Widerstand von Pierre Schunck<br>und seinen Leuten
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Geschichte ist nicht nur die Widergabe der Asche,
sondern auch die Weitergabe des Feuers.
Thomas Morus


 Pierre Schunck 1935

Widerstand von Pierre Schunck
und seinen Leuten

  während des Zweiten Weltkrieges.
  Originaltexte, gesammelt von Arnold Schunck

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Legitimatiebewijzen Verzet 1940-45

Herausgegeben vom „Voormalig Verzet Limburg“, Registrations Nummer (KvK) V 187800
Einer der regelmäßigen Anlässe, an denen sich die Mitglieder des ehemaligen Widerstandes von Limburg trafen/treffen, war/ist das jährliche Gedenken auf dem Cauberg.


Für mehr Information über den Begriff Taucherchef, siehe weiter unten.

http://www.gahetna.nl/themaplein/wo2-bijzondere-rechtspleging http://www.gahetna.nl/collectie/index/nt00344/q/zoekterm/Schunck/q/comments/1 http://www.gahetna.nl/collectie/index/nt00344/e2fdda1f-16ce-43da-bdc4-0bc9bc2f2422/view/NT00344_opvarenden/sort_column/prs_achternaam/sort_type/asc/q/zoekterm/Schunck/q/comments/1 http://www.gahetna.nl/collectie/afbeeldingen/fotocollectie/zoeken/weergave/detail/start/0/tstart/0/q/zoekterm/Schunck/q/commentaar/1 -->

Dieser Text ist ein Mosaik aus den verschiedenen Quellen, die ich hierüber habe, denn sie erzählen verschiedene Teile dieser Geschichte, manchmal das gleiche Ereignis, aber dann ergänzen sie sich. Hier und da mit einem verbindenden Kommentar aus eigener „Feder“. Einen wichtigen Platz haben Scans von Texten, die Pierre Schunck nach dem Krieg selbst geschrieben hat. Ganze Seiten aus seinen Memoiren sehen aus wie Schreibmaschinenschrift. Denn das war es auch. Die entsprechenden Scans finden Sie gleich daneben, als Miniatur. Klick für eine Vergrößerung.
Außerdem habe ich aufgeschrieben, woran wir, seine Kinder, uns aus seinen Geschichten noch erinnern können.
An der Farbe der Randlinie vor den Zitaten sehen Sie auf einen Blick, woher sie stammen. Wenn Sie mit der Maus über ein Textblock gehen, wird die Quelle als „Tipptext“ angezeigt. (Funktioniert nicht auf mobilen Geräten.) Wörtliche Zitatblöcke aus den Interviews haben einen dunkleren Hintergrund (nicht in der gedruckten Version) und sind eingerückt.
Unten finden Sie eine Übersicht der verwendeten Quellen

 Memoiren Pierre Schunck
 Interview Nederlands Auschwitz Comité
 Interview NIOD
 De Geschiedenis van Valkenburg
 Doktorarbeit Fred Cammaert
 Nachruf Theo Goossen (Harry)

Für eine ausführlichere Erläuterung siehe unten bei Quellen.

  • In der nun folgenden Geschichte kommen vielfach die Wörter „Rayon“ und „Distrikt“ vor. Der niederländische Widerstand hat die Provinzen aus praktischen Gründen eingeteilt. Dies entsprach keiner offiziellen Einteilung, sondern war ausschließlich auf der Widerstandsarbeit ausgerichtet. „Rayon“ bedeutet soviel wie Kreis. Es entspricht aber nicht dem deutschen Landkreis, sondern ist kleiner. Der Rayon Valkenburg, dessen Rayonchef mein Vater war, umfasste Valkenburg selbst und einige Dörfer. Es gehörte faktisch zum Distrikt Heerlen, auch wenn das erst gegen Kriegsende offiziell wurde.
  • Auch finden Sie häufig das Wort „Untertaucher“. Das ist die wörtliche Übersetzung des niederländischen Wortes „onderduiker“. Es wurde während des Kriegs benutzt für alle Personen, die von den Deutschen gesucht wurden und für die es besser war, sich zu verstecken. Für sie wurde die Organisation L. O. gegründet. Es handelte sich dabei um Juden, um alliierte Piloten, die über Holland abgestürzt waren, um junge Männer, die nicht in Deutschland arbeiten wollten, um die deutschen Soldaten zu ersetzen oder um Studenten, die sich geweigert hatten, die loyaliteitsverklaring (Treueerklärung) zu unterschreiben Für sie musste nicht nur eine Unterkunft gefunden werden, sondern auch Lebensmittelscheine.
  • Um sich selbst und andere zu schützen, verwendeten sie Aliase, die die gleichen Initialen wie der richtigen Namen hatten. Denn es war damals noch gängige Praxis, dass die Initialen einer Person in ihrer Kleidung gestickt waren. Ein berühmtes Beispiel ist der Organisator der französischen Résistance Jean Moulin. Er hatte u.A. die Pseudonyme Joseph Mercier und Jacques Martel. Die Widerstandsleute kannten von einander nur dieses Pseudonym. Die wirklichen Namen wurden erst nach dem Krieg bekannt, aber auf Gedenkfeiern und anderen Treffen sprachen sie sich meist noch mit dem Widerstandsnamen an. Pierre Schunck nannte sich Paul Simons.
    • Einleitungnach obenzurück

      Der Widerstand gegen die deutsche Besetzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg begann schon am ersten Tag. Spontan, unorganisiert. Als Formen des zivilen Ungehorsams. Allmählich wurde besonders die Hilfe an Untertaucher organisiert (So wurden die Menschen genannt, die sich aus den verschiedensten Gründen vor den Nazis verstecken mussten, s.o.). Einen großen militärischen Beitrag zum Sieg der Alliierten hat das nicht bedeutet. Das Verstecken von jungen Männern, die nach Deutschland gehen sollten um dort zu arbeiten, hat der deutschen Kriegsindustrie sicherlich etwas geschadet. Aber es wurden vor Allem viele Leben gerettet. Hier finden Sie die Geschichte von Pierre Schunck und seinen Leuten, die typisch für diesen Widerstand war.
      Der Widerstand in der Provinz Limburg im Allgemeinen und besonders in Valkenburg weicht aber in einigen Punkten von dem im übrigen Land ab. Die wichtigsten Punkte:

      • In Valkenburg muss der besonders hohe Anteil der Sympathisanten der nationalsozialistischen NSB gesehen werden (1935: Valkenburg 23,4 %, nationaler Schnitt 7,94%, Limburg insgesamt 11,7 %, limburgisches Bergbaugebiet 17%). Das machte Widerstand in dieser Gemeinde besonders gefährlich.
      • Schon lange vor dem Einmarsch der deutschen Truppen wurde die Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Organisationen vom niederländischen Erzbischof für unvereinbar mit dem Christentum erklärt. Andere Kirchen gaben ähnliche Erklärungen ab. In der damals noch sehr katholischen Provinz Limburg führte das dazu, dass große Teile der katholischen Geistlichkeit schnell eine führende Rolle im Widerstand einnahmen. Im limburgischen Bergbaugebiet war die Zusammenarbeit mit Gewerkschaftlern, Sozialdemokraten und Kommunisten trotz der weltanschaulichen Unterschiede problemlos.
      • Limburg war, wie die anderen Randprovinzen, ein wichtiges Aufnahmegebiet für „Untertaucher“ aus dem dichbevölkerten Westen des Landes. Sie wurden im Touristenort Valkenburg nicht nur bei Bauern untergebracht, sondern auch in Hotels. Siehe dazu auch das Nachwort von Cammaert auf der vorletzten Seite.
      • Die geographische Lage als südöstlicher Zipfel der Niederlande, der als Durchgangsgebiet für viele Flüchtlinge und alliierte Piloten gedient hat. Das war besonders in den vielen Grenzorten eine wichtige Tätigkeit. Für Valkenburg spielte dies eine kleinere Rolle.

      Um sich selbst und andere zu schützen, verwendete man Aliase, die die gleichen Initialen hatten wie der eigene Name. Denn es war damals noch weit verbreitet, dass die Initialen in die Wäsche geschrieben oder gestickt wurden. Ein berühmtes Beispiel: der Organisator des französischen Widerstandes Jean Moulin hatte u.A. die Decknamen Joseph Mercier und Jacques Martel. Die Leute vom Widerstand kannten nur einanders Pseudonym. Die richtigen Namen wurden erst nach dem Krieg bekannt, aber auf Ehemaligentreffen und anderen Feiern sprach man einander meist noch mit diesem Widerstandsnamen an. Pierre Schunck trug das Pseudonym Paul Simons.

      Die Vorkriegszeitnach obenzurück

      Pierre Schunck (*24-03-1906, Heerlen †02-02-1993, Kerkrade) war der älteste Sohn des heerlener Geschäftsmannes Peter J. Schunck und Christine Cloot.
       Settela Steinbach,
      19. Mai 1944

      Schon als Schüler zeigte Pierre Schunck Sozialgefühl (oder war es auch sein Verlangen nach einem interessanten Leben?): er half im Heerlener Sintilager bei der Alphabetisierung der Kinder. Mein Vater machte das bei der Familie Steinbach. Das gefiel der Mutter Steinbach derart, dass sie ihm ihre Tochter versprach. Daraus ist allerdings nie etwas geworden.
      Es gab hintereinander mehrere Frauen, die den Titel Mutter Steinbach trugen. In diesem Fall war das wahrscheinlich die spätere „alte“ Mutter Steinbach, Johanna Bamberger (1893-1935).
      Das Lager wurde eröffnet am 27. Oktober 1923. Pierre Schunck war damals 17 Jahre alt. Der Franziskaner Justus Merks vom „Woonwagenliefdewerk“ war dort Seelsorger und die treibende Kraft hinter Dingen wie die Alphabetisierung der Kinder. Vielleicht ist Pierre von ihm inspiriert worden, Franziskaner werden zu wollen.
      Wie nicht anders zu erwarten war, haben die Nazis die meisten Sinti aus Limburg umgebracht, so auch die Familie Steinbach.
      Wer kent nicht das Bild von Settela Steinbach, die am 19. Mai 1944 im KZ Westerbork aus dem Viehwaggon sieht, mit dem sie nach Auschwitz transportiert werden soll? Sie ist bei Sittard geboren worden, und sie stammte aus eben dieser Familie Steinbach. Nur ihr Vater hat den Krieg überlebt und starb 1946 in Maastricht.



      Alte Mutter Steinbach

      Johanna Bamberger (1893-1935) wurde die „alte Mutter Steinbach“ genannt. Sie war Mutter, später Großmutter und Urgroßmutter der Familie, bei der Pierre Schunck in den zwanziger Jahren Nachhilfe gab.
      Über die Sinti am Heksenberg ist ein reich bebildertes Buch erschienen, das inzwischen seine zweite Auflage erlebt: Settela en Willy en het geheim van de Heksenberg (Settela und Willy und das Geheimnis des Hexenberges), ISBN 978-90-822416-3-1, erhältlich u.a. im Thermenmuseum, Coriovallumstraat 9, Heerlen oder auf http://www.landvanherle.nl/bestellen
      Die folgenden Filme auf YouTube kommen, abgesehen vom Anfang, fast ganz ohne Text aus:
      Video 1
      Video 2
      Das Bild entstammt dem zweiten Video.



      Gerda Cremers 1935

      Entsprechend der in jener Zeit herrschenden Tradition wurde meinem Vater schon früh klar gemacht: „Deine Zukunft liegt hier im Geschäft, es sei denn, du willst Priester werden.“
      Aus verschiedenen Gründen fühlte sich Pierre mehr zur Priesterausbildung hingezogen, die er in Megen bei Nimwegen und Hoogcrutz (am Südrand von Süd-Limburg) absolvierte. Er verließ die Ausbildung aber wieder vor der Priesterweihe.
      Nach der Klosterzeit leitete er ab den dreißiger Jahren im Auftrag der Fa. Schunck (= sein Vater) eine Wäscherei in Valkenburg. Zum Mittagessen ging er oft ins Hotel Cremers, das den Eltern eines Freundes aus Megen gehörte. Da lernte er seine spätere Frau Gerda Cremers kennen.
      Der Zweite Weltkrieg hat einen großen Einfluss auf ihr weiteres Leben ausgeübt. Aus ihrer moralischen und nationalen Überzeugung heraus konnten sie nicht anders, als Widerstand gegen die deutsche Besatzung zu leisten.



