiung kam hier keine Spur zu früh!“

Das in 1944 zerstörte Hotel Croix de Bourgogne, von der Grote Straat aus
Quelle: Beeldarchief Valkenburg, Autor: Fotohuis Flindt, Valkenburg

 

Der Tod eines alten Widerständskämpfers

Limburgs Dagblad, Dienstag, 9. Februar 1993 Seite 13
Letzten Samstag wurde Pierre Schunck auf dem Friedhof am Cauberg in Valkenburg begraben. Er verstarb fast 87-jährig im Krankenhaus von Kerkrade. Seinen Lebensabend verbrachte er in Schaesberg. Aber sein Herz blieb lebenslänglich in Valkenburg. Dort war er nicht nur Gründungsmitglied, ehemaliger Vorsitzender und Ehrenmitglied im Vorstand der dortigen öffentlichen Bibliothek, ehemaliger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Harmonie Kurkapelle Falcobergia, sondern auch langjähriger Aufsichtsratsmitglied von Valkenburg Omhoog. Sein Name wird aber insbesondere als Mitglied der Widerstandsbewegung in den Kriegsgsjahren bekannt bleiben. In seiner Wäscherei, ein bisschen außerhalb in der Plenkert gelegen, wurden die nötigen illegalen „Transaktionen“ getätigt und wurde vielen Untergetauchten eine sichere Bleibe vermittelt.
...
Einer der amerikanischen Soldaten, die Valkenburg befreiten und in dem Jeep mitfuhr, auf dem Pierre Schunck damals saß (siehe oben), war speziell aus Chicago gekommen um bei dem Begräbnis anwesend zu sein. Der jetzt (9. Februar 1993) 66-jährige Bob Hilleque ist der einzige des A-Zuges des 119. Regiment, der den Krieg überlebt hat. (Inzwischen ist auch Bob gestorben).
Er gehörte zur 30th US Infantry Division Old Hickory