      (Eerste) Hollandsche Stoomwasscherij

      Die Hollandsche Stoomwasscherij (Holländische Dampfwäscherei) wurde gegründet in 1904 an der Plenkertstraat in Houthem (später Valkenburg) von Pierre Cloot aus Heerlen, dem Vater von Christine Cloot und Schwiegervater von Peter J. Schunck. Dieser wurde 1909 Eigentümer, während Leo Cloot Direktor wurde. Das Rijckheyt Archiv verwechselt in diesem Fall Pierre Schunck (der damals 3 Jahre alt war) mit seinem Vater Peter Schunck.
      Pierre wurde Direktor (nicht Besitzer) in den dreißiger Jahren. Die Wäscherei wurde 1947 an E. Hennekens verkauft.
      Siehe auch die Inventarliste des Archivs von Leo (L.H.M.) Schunck im oben erwähnten Rijckheyt: A.12 Hollandsche Stoomwasscherij P. Schunck te Valkenburg, 1904 - 1947

      Unorganisierter Widerstandnach obenzurück

      Die ersten Untertaucher (Mai 1940)nach obenzurück


      10. Mai 1940

      Wie kam man dazu, sich in ein derart gefährliches Widerstandsabenteuer zu begeben?

      Man entschied sich nicht für den Widerstand, Ereignisse, manchmal kleine Vorfälle brachten einen dazu, in die Bresche zu springen; das Ergebnis war, dass man etwas getan hatte um anderen zu helfen, etwas das vom Besatzer verboten worden war. Das brachte einen dann vom Einen zum Nächsten. Ich werde versuchen, es an meinen eigenen Erfahrungen zu erläutern.

      10. Mai 1940, am Freitag vor Pfingsten.
      Strahlendes Wetter.
      Deutsche Flugzeuge im Tiefflug über unserem Haus.
      In Valkenburg selbst fahren die feindlichen Panzer am Cauberg hoch.
      Wir sind besetztes Gebiet.

      Niederländische Soldaten, die eine alte Kanone auf dem Cauberg bedient hatten, haben das Ungetüm mitten auf der Straße umgekippt um den Vormarsch zu behindern und sind selbst verschwunden. Sie sitzen am Hang des „Polverbos“ (So hieß der Hangwald bei uns gegenüber.) und wissen nicht, wohin. Ich sehe sie. Ich konnte die Jungs doch nicht in die Hände des Feindes fallen lassen?
      Wir holten sie ins Haus und Gerda, meine Frau war sofort zugange ihnen eine kräftiges Frühstück zu servieren. Zwölf Soldaten mussten dann zu Zivilisten umgekleidet werden. Mit viel Improvisation haben wir es geschafft. Das Personal hatte in der Zwischenzeit die tägliche Arbeit angefangen. Beratungen mit den Männern des Personals ergaben ein paar Kleidungsstücke und die Soldaten wurden zu etwas komischen zivilen Jungs umgebaut.
      So hatten wir gleich die ersten Untertaucher, denn Transport zu ihrer Heimatadresse war nur für ein paar Jungs aus Südlimburg (also der direkten Umgebung) möglich.
      In der Woche nach Pfingsten wurde für die in Valkenburg gestrandeten Feriengäste die Heimreise organisiert und unsere Jungen reisten mit ihnen nach Norden. Ein paar haben die geliehene Zivilkleidung ordentlich zurückgeschickt.

      Aber nun zu den Waffen und Uniformen, die sie zurückließen. Johan de Wijs, unser Maschinist, wusste eine Lösung. Die Uniformen in den Dampfkessel in einem schönen Feuer verbrennen, aber • fand Johan, die Gewehre könnten wir zu gegebener Zeit womöglich dringend benötigen um diese „Moffen“ zu vertreiben. Er wusste was er tat: ein Teil (das Schloss?) baute er aus. Die Waffen selbst wurden dick eingefettet, mit Lumpen eingewickelt und einzeln im Garten vergraben. Die Teile, die er separat gehalten hatte, wurden eingefettet, in ein Kistchen gepackt und woanders versteckt. Er ging so vor, damit, wenn die NSB-er oder Deutschen die Gewehre finden würden, sie nichts damit würden anfangen können.

      Lesen Sie weiter auf Kelche und Messgewänder

      Öffentlicher Widerstandnach obenzurück

      aus: Die Geschichte von Valkenburg-Houthem:

      Am 29. Juni 1940, dem Geburtstag des Prinzen Bernhard, zeigten sich zahlreiche Niederländer mit einer weißen Nelke im Knopfloch auf der Straße. Denn dies ist die Wappenblume des Prinzen. Es war der erste öffentliche Widerstandsakt gegen die Naziherrschaft.
      Wahrscheinlich hat das niederländische Volk die Worte in der Nationalhymne

      "de tyrannie verdrijven
      die mij mijn hert doorwondt"

      (die Tyrannei vertreiben, die mir mein Herz durchwundet)
      nie besser verstanden als gerade in diesen bitteren Besatzungsjahren. Die Anzahl der Widerstandskämpfer wuchs allmählich als Folge der Hartnäckigkeit, mit der die Naziideologie aufoktroyiert wurde, der zunehmende Rechtlosigkeit, der Judenverfolgung, der Geiselerschießungen, der vielen Deportationen in die KZs, des erzwungenen Arbeitsdienstes in der deutschen Rüstungsindustrie, der Treueerklärung die jeder Student zu unterschreiben hatte, sowie der Kriegsgefangenschaft der niederländische Armee.
      Diese und viele andere Dinge nährten den Widerstandswillen. Der Hass gegen deutsche und niederländische Nazis nahm zu. Öffentlicher Widerstand gegen die gnadenlose Unterdrückung und die Verletzung von fundamentalen Menschenrechten kam immer häufiger vor.

      Dieser Widerstand bestand anfänglich vor allem aus zivilem Ungehorsam, aber allmählich fing man auch an, zu sabotieren. Die Hilfe an Untertaucher folgte auch diesem Muster: was als spontane, individuelle Hilfe begann, wurde nach und nach organisierter auf immer höherem Niveau. Es ging hier an erster Stelle um humanitäre Hilfe, aber es hatte auch eine militärische Bedeutung: junge Männer, die nicht nach Deutschland wollten, um da die Frontsoldaten in der (Rüstungs-)Industrie und Nahrungsmittelproduktion zu ersetzen, wurden versteckt. Abgestürzte alliierte Piloten wurden über die „Pilotenlinie“ nach Gibraltar geschickt. Die Geschichte von Pierre Schunck ist hierfür sehr typisch. Er hat das nie „vor gehabt“. Man könnte fast sagen: es ist ihm passiert.

      Es gab weitere Beispiele für zivilen Ungehorsam, bei denen die meisten Menschen mitmachten. So hielten alle, die die Gelegenheit dazu hatten, ein paar Hühner, eine Ziege oder ein Schwein, um über den Rationen hinaus etwas zu haben. Diese Tiere mussten beim Zuteilungsamt angemeldet werden, und dann bekam man weniger Bezugsscheine. Um das zu umgehen, wurden oft weniger Tiere angemeldet als sie wirklich hatten. Auch die Familie Schunck hatte hinter der Wäscherei eine Schar Hühner, von denen nur wenige angemeldet waren. Wenn es dann eine Überprüfung gab, ging ein Signal nach hinten, und die Hühner wurden von jemandem aus dem Personal in die benachbarte Obstwiese gejagt. Dies war ein Volkssport, der bereits die Saat der Rebellion in sich trug.

      Kelche und Messgewändernach obenzurück

      Ein Jahr lang passierte nichts. Die Deutschen machten auf nett, unsere kriegsgefangenen Soldaten durften wieder nach Hause und wir fragten uns: „Warum haben wir uns derart in Gefahr begeben indem wir den Jungs geholfen haben? Sie sind ja jetzt offiziell und ordentlich zu Hause.“ Bis Valkenburg durch das Gerücht aufgeschreckt wurde, dass die SS die Jesuiten nach Deutschland ausgewiesen und das Kloster beschlagnahmt hatte. Das Gerücht war weitgehend wahr, aber nicht alle PatresRektor Eck abgetaucht, einem Onkel meiner Frau und Seelsorger des Franziskanerinnenklosters St. Joseph in Valkenburg-St. Pieter.

      Im Oktober 1942 fand die Räumung des Jesuitenklosters in Valkenburg statt, wo sich eine einmalige Büchersammlung und ein Planetarium befanden. Eine hohe S.S.-Delegation reiste extra dafür nach Valkenburg. Binnen weniger Wochen wurde die Klosterkirche bis zum letzten Stein abgerissen.

      Die Geistlichen waren buchstäblich auf die Straße gesetzt worden. Seitdem stand das Gebäude zur Verfügung der Hitlerjugend.

      Es gab in der valkenburger Gegend einige deutsche Klöstergründungen aus der Zeit des Kulturkampfes unter Bismarck. Dazu gehörten beide Klöster. Rektor Eck war an der D-NL Grenze aufgewachsen, hatte einen deutschen Vater und war von daher als Seelsorger für deutsche Nonnen geeignet. Das Jesuitenkloster war beschlagnahmt worden, um dort später eine „Reichsschule der SS“ einzurichten.

      W. Eck was rector op het franciscanessenklooster St. Joseph op Sint Pieter in Valkenburg. Ook dit klooster met Duitse religieuzen was ontstaan tijdens de „Kulturkampf“ onder Bismarck. Hij was aan de D-NL grens opgegroeid, had een Duitse vader en was daardoor als zielzorger voor Duitse nonnen geschikt. Het Jezuïetenklooster was gevorderd om er later een „Reichsschule der SS“ van te maken.

      Wir lesen weiter im Originaltext von Pierre Schunck: „Aber nicht alle Patres



      Jesuitenkloster

      waren in ihr Vaterland abgereist. Der Obere und einige weitere Patres hatten sich versteckt beim Rektor des Klosters St.Pieter, Rector Eck, ein Onkel meiner Frau.
      Dieser rief mich an mit der dringenden Bitte, ihn doch mal besuchen zukommen. Ich dachte nur, dass jetzt die Schwestern von St. Pieter an der Reihe wären, um nach Deutschland evakuiert zu werden, auch sie waren ja deutscher Herkunft. Aber im Zimmer des Rektor saßen die deutschen Mönche. Sie hatten nur eine große Sorge. Nämlich die heiligen Gefäße und kostbare Gewänder, denen sie einen sakralen Wert beimßen, dass die nicht in die Hände der heidnischen SSer fallen sollten. Ihre Vertreibung aus dem Kloster war schon ein paar Tage alt, und mehrere Familien in Valkenburg (vor allem Caselli und Wijsbek-Caselli) hatte schon Gemälde und andere zugängliche Dinge sicher gestellt. Sie hatten dies leicht tun können, weil das Kloster einige Tage leer gestanden hatte. Aber war jetzt ein Unternehmer mit Arbeitern dabei, den bevorstehenden Einzug der „Reichsschule“ vorzubereiten. Die Mönche fragten mich, als Präsident von K.A., ob ich jemanden kennte, der es wagen würde, ihre kostbren Besitztümer an Monstranzen, Kelchen, Messgewändern und Reliquien heraus zu holen. Sie befanden sich in einem Tresor unter der Sakristei ihrer Kirche. Ich versprach, mal nachzusehen, was gemacht werden konnte, und bekam die Schlüssel des Klosters und der Sakristei mit.
      Der bloße Zufall arbeitete wieder mit. Ein Bauleiter der Arbeit im Kloster rief an, ob wir nicht die schmutzige Wäsche, die die Jesuiten zurückgelassen hatten, abholen, reinigen und zurückbringen könnten. Das war die große Chance, um am helllichten Tage den „Kelchjob“ zu klären. Die Lieferwagen waren alle unterwegs, aber das Pferd und der Pferdewagen waren zu Hause. Der Nachbar Kaspar Donners und ich selbst machten uns auf den Weg, mit einigen Wäschekörben gewappnet. Nachdem wir die Körbe fast voll hatten, ging ich auch mal in der Sakristei nachsehen, ob es da gab nicht auch „schmutzige Messgewänder“ gab. Die Monstranzen, Kelche und Messgewänder verteilten wir über die Wäschekörbe unter der schmutzigen Wäsche , die Arbeiter halfen uns, die schweren Körbe auf das Fuhrwerk zu hieven und Kaspar und ich kamen unversehrt nach Hause. Onkel Eck konnte die Patres beruhigen, dass alles nach Wunsch verlaufen war. Wir blieben jedoch auf einem großen Wert an Feindesvermögen sitzen. Aber das war noch nicht alles.
      Der Reichsjugendführer Rosenberg kam aus Litauen. Der neue Vorstand (der Reichsschule) wollte ihm eine Bibliothek aus Litauen schenken und so etwas gab es in der Bibliothek der Jesuiten. Aber sie konnten sich nicht zurecht finden, weil die Kartei durcheinander war. So wurde der Pater Bibliothekar aus Deutschland zurückgeholt. Er sollte diese Buchreihe zusammenstellen. Nun, der Pater bat mich, weiterhin die Wäsche der Reichsschule zu waschen. Wenn der Fahrer käme, würde er es schon schaffen, einige Bücher unter der Wäsche zu verstecken.
      Außerdem schmuggelte er kleinere Exemplare selbst heraus, unter seiner langen Soutane verborgen. Und so kam jede Woche, solange der Pater dort arbeitete, ein kostbares Buch zu uns. Im Kleiderschrank in unserem Schlafzimmer hingen kostbare handbestickte Messgewänder, hinter unseren Kleidern waren die Kelche versteckt. Und im Archivraum hinter dem Büro standen die alten Bücher. Schon bald wurde mir schnell auf unsanfte Weise klar gemacht, dass diese Lagermethode lebensgefährlich war.

      Kartoffeln und Waffennach obenzurück

      Frühjahr 1942

      Paul und seine Leute schaffen es auch, mit den Damen der „katholischen Aktion“ und Bauern aus der Umgebung, eine Kinderküche einzurichten als Alternative zur (Nazi-) Winterhilfe. Die Kücheneinrichtung wurde aus der Reichsschule organisiert und auf dem Dachboden von Pauls Wäscherei aufgebaut:




      Schulspeisung

      Aber zunachst einmal das Inventar der Küche im Jesuitenkloster.

      Mit der Familie des Bürgermeisters Hens standen wir auf gutem Fuß.
      Und im Jahr 1941 saß Hens noch im Rathaus.
      Eines Tages kam ich dort für eine Kleinigkeit und sah den NSBer Gaaietaan aus dem Büro des Bürgermeisters kommen. Als ich herein kam, fragte ich den Bürgermeister:
      „Was wollte der Kerl hier?“ Hens war etwas angespannt und sagte: „Er will, dass wir jedwede Unterstützung leisten bei der Einrichtung einer Suppenküche für die Schulkinder.“ Und das war vor dem Krieg immer ein Teil der Arbeit des St.Elisabethvereins gewesen, von dem seine Frau Vorstandsmitglied war. Ich antwortete: „Nun, dann sollte die Katholische Aktion ihnen zuvor kommen und morgen anfangen.“ Das war angesprochen worden aber mal wieder zu schnell von mir vorgebracht.

      Ich ging mit Frau Meeuwissen die schon immer für Schulkinder gekocht hatte, in Beratung. Woher bekommt man Lebensmittel? Und der Elisabeth Verein hat keine Utensilien mehr für Küche und Kantine. Woher bekommt man so etwas? Und wo macht man so etwas? Und jagen die Deutschen einen nicht weg und übernimmt dann das Winterhilfswerk den Job? Sowohl sie als auch Fräulein Ubags wollten gerne mitmachen, wenn ich eine Lösung finden würde. Männer der K. A. gingen für die Kinderküche hamstern bei den Landwirten in der Umgebung, mit einer bemerkenswerte Begeisterung etwas für andere Kinder zu tun. So konnten die Fahrer der Wäscherei Säcke voller Kartoffeln mitbringen. (Herbst 1941)
      In Maastricht war eine Stiftung „Fabrieksvoeding“ (Ernährung in der Fabrik) gegründet worden.
      Ich trat mit der Firma bei und für die Besatzer wurde unsere Kinderküche eine Werksküche, wodurch die Winter­hilfe da heraus gehalten wurde. Für Küchenutensilien ging ich mich erkundigen beim Ausführer des Bauunternehmers in der Reichsschule. Der drückte ein Auge zu und wir holten die komplette Küchen­einrichtung inkl. einen Dampf­kochkessel für 200 Liter Nahrung heraus. Das Ganze wurde auf einem Dachboden der Wäscherei aufgebaut und während des Winters 1941 konnten die Damen des ehemaligen St. Elizabethvereins wieder für die Schulkinder von Valkenburg kochen.

      top Die Razzia

      Eines Morgens im Frühjahr 1942 war plötzlich das ganze Gebäude von einer Einheit der niederländischen Gendarmerie unter der Leitung des Wachtmeisters Van Renesse (ein fanatischer NSB-er und Streber) umstellt. (Die niederländische Gendarmerie war und ist auch heute eine militärische Einheit. Die Dienstgrade sind dort auch militärisch. Sie heißt Marechaussee. ) Als dieser unangemeldet zu mir hereinkam, sagte er: „Sie stehen unter Arrest wegen des Verdachts auf verbotenem Waffenbesitz.“ Ich sollte zeigen, wo sich die Waffen befänden. Als ich mich dumm stellte, zog er einen Zettel hervor, auf dem ich glaubte, die Schrift eines neuen Beschäftigten zu erkennen. Dazu eine Skizze mit dem Hinweis: „Waffen vergraben im Garten, Revolver im Hof vergraben, Munition in Fässern mit Seife“. Inzwischen stehen wir im Hof ein Gendarm gräbt auf der Suche nach dem Revolver. Kaplan Horsmans kommt durch das Eingangstor und Van Renesse geht ihm entgegen. Der Gendarm nickt mir mit seinem Kopf zu: er hat den Revolver im Loch offen liegen. Er wirft ihn auf den Haufen ausgehobener Erde und schippt sofort eine Schaufel Erde darüber. Er gräbt eifrig weiter.
      Meine Frau hatte drinnen zu bleiben. Das Telefon ging nicht. Alle Maschinen in der

      „Mein Sohn ist kein Verbrecher“nach obenzurück



      Firma waren abgestellt worden. Die Mädchen standen wie festgenagelt auf ihren Plätzen. Einige weinten und schluchzten lauthals. Die Männer waren nach draußen gegangen und liefen den suchenden Polizisten vor die Füße, wo es nur ging.
      Zu meinem Glück hatte der Gärtner, Leo Dahmen, die Waffen an einer anderen Stelle tief eingegraben und darüber eine Kartoffelmiete gebaut, wie für die Winterlagerung üblich war. An der Stelle, die auf der Skizze angegeben war, befand sich ebenfalls eine Kartoffelmiete. Als die Polizisten anfingen, diesen Haufen zu zerlegen, kam lauter Protest von den männlichen Mitarbeitern; sie standen da alle drum herum. Sie riefen Dinge wie: Das sind unsere Kartoffeln, Hände weg, diese Miete gehört uns, nicht dem Chef, der hat nichts damit zu tun, etc. . Die Kartoffelmiete wurde dennoch aus einander gezogen und man fand nichts.
      Ab diesem Zeitpunkt durfte ich hinein, zu meiner Frau. Inzwischen saßen da auch meine Eltern, die mit einem Taxi aus Heerlen gekommen waren, und Kaplan Horsmans. Renesse kam auch und teilte mit: „Wir haben Kupfer gefunden und Sie haben sich dafür bei den deutschen Behörden zu verantworten. Sie werden daher nach Vught geschickt werden.“ (Dort befand sich ein deutsches KZ.) Meine Frau bekam von ihm Befehl, Schlafanzüge und Toilettenartikeln für mich bereit zu legen. Sie protestierte heftig, erklärte, sie sei schwanger und würde mit mir zusammen nach Vught gehen. Ich wollte noch mit dem Kaplan sprechen und sagte: „Ich möchte noch beichten, bevor ich gehe.“ Dies erlaubte Renesse . Den Kaplan bat ich, den Maschinisten Johan wegen der Waffen zu kontaktieren sowie die Jesuiten in Maastricht wegen ihrer Besitztümer, damit meine Frau Gerda während meiner Gefangenschaft nicht weiter Gefahr laufen würde. Er würde alles regeln.
      Kurz nach dieser Beichte befahl Renesse einem Gendarm, mich abzuführen. Ich war mit Handschellen an seinem Handgelenk befestigt und so sollten wir durch Valkenburg gehen. Da kam mein Vater in Aktion. Er baute sich vor Renesse auf und sagte: „Mein Sohn ist kein Verbrecher! Selbst wenn er Waffen versteckt hätte, dann wäre ich stolz auf ihn. Er darf nicht gefesselt auf die Straße gehen. Draußen steht ein Taxi und ich verlange von Ihnen, »Herr Offizier«, dass er mit dem Taxi weggebracht wird. Wenn nicht, dann werde ich meinen Schwiegersohn, also seinen Schwager, davon in Kenntnis setzen, wie Sie seine unmittelbare Verwandtschaft demütigen. Und dieser Schwiegersohn ist Ortsgruppenführer der (deutschen) NSDAP in Heerlen.“ Renesse gab nach und ich fuhr mit dem Taxi zur Wache auf dem Emmaberg.
      Da saß der Opper (Chef der Wache, entspricht dem deutschen POM=Polizeiobermeister). Der Polizist Renesse wollte mich in die Zelle sperren, aber der Opper winkte, ich sollte in sein Büro kommen. Er schickte den jungen Mann weg und fragte mich sehr überrascht war denn los sei. Ich antwortete: „Renesse hat Kupfer bei mir zu Hause gefunden.“ Es war jetzt Mittag. Der Opper rief seine Frau, sie möchte mir doch etwas zu essen geben. Es kam eine große Tasse Brühe mit darin einem gequirlten Ei.
      Später sagte der Opper, nach sorgfältiger Suche in verschiedenen Büchern: „Berufe dich auf eine Verordnung unseres Haager Generalsekretärs bezüglich der Lieferung von Kupfer, angeblich zur Unterstützung der ’niederländischen’ Industrie. Dies ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft, nicht für den SD in Maastricht.“ (SD = Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS)
      Renesse kommt herein, ignoriert mich und geht rüber zum Telefon. Der Opper, der neben dem Gerät sitzt, legt seine Hand darauf und sagt: „Dies ist ein Kupferfall?“ „Ja, und ich muss ihn dem SD mitteilen.“

      Ab diesem Zeitpunkt durfte ich hinein, zu meiner Frau. Inzwischen saßen da auch meine Eltern, die mit einem Taxi aus Heerlen gekommen waren, und Kaplan Horsmans. R. kam auch und teilte mit: „Wir haben Kupfer gefunden und Sie haben sich dafür bei den deutschen Behörden zu verantworten. Sie werden daher nach Vught geschickt werden.“ (Dort befand sich ein deutsches KZ.) Meine Frau bekam von ihm Befehl, Schlafanzüge und Toilettenartikeln für mich bereit zu legen. Sie protestierte heftig, erklärte, sie sei schwanger und würde mit mir zusammen nach Vught gehen. Ich wollte noch mit dem Kaplan sprechen und sagte: „Ich möchte noch beichten, bevor ich gehe.“ Dies erlaubte R. . Den Kaplan bat ich, den Maschinisten Johan wegen der Waffen zu kontaktieren sowie die Jesuiten in Maastricht wegen ihrer Besitztümer, damit meine Frau Gerda während meiner Gefangenschaft nicht weiter Gefahr laufen würde. Er würde alles regeln.
      Kurz nach dieser Beichte befahl R. einem Gendarm, mich abzuführen. Ich war mit Handschellen an seinem Handgelenk befestigt und so sollten wir durch Valkenburg gehen. Da kam mein Vater in Aktion. Er baute sich vor R. auf und sagte: „Mein Sohn ist kein Verbrecher! Selbst wenn er Waffen versteckt hätte, dann wäre ich stolz auf ihn. Er darf nicht gefesselt auf die Straße gehen. Draußen steht ein Taxi und ich verlange von Ihnen, Herr Offizier, dass er mit dem Taxi weggebracht wird. Wenn nicht, dann werde ich meinen Schwiegersohn, also seinen Schwager, davon in Kenntnis setzen, wie Sie seine unmittelbare Verwandtschaft demütigen. Und dieser Schwiegersohn ist Ortsgruppenführer der (deutschen) NSDAP in Heerlen.“ R. gab nach und ich fuhr mit dem Taxi zur Wache auf dem Emmaberg.
      Da saß der Hauptfeldwebel. Der Polizist R. wollte mich in die Zelle sperren, aber der Hauptfeldwebel winkte, ich sollte in sein Büro kommen. Er schickte den jungen Mann weg und fragte mich sehr überrascht war denn los sei. Ich antwortete: „R. hat Kupfer bei mir zu Hause gefunden.“ Es war jetzt Mittag. Der Hauptfeldwebel rief seine Frau, sie möchte mir doch etwas zu essen geben. Es kam eine große Tasse Brühe mit darin einem gequirlten Ei.
      Später sagte der Hauptfeldwebel, nach sorgfältiger Suche in verschiedenen Büchern: „Berufe dich auf eine Verordnung unseres Haager Generalsekretärs bezüglich der Lieferung von Kupfer, angeblich zur Unterstützung der ’niederländischen’ Industrie. Dies ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft, nicht für den SD in Maastricht.“ (SD = Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS)
      R. kommt herein, ignoriert mich und geht rüber zum Telefon. Der Hauptfeldwebel, der neben dem Gerät sitzt, legt seine Hand darauf und sagt: „Dies ist ein Kupferfall?“ „Ja, und ich muss ihn dem SD mitteilen.“ Der Hauptfeldwebel warnt ihn, dass er sich beim Staatsanwalt schwer in die Bredouille bringen wird, wenn er diesen übergeht. R. fängt an, mit dem Hauptfeldwebel zu diskutieren, warum ich nicht in der Zelle sitze. „Dieser Mann ist mein Freund und ich schließe ihn nicht in eine Zelle.“
      R. hob den Hörer ab. Ich konnte ich das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft in Maastricht (die offenbar Bescheid wusste) verfolgen. R. hätte nichts anderes zu tun als Beschlagnahme des Kupfers und ein Protokoll zu schreiben, also keine Festnahme. Danach R. mit saurem Gesicht zu mir: „Ich habe in Maastricht für Sie plädiert, um es dieses erste Mal noch bei Beschlagnahme und Protokoll bewenden zu lassen. Sobald mich meine Männer benachrichtigen, dass sie keine Waffen gefunden haben, sind Sie frei zu gehen.“ Am Abend kommen die Männer zurück und haben nichts gefunden. R. ruft mit seiner freundlichsten Stimme meine Frau an und sagt, er hätte sich bei den Justizbehörden dafür eingesetzt, mich gehen lassen zu dürfen.

      Crashkursnach obenzurück



      Der Revierchef warnt ihn, dass er sich beim Staatsanwalt schwer in die Bredouille bringen wird, wenn er diesen übergeht. Renesse fängt an, mit ihm zu diskutieren, warum ich nicht in der Zelle sitze. „Dieser Mann ist mein Freund und ich schließe ihn nicht in eine Zelle.“
      Renesse hob den Hörer ab. Ich konnte ich das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft in Maastricht (die durch meinen Schwager, den Anwalt Joop Cremers Bescheid wusste) verfolgen. Renesse hätte nichts anderes zu tun als Beschlagnahme des Kupfers und ein Protokoll zu schreiben, also keine Festnahme. Danach Renesse mit saurem Gesicht zu mir: „Ich habe in Maastricht für Sie plädiert, um es dieses erste Mal noch bei Beschlagnahme und Protokoll bewenden zu lassen. Sobald mich meine Männer benachrichtigen, dass sie keine Waffen gefunden haben, sind Sie frei zu gehen.“ Am Abend kommen die Männer zurück und haben nichts gefunden. Renesse ruft mit seiner freundlichsten Stimme meine Frau an und sagt, er hätte sich bei den Justizbehörden dafür eingesetzt, mich gehen lassen zu dürfen.
      Noch am selben Abend haben (ohne dass ich dies wusste) einige vertrauenswürdige Männer die Waffen zu einer anderen Stelle gebracht. Zwei Polizisten brachten das Kupfer zurück und warnten mich, die Seifenfässer an anderer Stelle unterzubringen. Kurz danach kam ein Bruder der Jesuiten mit einer mit Zink ausgeschlagenen Kiste, in die wir die Kelche usw. packten. Wir haben diese Kiste ohne Zeugen (Aus Schaden wird man klug!) in der Garage unter den Fliesenboden versteckt. Ich habe die Messgewänder in einen Schrank der Wäscherei gehängt mit Karten versehen, wie üblich bei Dampfgut, mit darauf die Adressen von mehreren südlimburger Klöstern. Die alten Bücher haben mein Vater und ich in einem Korridor um den Tresor der ehemaligen „Twentsche Bank“ in Heerlen versteckt. (In 1939 hatte Peter Schunck das Gebäude der Twentsche Bank in Heerlen gekauft, um eine Passage bauen zu können, und zwar die Verbindung zwischen dem Emmaplein und dem Markt.)
      Mein Waffen-Fall war wie ein Lauffeuer, mit einiger Übertreibung, durch Valkenburg gegangen. Menschen, die ich kaum kannte, kamen auf der Straße auf mich zu um mir zu gratulieren, einer sagte sogar, er wüsste schon einen Platz für die Waffen. Ich hatte aber eine harte Lektion gelernt. Jetzt wusste ich, dass man umsichtig vorzugehen hatte. Wenn man so will, hatte ich einen Crashkurs in Widerstand bekommen.

      Hieraus dürfen wir schließen, dass es bei vielen inzwischen ein Bedürfnis gab, Widerstand zu leisten.

      Jan Langeveldnach obenzurück



      Stoffels & Berix

      Diese Durchsuchung hatte auch zur Folge, dass Leute, die damals schon mit Widerstandsaktivitäten beschäftigt waren, auf mich aufmerksam wurden.

      Kurz vor dem Krieg hatte die Organisation von Wäschereien mir einen Bilanzbuchhalter empfohlen, der sich auf diesen Bereich spezialisierte. Herr Stoffels aus Bussum. Er hatte immer Distanz zu mir gehalten. Nach dieser Durchsuchung wurde seine Haltung plötzlich offener und er sprach vom Krieg und dem Feind mit mir.

      Im Jahre 1941 bekam die Firma A.Schunck in Heerlen ein Problem mit der Sektion Konfektion über die Produktion von Bergbau-Kleidung. Ihre Lizenz war gefährdet, wenn keine eigene Produktionslinie erstellt würde. Ich wurde aufgefordert, die Organisation zu übernehmen (mein eigentlicher Beruf). Mit Stoffels habe ich mich über die Einrichtung der Verwaltung und der Art und Weise, wie das Management aufgebaut werden konnte, beraten. Stoffels kannte eine Person in Amsterdam, die im Textilgeschäft zu Hause war. Er würde mal vorfühlen, ob er etwas davon halten würde, nach Limburg zu kommen.


      „Jan Langeveld“ 1992

      Ein paar Tage später war er wieder da und jetzt mit der Mitteilung: tatsächlich, der junge Mann, unverheiratet, ist bereit zu kommen. Er ist Jude und wird unter falscher Flagge kommen. Am Liebsten würde er in der Firma wohnen, damit er nicht auf die Straße gehen muss. 1942 ist die Vorbereitung rund. Ich hatte da schon mal gleich vom Schreiner einen Raum hinter dem Lager abtrennen und abschirmen lassen, wo der kommende Untertaucher wohnen konnte. Ich kannte seinen wirklichen Namen nicht und ich wollte ihn auch nicht wissen. Für mich war er Jan Langeveld, wie in seinem Ausweis stand, der allerdings einen schlechten Eindruck machte. Er war mit einem Radiergummi behandelt worden, so dass die Oberfläche beschädigt war. Genau das Richtige, um gleich bei der ersten Kontrolle durchzufallen.

      Nachdem Jan Langeveld bereits in unserem Unternehmen installiert war und niemand des Personals, die mit Maschinen etc. aus dem Glaspalast in die Geleenstraat gekommen waren, hatte sich über den neuen Manager gewundert (ein neues Unternehmen hat ja auch neue Leute) waren sowohl mein „Untertaucher“ als auch ich ziemlich erleichtert.

      Da ein Kaplan in Heerlen Probleme mit der Bekleidung seiner untertauchenden Mitmenschen hatte, kamen wir mit ihm in Kontakt. Wir konnten ihm bei seinen Bekleidungproblemen helfen und er versprach mir etwas für die Papiere unseres Untertauchers zu tun. Der Kaplan war Giel Berix. Die „Taucharbeit“ dieses Kaplans hatte noch keinen Kontakt zum nationalen Widerstand. Man versuchte, zu helfen wo es nötig war. Erst 1943 wurde das Ganze durchorganisiert und in einen landesweiten Zusammenhang gebracht, mit der Teilnahme von zwei Kaplänen aus Venlo und vor allem einem Volksschullehrer Ambrosius, alias Jan Hendrikx. Und, zuerst als der Mann für die Kleidung der Untertaucher und später als Rayonleiter (von Valkenburg und Umgebung), saß ich sozusagen von einem Vorfall zum Nächsten im Widerstand.
      Wenn man mich plötzlich gefragt hätte: komm, mach mit• dann hätte ich mich vielleicht nicht dazu hergegeben, nach nüchterner Überlegung und wegen der Gefahren für einen verheirateten Mann mit Kindern und einer Firma mit Leuten die ebenfalls in Gefahr wären, und zwar ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Jetzt war ich da rein gerollt. Ich akzeptierte es und wusste, dass es so sein musste.

      Bei Schuncks zu Hausenach obenzurück

      Für Pierre Schunck war es logisch, auch für die Wehrmacht die Wäsche zu waschen. Das war ähnlich wie die Tarnung des Gemeindebeamten Freysen, der mit seinen braunen Hemden und dito Geschwätz nebenher auf dem Zuteilungsamt von Valkenburg für die L.O. arbeitete. Der Standpunkt unserer Eltern blieb den bereits lebenden Kindern während des Krieges natürlich nicht verborgen. Und so übernahmen sie diesen Standpunkt, ohne jede Ahnung über die möglichen Konsequenzen.
      Die deutschen Soldaten, die in den besetzten Gebieten dienten, waren oft weniger fitte oder ältere Menschen, die für den Fronteinsatz ungeeignet waren. Am Ende des Krieges wurde das ganz anders: Es waren so viele Soldaten gefallen, dass auch Hitler-Jungen an die Front geschickt wurden.
      Eines Tages spielten die beiden ältesten Kinder draußen. Es war schönes Wetter und die Fenster waren offen. Ein älterer Soldat kam die Wäsche seiner Einheit bringen und sah die Kinder spielen. Er fragt Jantje in einem Versuch, Niederländisch zu sprechen: „Na kleiner, hoe heet jij denn?“ „Jantje!“ „Und gibst du dem Onkel denn auch een Handjen?“ Also, das konnte seine „große“ Schwester unmöglich erlauben. „Gib dem Rotmof keine Hand!“
      Meine Mutter, die durch das offene Fenster gehört hatte, dachte in den Boden zu versinken. Jetzt würde alles heraus kommen! Aber der in dieser Weise gebrandmarkte hat es nicht krumm genommen und ist einfach weiter gegangen. Es war wahrscheinlich nur ein netter Mann, der an seine eigenen Kinder oder vielleicht Enkelkinder gedacht hat.

      Eines Tages erhielt mein Vater (also Pierre Schunck) den Befehl, er sollte (nach Maastricht?) kommen und sich in der Kaserne beim Offizier soundso melden. Er hatte keine Ahnung, worüber es ging. Er wusch zwar für die Armee, aber dafür brauchte er nie zur Kaserne zu kommen. Vielleicht ging es über seine offenherzige kleine Tochter? Dann würde er vielleicht nur eine Schelte bekommen, er hätte seine Kinder besser zu erziehen. Oder, was natürlich viel schlimmer wäre, vielleicht hatte ihn jemand angezeigt? Oder ging es doch um Arbeit für die Wäscherei? Würde er vielleicht besser untertauchen? Nein, denn wenn es ja etwas Harmloses war und er käme nicht, dann würde er wahrscheinlich schlafende Hunde aufwecken. Und außerdem würden die Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren und auch seine eigenene Familie würde damit in Armut versinken.
      Voller Zweifel fuhr er hin.
      „So, Sie sind also Herr Schunck. Sagen Sie mal, Ihr Name klingt so Deutsch. Woher stammt der eigentlich?“
      „Aus Kettenis bei Eupen. Da spricht man Deutsch.“
      Mein Vater hatte eine Zeitlang in Aachen studiert und sprach fließend Deutsch. Das und seine Abstammung aus einem deutschsprachigen Gebiet, das Deutschland inzwischen einverleibt hatte, machte den Offizier beschließen:
      „Dann sind Sie ja ein Volksdeutscher!“
      So nannten die Nazis alle Deutschsprachigen, die nicht innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches lebten. Im Gegensatz zu den Reichsdeutschen.
      „Dann frage ich mich, warum Sie sich nicht schon längst freiwillig für die Ostfront gemeldet haben!“
      Das war es also. Meinem Vater fiel ein Stein vom Herzen. Diese Erleichterung machte ihn beredt. Er erklärte, dass er natürlich schon gerne möchte, aber dass er hier eine weniger heroische, aber dennoch nicht weniger wichtige Rolle zu spielen hatte. Schließlich musste er ja die Wäsche für die deutsche Armee waschen? Und darüber hinaus hingen von seinem Betrieb die Einkommen einer ganzen Anzahl von Familien ab.

      Organisierter Widerstandnach obenzurück

      in Limburg und Valkenburg - und die Rolle von Pierre Schunck darin

      Während der Abschiedsfeier von seinem Gefährten „Paul“ hielt Theo „Harry“ Goossen eine Ansprache, in der er dessen Aktivitäten, aber auch die der gesamten L.O. wie folgt beschrieb:

      Sein Handeln richtete sich in der Hauptsache auf Hilfestellung an Menschen in Not:

      • An notleidende Familien, deren Mann-und-Vater hatte fliehen müssen, untergetaucht war, oder in einem Gefängnis bzw. in einem der grausamen KZs eingesperrt war.
      • Obdach und Tauchadressen organisieren für Flüchtlinge, für Juden, für abgestürzte alliierte Piloten, für gesuchte Widerständler, usw.
        Diese Menschen mussten alle mit Nahrung, Kleidung, Couponkarten, Personalausweisen, Stammkarten, Marken usw. usf. versorgt werden,
      • Die Verwirklichung dieser Hilfe erforderte Organisation, Beratungen, intensive Zusammenarbeit usw, und das alles unauffällig und im Geheimen!

      Die eigenen geschäftlichen Aktivitäten von „Paul“ werden widerholt DURCH DIE NOTLAGE ANDERER unterbrochen. Die Situation erfordert: aufpassen, vorsichtig sein und unauffällig handeln. IMMER in der Hoffnung, der Gefahr (zwar verborgen, aber ständig gegenwärtig) ausweichen und möglichst entfliehen zu können. In dieser Atmosphäre muss man den mehr als 2 Jahre dauernden organisierten Widerstand von „Paul“ betrachten und beurteilen.
      Dazu muss man noch erwähnen: er war einige Male in wirklicher Todesgefahr.

      Selbst hat er gesagt:

      „Ich begreife es nicht. Ich kann es nicht erklären. Ich habe sehr viel Glück gehabt! Aber ich habe sehr viel gebetet!“. Und er ergänzt: „Ich habe dies alles nicht ALLEINE gemacht. Und ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Frau wäre einiges total schiefgegangen.“

      Die Notwendigkeit, den vielen Untergetauchten, Juden, abgestürzten alliierten Piloten, entflohenen Kriegsgefangenen und ehemaligen niederländischen Soldaten Hilfe zu leisten, förderte das Bedürfnis nach einem großen Ganzen. Kleinere Widerstandsgruppen taten sich zusammen, und zwar in der L.O. (Die Nationale Organisation für Hilfe an Untergetauchte). Diese teilte Limburg in 10 Distrikte auf. Außer dieser Organisation bildete sich die „Knokploeg“ (Kampfgruppe, Schlägertruppe), kurz K.P. genannt. Diese verschaffte sich häufig unter Gewaltanwendung Ausweispapiere und Couponkarten. Ab Ende 1944 stand die gesamte K.P. in Limburg unter der Leitung von Jacques Crasborn aus Heerlen.
      Nach einiger Zeit entstand auch in Valkenburg eine K.P. Sie bestand anfangs aus zwei Personen, den Lehrern Jeng Meijs und Jo Lambriks, von denen Ersterer einige Jahre vorher Jacques Crasborn als Schüler in der Klasse gehabt hatte. Später wurde Georges Corbey das dritte Mitglied der valkenburger Kampfgruppe. Der Name „Knokploeg“ klingt nach einer Schlägerbande, aber meistens waren die KPs nicht so kämpferisch, obwohl sie natürlich einem tatkräftigen Einschreiten manchmal nicht aus de Weg gingen, wenn das notwendig war. Die Aufgabe einer K.P. war aber kaum eine andere als im Lebensunterhalt von untergetauchten Personen zu versehen. (Die L.O. sorgte für die Verteilung). Man sammelte Materialien, illegale Lektüre, Bezugsscheine und manchmal sogar deutsche Uniformen zur Verwendung während eines Überfalls. Die meisten Aktivitäten fanden während der Nacht statt.
      Leiter der valkenburger L.O. war Pierre Schunck, Mitglieder unter anderen Harry van Ogtrop und Gerrit van der Gronden. Natürlich gab es noch andere Menschen, die hin und wieder unter völliger Verschwiegenheit bei dieser oder jener Aktivität mitmachten, bis hin zu Gemeindebeamten. So waren es die Gemeindebeamten Hein Cremers und besonders Guus Laeven, die am Kriegsende dafür sorgten, dass das gesamte Register des Einwohnermeldeamtes von Valkenburg „irgendwie verloren“ ging, als die deutschen Besetzer auf die Idee kamen, alle männlichen Einwohner zwischen 16 und 60 Jahre beim Ausheben von Schützengräben einzusetzen.
      In Limburg begann der organisierte Widerstand im Februar 1943 in Venlo.

      Hier ist der auf Provinzebene organisierte Widerstand gemeint. Auf lokaler Ebene wurden schon seit dem Anfang des Krieges einzelne Widerstandsakte geleistet, wie u.A. oben aufgeführt. Dieser Widerstand erreichte einen stets höheren Grad von Organisiertheit, was schließlich in den limburger Zweig der L.O. mündete.

      Der dortige Grundschullehrer Jan Hendricx (alias Ambrosius) wurde Leiter der Provinz Limburg der L.O., unterstützt von Pater Bleijs (alias Lodewijk) und Kaplan Naus. Die Seele des limburger Widerstand wurde drs. L. Moonen (alias Ome Leo), der Sekretär des Bistums. Durch seine Mithilfe knüpfte man in kurzer Zeit im gesamten Bistum die nötigen Kontakte, so dass Limburg am Jahresende 1943 eine gut gefestigte Widerstandsorganisation besaß.

      Die Historikerin Christine Schunck, Tochter von Pierre Schunck, schreibt: „Lou de Jong wollte schon Ende 1944 bei Widerstandsleuten in Limburg Informationen loseisen, als die Front noch ganz nah war (denke an die Ardennenoffensive) und die Führung des südlimburger Widerstandes keine Namen und Taten nennen wollte. De Jong ist nach dem Krieg nie mehr wiedergekommen um doch noch Info zu bekommen, sondern schrieb einfach, dass der Widerstand in Limburg nicht viel vorgestellt hätte. Zum Glück hat Cammaert eine sehr gediegene Forschung verrichtet mit einem leichten Akzent auf Mittel-Limburg, wo er ja her kommt.“
      Weil De Jong, nicht zu Unrecht, als DIE Autorität auf dem Gebiet des Zweiten Weltkrieges betrachtet wird, haben viele von ihm abgeschrieben, also dass auch …


      Personalausweis

      …in und um Valkenburg herum in dieser Hinsicht nichts Nennenswertes passiert sein soll. Das kleine Privatarchiv von Pierre Schunck (alias Paul Simons), einer der Überlebenden valkenburger Widerstandskämpfer, beweist das Gegenteil. Nicht nur sein persönlicher Bericht mit Notizen und Bildern zeigt das, sondern auch eine Anzahl echter und gefälschter Ausweise, die er aufbewahrt hat, Bezugsscheine und Personalausweise, mit Zetteln von Untergetauchten, mit „Kassibern“ von Z18 an R8, illegalen Drucksachen und Abzügen, Listen von offizieller Unterstützung von Kriegsopfern während der Besatzung, eine Akte über jüdische Opfer.
      Hier liegen die stillen Zeugen der organisierten Untergetauchtenhilfe in der Regio Valkenburg während der Jahre der deutschen Besatzung, der Hilfeleistung an abgeschossene alliierte Piloten, des Überfalls auf das Einwohnermeldeamt, wodurch der Arbeitseinsatz von Männern in der Gegend größtenteils unmöglich gemacht wurde; über die Manipulationen im großen Umfang mit Bezugsscheinen, wodurch es schließlich notwendig wurde, die Zuteilungsamt in Valkenburg zu überfallen und auszurauben, weil die Fälschungen nicht ans Licht kommen sollten; über das Ausräumen eines Lagers von Rundfunkgeräten in Klimmen, darüber, wie sie kostbare liturgischen Gefäße und Meßgewänder aus dem Jesuitenkloster in Valkenburg sicher haben verschwinden lassen; die stillen Zeugen von gelegentlichen Husarenstreichen wie das Ausplündern eines Güterwaggons voller Eier (mit einem Transparent: „Eine Gabe des niederländischen Volkes an die deutsche Wehrmacht!“) und von einer Tonne Butter aus der Molkerei von Reymerstok.

      Die arbeitete für die Wehrmacht. Bei diesen Aktionen leisteten die deutschen Uniformen und das weiter unten erwähnte Wehrmachtsfahrzeug gute Dienste. Die Beute kam besonders dem heerlener Krankenhaus zugute, wo verdeckt viele Untergetauchten behandelt wurden.

      Umverteilungnach obenzurück

      Kleidung für Untertaucher

      Ich habe mit Kaplan Berix über die Firma Kontakt bekommen. Weil Berix hier versuchte, Kleidung für Piloten und Untergetauchte zu bekommen. Er fragte nach overalls. Ich sage: „Wofür?“ „Ich kann nicht sagen, wofür. Für die Armen eben“, sagte er.
      Er bat um eine recht große Menge, also sage ich: „Wenn es für die Armen ist, muss ich das mal mit Distex diskutieren.“ Aber das fand er ein bisschen gefährlich.

      Es ging um seinen Mangel an Arbeitskleidung für untertauchende Studenten, die bei Bauern untergebracht waren (1942). Als Gegenleistung für meine Unterstützung in Sachen Kleidung bot Giel an, Ausweispapiere und Lebensmittelscheine für den jüdischen Untertaucher in der Firma „die Mühle“ in Heerlen zu besorgen.

      Ich hatte hier einen Juden als Geschäftsführer, die war hier unter dem Namen Langeveld untergetaucht, und der lebte hier als Arier.

      Wir kamen zu einer Abmachung: die Kosten für die Overalls, hinsichtlich Stoffverbrauch und ausgezahlten Löhnen, würden von Berix aus einem Topf des Bistums bezahlt werden (Fonds für besondere Nöte).
      Es zeigte sich, dass die benötigten Materialien, die Distex in großen Mengen lieferte, aus Textilien stammten, die Distex zur Um- bzw. Neuverteilung aus beschlagnahmten jüdischen Unternehmen gegeben worden waren. Distex schrieb keine Rechnung und somit musste auch die Untergrundbewegung nicht für diese Lieferungen bezahlen. Da Herr Hogenstein vom Zentrallager der Distex in Arnheim die Umverteilung wörtlich nahm, nämlich von Juden für Juden, betonte er, dass jüdische Untertaucher bei der Ausgabe von Kleidung Vorrang haben sollten.

      Dann fragte Berix mich, oder ich schon mal etwas Illegales getan hatte. Ich sagte: „Ja, etwas schon.“
      Er hatte wahrscheinlich schon den Plan, das Rayon Valkenburg zu organisieren. Ich antwortete, dass ich tatsächlich in Valkenburg einige Paramente und goldene Kelche und Bücher aus dem Kloster der deutschen Jesuiten, zusammen einige Autoladungen, in den Untergrund gebracht habe, die von der Reichsschule verjagt wurden.
      Das fand Berix alles sehr interessant und nett und daraufhin machte er mir den Vorschlag, mehr Menschen nach Valkenburg zu holen, weil er meinte, dass es in Valkenburg und Umgebung gute Möglichkeiten gab, Menschen untertauchen zu lassen. (Ich wohne in Valkenburg.)

      Kaplan Giel Berix von der Nobelstraße in Heerlen, ein Freund von „Paul“ und Mitgründer der L.O. in Heerlen, wurde nach dem Rücktritt von Rektor Prompers aus triftigen Gründen und auf eigenem Wunsch, der Distriktleiter von Z18. Der Distrikt Heerlen war in 9 Rayons unterteilt.
      Der anwesende Herr „Paul“ wurde der Leiter des Rayon Valkenburg, dessen Widerstandsaktivitäten sich bis nach Gulpen und Maastricht hinein ausdehnten, während zu der Zeit auch Klimmen und Umgebung dem Rayon Valkenburg zugeschlagen worden waren.

      Bei diversen geheimen Zusammenkünften und über die notwendige Zusammenarbeit lernte man sich besser kennen und es wurden, außer Nachnamen auch Familienangelegenheiten -einigermaßen- bekannt.
      „Paul“ hieß mit Nachname Schunck, er wohnte in Valkenburg, hatte dort eine Wäscherei, in der auch seine Frau Gerda eine leitende Rolle spielte. Zu bestimmten Zeiten war „Paul“ in Heerlen auf der Ecke Kruisstraat-Geleenstraat anzutreffen, wo Kleidung produziert wurde.

      Der daraus resultierende Kontakt zwischen dem Rayon Valkenburg und dem Distrikt Heerlen war unkompliziert durch die Firma, weil ich täglich in Heerlen war.

      Des Weiteren vereinbarten wir, dass keine untertauchenden Personen an die Firma verwiesen werden würden, sondern dass der Kleidungbedarf für diese über Kuriere übertragen werden würde.
      Komplizierterer Kleidungbedarf wurde vom Direktor des kommunalen Sozialamtes, Herrn Cornips, mit mir geregelt. Dieser war dafür aufgrund seiner Funktion sehr kompetent. Es ging vor allem um Anzüge, Kleider, Mäntel usw. für in ihrer Gesamtheit untertauchende Familien (überwiegend Juden) und Anzüge und Mäntel für Kriegsgefangene (vor allem Franzosen) und Piloten.
      Mit schwer lösbaren Problemen musste ich mich persönlich befassen, z. B. mit einem sehr dicken Franziskaner, Pater Beatus und auch einem sehr lange Franziskaner, Pater Amond. Da war Maßarbeit vonnöten.

      Die „Tauchherberge“ in den Höhlen von Meerssenerbroeknach obenzurück


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      Mein Vater hatte seit den 30er Jahren eine Kalkbrennerei betrieben. (Beim Meersener Bruch zwischen Geulhem und Meerssen) Der Kalk wurde zerkleinert und als Dünger an die Landwirte verkauft. Direktor dieser Firma war Heinrich S., ein „Reichsdeutscher“ und Bergbauingenieur. Seine Haupttätigkeit aber konzentrierte sich auf einen Steinbruch mit Natursteinhandel in Kunrade, ebenfalls im Besitz meines Vaters.
      Auf uns hatte dieser Schwager bis Mai 1940 immer den Eindruck gemacht, dem Hitler-Regime zutiefst feindlich gegenüber zu stehen. Daher waren wir sehr erstaunt, als wir erfuhren, dass er von der Partei in Heerlen zum Ortsgruppenführer ernannt worden war und dass er eine Kontrollfunktion in den gemeinsamen Minen in Limburg bekommen hatte, als Sekretär des deutschen Grubenverwalters.
      1942 erfuhr ich durch Kaplan Berix dass ein Kaplan in Meerssen in der meinem Vater gehörenden Höhle zwei Jungs versteckt hielt, die von den Deutschen gesucht wurden. Informationen bestätigten dies und ich durfte diese Jungs besuchen. Der Kaplan schwor mir, dass er jedes einzelne Mitglied des Personals im Meerssener Kalkwerk kannte, und dass jeder vollkommen zuverlässig war. Er wusste jedoch nicht, dass der Chef ein deutscher Parteifunktionär war.

      Das ist im Grunde die Gründung des Rayons Valkenburg und das waren meine ersten Untertaucher. Das geschah in Absprache mit Kaplan Geelen.

      Hier lässt Pierre Schunck die niederländischen Soldaten außer Betracht, die er in den ersten Tagen der Besatzung auf den Weg nach Hause gebracht hat, nachdem sie eine Weile in Valkenburg auf die Touristensaison gewartet hatten. Siehe weiter oben.

      Der Zufall spielte zu unseren Gunsten. Mein Vater war im Gespräch mit Heinrich S. über die Spitzenbesetzung des Unternehmens, wegen seiner Arbeitsbelastung auf der Grube und in der Partei. Ich kannte einen vor kurzem in Löwen diplomierten Studenten, er war Agraringenieur. Er war ein Bruder unseres Kaplans in Valkenburg, ein gewisser Diplomingenieur Horsmans. Ich fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, vorübergehend (solange der Krieg dauerte) die Arbeit meines Schwagers im Meerssenerbroek zu übernehmen. Mein Vater und dieser Herr Horsmans einigten sich.
      Inzwischen waren Berix und ich auf eine Idee für diese Höhlen gekommen.

      Zuerst haben da die Jungs von Kapl. Geelen gesessen. Aber man kann sich nun mal nicht länger als drei Monaten unter der Erde aufhalten, danach musst du wieder mal an die frische Luft. Ich habe da gemeint dass es am Besten wäre, dann eben eine Tauchherberge daraus zu machen. Die Jungs von Kapl. Geelen haben wir in Schin op Geul untergebracht (wir haben die ganz übernomen) bei einem Bauern.
      Und die Höhle wurde eine Tauchherberge, und wenn ich zufällig keinen Platz hatte und ich bekam aber Nachschub, dann sagte ich: „Lasst nur kommen“, dann steckte ich sie in die Höhle und sie waren erst mal sicher.

      Ausbau der „Tauchherberge“nach obenzurück

      Unsere junge Organisation war absolut auf ihre eigene Stärke angewiesen, um durch den Feind verfolgten Menschen „Tauchplätze“ anzubieten. Der Beitritt zu einer landesweiten Organisation (die L.O.) war noch nicht erfolgt und sie war uns auch noch nicht bekannt (erst 1943). Angesichts der angespannten Lage an den Universitäten und den Juden-Razzien im Norden fürchtete Berix, dass wir plötzlich große Gruppen von Menschen würden „verarbeiten“ müssen. Als vorübergehende Aufnahmestelle würde eine solche Höhle genau passen. Nähere Auskünfte beim Personal in Meerssen über das Verhalten von S. ergaben: „Wir sehen S. nur ab und zu, bei einem Blitzbesuch im Büro, an Kalkofen und im Tagebau. In die unterirdischen Höhlen kommt er nie und er kennt sich da auch nicht aus.“
      Dass ein deutscher Partei-Funktionär, der sich in der Höhle nicht auskannte, Direktor war, fand Kaplan Berix eher positiv. Die deutschen Behörden würden gegen diesen Ort niemals Verdacht schöpfen.
      Es gab zwei voneinander völlig unabhängige Höhlen. Die erste Höhle, von Valkenburg aus gesehen, lag hinter dem Kalkofen und war sehr regelmäßig wie im Schachbrettmuster gebaut und in diesem Jahrhundert als unterirdischer „Blockbrecher“-Steinbruch entstanden. Der einzige Eingang lag für jedermann offen und einsehbar. Die zweite Höhle lag unterhalb der Obstwiese meines Vaters und wurde nicht (mehr) für die Kalksteingewinnung genutzt. Ihr Eingang war fast völlig vom Gebüsch verdeckt, nur über einen steilen Hang zugänglich. Vor dem Eingang stand das Häuschen von Gerard (Sjir) Jansen, ein sehr einfacher Mann, aber ein Pfundskerl, durch und durch zuverlässig. In der Vergangenheit wurde diese Höhle von den Montfortaner Patres in Meerssen verwendet und an freien Tagen kamen deren Schüler um Wandbilder zu malen und sie hatten sich auch einen Spaß daraus gemacht, eine Kapelle zu imitieren, in der Art wie sie sich aus der französischen Zeit noch in den Höhlen von Valkenburg und Geulhem befinden. Diese Höhle wurde von uns als „Tauch-Herberge“ gewählt.
      Die Absicht war nicht, hier einen dauerhaften Wohnsitz für Untertaucher zu errichten. Dennoch musste es noch ein Wenig komfortabler werden. Erstens war es ziemlich feucht. Die Temperatur ist dort Sommer wie Winter dauerhaft nur 10° bis 12° C, gerade etwas zu kühl um sich wohl zu fühlen. Berix wusste eine Lösung dafür. Von Bediensteten der Zeche Oranje-Nassau wurde ein langes Elektrokabel zum Versteck gelegt. Durch Vermittlung eines anderen Berix-Bekannten besorgte ein Techniker des Stromversorgers PLEM für den sicheren Einbau von Elektroheizung, Licht und einem Elektrokocher. Lichtelemente, Elektroöfen und ein Elektrokocher fand ich im Jesuitenkloster, sowie Geschirr und Küchenutensilien. Das Kabel wurde ohne Zähler direkt an das Netz angeschlossen, im Schaltschrank des Kalkwerkes.
      Es sollte ferner eine Fluchtgelegenheit geben, für wenn der Eingang vom Feind blockiert würde. Die entstand durch auskratzen einer Doline, einer Lehmröhre, die auf die Berger Heide mündete und die weiterhin durch das Gestrüpp gut getarnt bleiben sollte.
      Wir mussten für die Untertaucher auch warmes Essen zur Verfügung stellen. Bezugsscheine waren später, in der L.O.-Zeit, kein Problem, aber in der Planungszeit konnten wir darauf noch nicht zurückgreifen. Von den Lebensmitteln, die eigentlich für die Kinderküche in der Wäscherei bestimmt waren, zweigte meine Frau den benötigten Teil ab und kochte damit das Essen für die Höhle. Der Lieferwagen des Kalkwerks holte werktags dieses Essen bei uns ab und am Wochenende sollte ich das mit dem Fahrrad erledigen.

      Jan hat drin gesessen.
      Eine Zeit lang haben die Distriktsleiter da gesessen, und Leute von anderen Distrikten, die habe ich gut mit anständigem Essen, sogar Wein und Spielkarten versorgt und mein Radio stand bereit. Es gab elektrisches Licht, das war OK.
      Das Kabel haben Berix und ich beim Stadtbetrieb organisiert.

      Im Interview mit dem Auschwitz-Komitee spricht er von einem Kabel aus der Zeche Oranje-Nassau. Möglicherweise haben sie mit einem Kabel nicht genug gehabt, weil der Abstand zum Schaltschrank zu groß war.

      Die Matratzen haben wir bei den Nonnen des Krankenhauses organisiert. Das ging ganz leicht! Eines Abends hat meine Frau eine Bestellung für Decken bekommen und da bin ich auf Matratzensuche gegangen. Wir fuhren nach Heerlen, wo wir bei der Firma (Fa. A.Schunck) einige Decken abschleppen konnten. Aber sie hatten keine Matratzen. Ich sprach darüber mit Berix und fragte ihn, „Könnten wir dafür im Krankenhaus keine Lizenz bekommen?“. Da sagte Berix: „Ich war dieser Tage dort zu Besuch, und wenn du da mal vorbei schaust, da ist ein Flur und da steht eine Matratze neben der anderen.“
      Ich bin sofort mit Berix dahin gegangen. Die Haushälterin fragte, „Was wollen Sie?“ „Ja, Matratzen", sagten wir. Sie sagte: „Nehmen Sie sie nur, wenn der Kaplan das richtig findet. Da stehen sie!“
      Und wir legten los, sie weg zu tragen.
      Aber um ca. 10 Uhr kamen die Schwestern zurück und wollten schlafen gehen. Sie hatten die Angewohnheit, die Matratzen da auf dem Flur zu lüften, und diese Matratzen hatten wir nun mitgenommen!
       Petroleumvergaser

      Aber jedenfalls hatten die Jungs in der Höhle jetzt Matratzen zum schlafen.

      Dort hatten wir etwa 20 Pritschen. Wir hatten das Ganze ursprünglich für Piloten entworfen, da wir die Piloten schwer im Magen liegen hatten, denn sie mussten verteilt werden und jemand kam mit der Idee: „Seht zu, dass ihr sie in einer Höhle versteckt“. Wir haben das Ding dann eingerichtet. Wir haben die berühmte Familie F[****] mit 9 verheirateten Männern von denselben Eltern bei uns im Untergrund gehabt. Das waren Polen und die haben sich en bloc geweigert, sich zur deutschen Armee zu melden. Davon habe ich selbst 7 gehabt, und die habe ich eine Höhle, die noch nicht bekannt war, ausgraben lassen. Mit Notausgängen, elektrischer Beleuchtung, Radio, Badewanne, einem Spühlstein, einem Petroleumvergaser zum Kochen etc. .
      Das war die Pilotenhöhle. Und die ist nur von den Arbeitern verwendet worden, die sie ausgebaut haben. Wir haben vermessen um den günstigsten Punkt herausfinden und den günstigsten Ausgang in den Wald. Wir habe da noch eine alte Frau erschreckt, die dabei war, Eicheln zu suchen. Plötzlich kam jemande aus einem Loch nach oben! (Wir waren dabei, geheime Ausgänge auszuprobieren).
      Dies war eine so genannte Orgelpfeife, ein Karstphänomen in Form eines Trichters.

      Bis zum Sommer 1944 blieb die Tauchherberge in Benutzung. Im Juli des selben Jahres verlagerten die Deutschen einige Produktionslinien von Philips, wie z. B. die Herstellung von Radio-Empfangsanlagen, von Eindhoven in die bombenfesten Mergelhöhlen von Süd-Limburg. Einer der neuen Standorte lag in unmittelbarer Nähe der Tauchherberge.

      Coen Grotaersnach obenzurück


      1932, Bronsdalgroeve

      Die Kalksteinhöhlen Bronsdalgroeve und der Vlaberg am Geulweg, 25. März 1932, Meerssen-Geulhem. In diesem stillgelegten unterirdischen Teil des Kalksteinbruchs war während des Krieges die „Taucherherberge“ untergebracht.
      Die jüngste Schwester (Carla) von Pierre Schunck hat einmal erzählt, dass ihr Vater Peter, der Besitzer des Steinbruchs, einmal eine Gruppe von Deutschen durch den Betrieb führen sollte. Er wusste über die Taucherherberge ungefähr Bescheid. Als die Deutschen auch die Höhle besichtigen wollten, stieß er mit einem Stock ein paar lose Brocken Kalkstein von der Decke und sagte: „Wir können hier nicht weitergehen, wegen Einsturzgefahr!“
      Die Deutschen wollten ganz schnell wieder nach draußen und sind nie wieder gekommen.
      Bildquelle: Historisch Centrum Limburg (HCL)


      Die untenstehende Geschichte braucht ein wenig Erläuterung.

      • Sie wurde mir aus Australien zugeschickt von einem Sohn des Coen Grotaers, von dem hier die Rede ist.
      • Zu dieser Zeit gab es in Geulhem zwei Kalksteinbrüche entlang der Göhl, am Meerssenerbroek. Eine davon war Eigentum von Peter Schunck, dem Vater von Pierre Schunck. Sie war teilweise ein weit verzweigtes Höhlensystem. Darin war eine Tauchherberge eingerichtet. Der andere Steinbruch gehörte dem unten erwähnten Wim Curfs.
      • Vermutlich ging es in der untenstehenden Geschichte um Ausweise, die beim Überfall auf das Zuteilungsamt in Valkenburg erbeutet worden waren. Wir dürfen hoffen, dass nach jenem Unfall noch einmal jemand mit neuen Ausweisen nach Kaldenkirchen gegangen ist.
      • Das Methangas, von dem hier die Rede ist, war kein Holzgas. Nur die Wehrmacht verfügte über Benzin. Nur die Wehrmacht hatte Benzin, daher hatten eine Menge Leute Holzgasgeneratoren auf dem Auto. Die waren nicht ungefährlich. Es war eine kleine Fabrik, auf dem Heck oder auf dem Dach, in dem das Holz beheizt wurde. Dabei entstand Holzgas und Teer. Man tankte also nicht, sondern packte neues Holz rein. Normalerweise war die Anlage dann kalt, aber während einer langen Fahrt, wenn die Anlage also heiß war (sonst funktionierte sie ja nicht) könnte die Flamme in die Pfanne schlagen. Aber das ist hier nicht passiert, schreibt der Sohn von Coen Grotaers. Sein Vater fuhr einen LKW, der von Methangas aus der Fabrik angetrieben wurde. Vermutlich also ein Produkt aus der Kokerei auf der „Kull“.
      • Aus der Mail geht hervor, dass es auch Kontakte mit Deutschen Widerstandsgruppen gab.

      Open Street Map Klicken Sie auf die Übersichtskarte für eine Vergrösserung (Open Street Map).

      Hi, to whom it may concern.
      My name is Victor Grotaers and I live in Wesburn Australia, about 70 Km north-east of Melbourne.

      Mein Vater (Coen Grotaers) war Teil der Widerstandsgruppe im Dölkesberrig (Dohlenberg) (Tauchherberg) in Geulhem und arbeitete auch für Peter Schunck im Mergelsteinbruch, wo er von etwa 1943 bis etwa 1946 den von Dampf angetriebenen Schürfkübelbagger bediente, mit dem der Mergelkalkstein abgebaut und auf Lastwagen geladen wurde. (Dieser Seilbagger hatte einen Schürfkübel von 2 Kubikmeter und ich weiß, dass er von Dampf angetrieben wurde, weil ich manchmal mit ihm mitgegangen bin, und dann musste ich auf einem jener ziegelförmigen Riesenbriketts sitzen, die in den Ofen gingen!)

      Ich habe einige Berichte über die Widerstandsbewegung im Internet gesehen und viele Namen wieder erkannt aus den Berichten unserer Eltern über was sie während ihrer Aktivitäten in der Bewegung getan hatten.
      Meine Eltern waren beide an der Widerstandsbewegung beteiligt. Meine Mutter kochte auch Mahlzeiten für die „onderduikers“ (versteckte Menschen) und sie versteckte diese unter einem falschen Boden in meinem Kinderwagen. Ich selbst und mein jüngerer Bruder Peter waren die Tarnung! (Ich wurde im Jahr 1942 geboren) (wir wohnten im ersten Haus oben am Bronsdalweg in Berg en Terbijt)
      Einmal fuhr mein Vater einen Lastwagen (ich weiß nicht, ob er Schunck oder Wim Curfs gehörte). Er musste nach Kaldenkirchen in Deutschland mit 172 falschen Ausweisen, um Leute aus diesem Konzentrationslager heraus zu holen. Der Lastwagen fuhr auf Methangas. Nach dem Füllen des Lastwagens in Sittard, ging etwas schief und der Lastwagen ging heftig in Flammen auf, Papa wurde schwer verbrannt, aber er überlebte. Dies geschah am 15. März 1944, am Tag bevor mein Bruder Peter geboren wurde.
      Mein Vater starb hier in Australien im Jahr 1979.
      Ich würde gerne wissen, ob es Aufzeichnungen und Photos in den Archiven gibt, die die Beteiligung unserer Eltern an der Widerstandsbewegung bestätigen.

      Many Thanks, Victor Grotaers

      Anmerkung: Wer Informationen über das Ehepaar Grotaers hat, melde sich bitte bei mir, ich leite das dann weiter.

Die kleinsten Einheitennach obenzurück

Wir hatten einen Taucherchef in jeder Pfarrei. Unsere Sache war nach Kirchengemeinde organisiert.

Die Taucherchefs konnten sich so viele Helfer nehmen, wie sie wollten, aber ich musste wissen wer es war, und dann erkundigte ich mich über sie. Das könnte falsch gewesen sein, aber ich meinte, dass die stärkste Kette durch ein schwaches Glied gebrochen werden kann und wollte darum kein Risiko eingehen. Bevor jemand angenommen wurde, musste ich darüber Bescheid wissen. Das sicherte uns im Grunde von vornherein.

Die folgenden Personen engagierte er als Taucherchef: Kaplan W.B.J. Horsmans und Küster H. van Ogtrop, unterstützt von J. Peusens und J. van de Aa, in Valkenburg; J. Hendriks in Berg und Terblijt; F. Schoenmakers in Sibbe; J. van de Laar in Margraten; A.H. Laeven in Schin op Geul; L. Horsmans in Houthem-St.Gerlach und A. Caldenborg in Houthem. W. Cremers und die Schwestern Peusens arbeiteten als Kuriere. Vorläufig blieb das Rayon Valkenburg selbständig. J. Starmans pflegte die Beziehungen zu den anderen Distrikten.

Der Distriktsleiter hatte zunächst Kontakt mit dem Klerus der Pfarrei, und er bekam auch die Tipps für das eventuelle Untertauchen von Jungs aus Valkenburg von Seiten des Pfarrei-Klerus.
Er (der Taucherchef) gab mir dann nach oben die Adressen der Jungs die abzutauchen wünschten. In der Regel kannte ich die Jungs schon und wusste um ihre Gründe. Das waren meistens anständige nationale Gründe. Diese Adressen gab ich an Jan Cornips weiter und der bereitete dann einen Tauchplatz für sie vor.
Dann präparierte ich türkische Pässe [und brachte sie zur] Kapelle in Klimmen, und die besorgten da schon den Rest. Das machte meistens [Bessems], der brachte die Jungs meistens weg. Dann waren wir sie los.
Aber auf einen den wir unterbrachten kamen 10 neue dazu, weil es hier ein ländliche Gemeinde war.

Ad: Woraus bestand das Rayon Valkenburg?
Schunck: Aus der Gemeinde Valkenburg-Houthem; dem Dorf Walem, das zur Gemeinde Klimmen gehörte; Geulhem (Gem. Berg en Terblijt); einem Stück von Margraten, und dem Weiler [Schoonbron] der Gemeinde Wylré.

Distriktleiter Berixnach obenzurück

Dank dem Kontakt zwischen Berix und Schunck konnten bald die ersten Untertaucher von Heerlen nach Valkenburg kommen.

Der Kontakt mit der Führung des Distrikts war Berix. Bald waren wir eng befreundet, es verging kein Tag, wo nicht ich bei ihm war oder er bei mir. So war der Kontakt ganz normal: Ich brachte dann auch einmal pro Periode die Couponkarten mit, die wir übrig hatten. Klimmen wurde von uns direkt versorgt, das war Bep van Kooten (Der zukünftige Kommandant von allen KP-gruppen in Limburg) . Und den Rest der Couponkarten bekam Berix für die Verteilung im Distrikt an Orten, die kein Zuteilungsamt hatten.
Als er in den Untergrund ging, kam Berix zu mir ins Haus, also wurde der Kontakt noch enger. Also saß nun der Distriktleiter bei mir im Haus. Er hieß nun Herr De Groot und trug einen Ehering und fuhr ein Herrenfahrrad. Er war als Kaplan nicht gewohnt, ein Herrenfahrrad zu fahren und er schlug immer mit seinen Beinen gegen die Stange!
Meine Mitarbeiter dachten, er sei ein alter Studienkamerad von mir und für seine Gesundheit ein paar Monate hier bleiben sollte, und der nicht genug Kohle für ein Hotel hatte. Er galt als verheiratet und wenn er bei mir hereinkam, dann hieß es: „Giel, wie geht es deiner Frau und den Kindern?“, was für einen Kaplan natürlich etwas komisch war!
Auch am Telefon fragte ich immer als Erstes: „Giel, wie geht es deiner Frau?“ und dann kam er gleich mit einer Geschichte, dass seine Frau gerade mit der Wäsche fertig war, und sie sich nicht dazu durchringen konnte, die Wäsche in die Wäscherei zu geben.
Es war ein fröhlicher Mensch, immer voller guter Laune.

Er ist bei uns weggegangen aus Angst vor meinen Sohn. Der war damals 5 Jahre alt, und dieses Kerlchen sagte irgendwann zu ihm, nachdem er sich ihn mal genau angesehen hatte: „Du bist ein pater!“ Der Kleine hatte ein Breviergebetbuch von ihm gefunden, und er hatte gesehen, dass Berix im Gegensatz zu Papa, immer sehr ehrfürchtig vor und nach dem Essen betete, während sein Vater es mehr nur erledigte. Außerdem segnete er immer das Essen, und das hatte mein Junge auch bei anderen Geistlichen gesehen (die auch wegen der illegalen Arbeit oft bei mir waren). Das hatte er sich gemerkt.
Berix sagte daraufhin zu meiner Frau: „Hör mal, ein Kinderauge und ein Kinderohr sind scharf. Es ist besser, dass ich gehe, sonst bekommt ihr nur Ärger.“ Ich habe das sehr bedauert. Allerdings ist er in der Nähe geblieben und so hatten wir auch wieder täglichen Kontakt.



Denkmal Berix

Quelle: Meers, monument voor kapelaan J.W. Berix vom Nationaal Comité 4 & 5 Mei. Deutsche Übersetzung und weitere Informationen über Giel Berix auf unserer Site.

Giel Berix hat den Krieg nicht überlebt. Er nahm, gekleidet wie ein Nicht-Geistlicher und mit gefälschtem Personalausweis, trotzdem am 21.06.1944 an einer Versammlung der Spitze der Provinz-L.O. in Weert teil. Diese Versammlung wurde von einem Herrn namens Vos verraten. Berix und 8 Schicksalsgenossen wurden verhaftet und ins KZ Bergen-Belsen gebracht, das sie nicht überlebt haben. Berix ist an Typhus gestorben.
Mehr Details über das Leben und die Gefangenschaft von Jan Willem „Giel“ Berix.

Der L.O.-Distrikt Heerlennach obenzurück

Hier darf ich nicht den Sekretär unseres Distriktsleiters vergessen, das war Jan Cornips, der im Grunde die Angelegenheiten der Distriktsführung erledigte, die Sitzungen besuchte etc., der die Untertaucher aufteilte.

Cornips, Student an der »Economische Hogeschool« in Tilburg, hatte sich geweigert, die „loyaliteitsverklaring“ (Treue-Erklärung) zu unterschreiben und war Mai 1943 nach Deutschland gegangen, um seine Eltern nicht zu gefährden. Im September kehrte er nach Heerlen zurück. Sein Vater hat ihn Berix vorgestellt.

Den Kontakt mit Jan hatte ich stets bei seinem Vater.

Meetingsnach obenzurück

1943 stand der organisatorische Rahmen der LO. Im Zusammenhang mit den Risiken verzichtete man auf das Abhalten von Treffen im Krankenhaus von Heerlen. Wenn ein Rayonleiter das für nötig hielt, wurden kleinere Treffen in der Wohnung von Berix abgehalten, im Patronatsgebäude oder später im Sprechzimmer des Klosters von der Kleinen Schwestern von St. Joseph und in der Wohnung der Familie Seelen. Cornips war der Verbindungsmann zwischen dem Distrikt und den Rayons. Er erstattete dem Distriktsrat wöchentlich Bericht, dem er selbst, Berix, Kaplan J.J. Keulen, Quint und De Koning angehörten. In der Regel fand die Distriktsrats-Sitzung am Tag nach dem Provinz-Treffen statt. Abwechselnd besuchten Cornips und Berix diese Sitzung.

Wir hatten von der L.O. aus regelmäßig Treffen auf Distriktsebene, die immer im Anschluss an die Provinz-Treffen stattfanden. Als Vertreter des Distriktes ging entweder Berix oder Jan hin, und später, als er anfing, aufzufallen, war es [?]. Die fuhren zu den Provinz-Treffen und dann kamen sie zurück mit Daten für die Rayonleiter und die wurden dann anschließend diskutiert.
Ad: Gab es dafür einen festen Tag?
Schunck: Nein. Es war etwa alle zwei Wochen, aber keinen festen Tag.
Coenjaerts: Die Treffen wurden per Kurier angekündigt.

Cammaert schreibt: „G.H.H. Coenjaarts, der im Büro der staatlichen Bergwerke arbeitete, klaute über tausend Firmenausweise für Untertaucher. Er druckte illegale Blätter und sogar Bücher auf der Zeche. Im Sommer 1944 drohte er aufzufliegen. Die gesamte Rayonleitung von Heerlen ging in den Untergrund. In den letzten Monaten fungierte Coenjaarts als Hauptmitarbeiter in Goossen's Nachrichtendienst im Rayon.“ Handelt es sich hier um die selbe Person?

Schunck: Später wurden diese Treffen für etwas zu gefährlich gehalten. Da kam Coenjaerts um [???] zu vertreten, und wir haben uns bei Jaspers getroffen. Bep van Kooten aus Klimmen war auch dabei. Wir haben da im Grunde die Rayon-Sitzungen eingestellt. Wir sagten: „Das machen wir nicht mehr, das wird zu gefährlich“. Ströbel (Chef des SD=Sicherheitsdienst der SS in Maastricht) war damals ziemlich hinter uns her.
Wir haben da weibliche Kuriere eingeführt. Da ging der Krieg schon zu Ende. Das haben wir im ganz kleinem Kreis den Tauchchefs mitgeteilt. Das war in Weert, alles ging da via Kuriere.

Weibliche Kuriere sind sicherernach obenzurück

W. Cremers und die Schwestern Peusens fungierten als Kuriere.

Dann habe ich Frl. Cremers (Wielke Cremers, Schwägerin von Pierre Schunck) als Kurier eingesetzt. Die ist immer zu den waghalsigsten Adressen geradelt und von ihr bekam ich Mittelungen auf Zetteln. Aber das fand ich keine befriedigende Lösung, denn diese Zettel waren noch gefährlicher als der Kontakt (selbst)!

Seit der Verhaftung von Berix war unser LO-Distrikt auch ein bisschen orientierungslos. Der eine Distriktsleiter folgte auf den anderen. Also habe ich in meinem Rayon im Grunde unabhängig gearbeitet, ich bekam bloß keine Daten mehr und auch keine Untertaucher.
Ich habe eine Zeitlang von Maastricht aus von M[emmisman] einige Untertaucher untergebracht, der nicht in der L.O. organisiert war, aber schließlich nicht mehr wusste wohin mit den Leuten... Und dann die Jungs vom Arbeitsdienst, die für die OT (Organisation Todt) arbeiten mussten, aber die abhauten und von sich aus in in der unmittelbaren Umgebung bei Bauern landeten. Die Bauern wussten dann schon, wer der (zuständige) Tauchleiter war.
So wurden die offenen Plätze bei uns von alleine wieder besetzt.

Die Menschen, die zwischen Juli ’44 und Ende Aug ’44 Distriktsleiter gewesen sind, kannte ich im Grunde nicht mehr, weil der Kontakt über die Kuriere lief, und das war auch gut so. Dass aber Zettel ausgetauscht wurden, fand ich falsch, es wurde zu viel geschrieben.

Wir schütteten monatlich ƒ1600,-- an Unterstützungen aus. Das war nicht viel, weil wir eine landwirtschaftliche Gemeinde hatten und die Untertaucher, die bei uns untergebracht wurden, konnten alle bei Bauern oder in Hotels eingesetzt werden. Also verdienten die selbstverständlich ihren eigenen Lebensunterhalt. Ich bestand darauf, wenn ein Junge für einen Bauern arbeitete und er machte seinen Job gut, dann sollte er dafür auch eine anständiges Taschengeld bekommen, und wenn er ein verheirateter Mann war, dann haben wir über den Distrikt Maßnahmen getroffen und dafür waren diese ƒ1600,--.
Wir bekamen im Rayon schon mal Geschenke, aber vor allem gegen Ende gab es eine Menge Schwarzhändler, die unbedingt einen Stempel „für die Illegalität“ wollten, und das Geld habe ich abgelehnt. Es gab sogar mal einen Viehhändler, der ƒ100.000,- geben wollte. Der Taucherchef kam hocherfreut zu mir: „Ich habe Hunderttausend Gulden!“
Aber ich sagte: „Und doch nehmen wir das nicht“.
Wenn ich nicht wusste von wem es kam, sagte ich immer: „Nein, wir machen uns nicht schmutzig an diesem Dreck“.
Wir haben noch nie Schulden gehabt.

Anfang 1944 zählte der Distrikt also neun Rayons: Hoensbroek (angeführt von Kaplan W.H. Hermans), Brunssum (Pater W.E.H. van der Geest), Geleen-Beek (H. Smeets), Kerkrade (Th.J.M. Goossen), Ubach over Worms (pater Ch. Fréhen), Klimmen (B.J.C. van Kooten), Heerlen (bis Januar 1944 J.H.A.E. Cornips und Kaplan J.J. Keulen, danach nur Keulen und ab März jeweils J. (Joep?) Seelen und A.J. Derks), Valkenburg (P.J.A. Schunck) und Sittard (M.P.J.M. Corbeij). Nach einem Treffen in der Wohnung von B. van Kooten wurde Klimmen als letztes Rayon dem Distrikt zugeschlagen. Die Zusammenlegung verlief übrigens nicht sehr glatt. Das Rayon Geleen-Beek schloss sich erst endgültig an, als unumstößlich feststand, dass das viele Vorteile haben würde. Sittard behielt hartnäckig seinen unabhängigen Kurs bei, zum Ärger der Distrikte Roermond und Heerlen. ... Mit dem Distrikt Gulpen gab es ebenfalls Spannungen. Vielleicht wurden die Schwierigkeiten teilweise durch die Tatsache verursacht, dass Berix und die seinen viele Mitarbeiter in Kreisen angeworben hatten, die sich schon seit einiger Zeit am Widerstand beteiligten und die Teil von vorhandenen illegalen „Organisationen“ waren, die ihre Unabhängigkeit nur ungern Preis gaben.
Obwohl die L.O. und die K.P. getrennt von einander operierten, gab es wohl Kontakt zwischen den beiden Organisationen: H. Putters trat als Verbindungsmann auf. Die K.P. fungierte als starker Arm der L.O.

Erst im Januar 1944 wurde das Rayon Valkenburg, nach Schwierigkeiten mit Maastricht, dem Distrikt Heerlen hinzugefügt.

Der Strom der Untertaucher schwillt annach obenzurück

Wir haben auch schon mal Schwierigkeiten gehabt, vor allem mit einem Konvoi aus der Umgebung von Hilversum. Wir hatten eine kurze Zeit das Konvoisystem, so dass sie plötzlich mit 20 bis 25 Untertauchern gleichzeitig in Valkenburg einfielen, was ich eine dumme Methode fand. Dann stand ich da mit den Taucherchefs am Bahnhof um die Männer in Empfang zu nehmen und aufzuteilen.
Es gab auch mal Spionage hinter einem solchen Konvoi, und da habe ich einen Aufseher der O.T. (Organisation Todt) erklären lassen, dass es alles OT-Arbeiter waren, die da mitkamen. Ich habe diesen Mann das indirekt, über Beziehungen und Bekanntschaften, sagen lassen. Und dieser Mann war zum Glück nicht so un-national, dass er dies nicht erklären wollte. Das waren Leute aus der Betuwe. Ich glaube, dass da etwas los war, so dass plötzlich alle Untertaucher weg mussten. Davon hatte ich auch etliche, und die haben wir für OT-Arbeiter ausgeben müssen.

Wir haben damals auch aus Heerlen regelmäßig Nachschub an Untertauchern bekommen. Bei uns sind 143 Namen bekannt, die wir erhalten haben. Unbekannte Namen gibt es noch mehr, von Jungs, die bereits herumstreiften und denen wir bei Landwirten und in Unternehmen in Valkenburg offizielle Arbeit besorgt haben, besonders in Hotels. Ich hatte ein Schiffsoffizier als Küchenchef im Hotel Continental. Er sagte: „Bei uns auf dem Schiff können wir alles. Ich kann auch kochen.“ „Los,“ ich sagte dann, „dann eben Koch in einem Hotel, dann brauchst du wenigstens nicht nach draußen zu kommen.“ Aber das ergab nur etwas Schreckliches. Ich glaube, dass die Menschen dort so ziemlich vergiftet wurden!

Auf dem örtlichen Zuteilungsamt machten W.A.P. Freysen und V. Willems monatlich zwischen 500 und 800 Couponkarten frei. Es gab sogar einen Überschuss, von dem andere Rayons profitierten. Viele Untertaucher erhielten von einem Mitarbeiter des C.C.D. (Crisis Controle Dienst) und dem Chef des örtlichen Lebensmittelamtes, L. Brands, eine landwirtschaftliche Befreiung, so dass sie ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten konnten und die Rayonführung nur hier und da finanzielle Mittel beisteuern musste. Monatlich wurde im Schnitt ƒ1.600,- an Beihilfen ausgezahlt, erhalten von der Distriktsleitung in Heerlen. Das Rayon hatte etwa hundertfünfzig Untertaucher. Bei ihrer Ankunft am Bahnhof in Valkenburg fand die Kontrolle statt über ein Kennwort und einen türkischen Pass. 1944 kamen auf Grund von Problemen im Distrikt Maas en Waal an einen Tag nicht weniger als hundert Untertaucher am Bahnhof an. Schunck und die seinen konnten die meisten mit Unterstützung von L. Brands bei Bauern unterbringen, ohne dass dies in der von Touristen stark besuchten Gemeinde wirklich auffiel.

Den Leuten, die am Bahnhof angekommen waren, wurde gesagt, sie sollten zur Kirche gehen, angeblich um zu beichten. Und vor welchen Beichtstuhl sie in der Kirche Platz nehmen sollten. Sie würden dort Anweisungen bekommen, wie es dann weitergehen würde. Diese Menschen waren aus einer katholischen Gegend, sie wussten also, dass sie in den Kirchenbänken warten sollten, bis sie dran wären. Im Beichtstuhl war kein Priester, sondern der Küster Harry van Ogtrop. Er fragte denjenigen, der an der Reihe war, wer er sei, und sagte ihm, zu welche Tauchadresse er gehen sollte. Die Kirche war der einzige Ort, wo eine solche Aktion völlig unauffällig stattfinden konnte, weil nur dort viele Menschen zur gleichen Zeit anwesend sein durften. Harry van Ogtrop hat später fast sein gesamtes Vermögen verloren. Der ehemalige Widerstandskämpfer Jan van Betuw beschreibt weiter unten die für unsere Nachkriegs-Niederlande beschämenden Umstände. Da der Küster auch stark durch einen Unfall behindert war, fiel er dann auf eine armseligen Küsterrente zurück. Er war als Fußgänger auf dem Gehweg von einem Auto angefahren worden und kam in einen Rollstuhl.
„Paul“ hat zwar noch Versuche unternommen, die Entscheidungen des Treuhandinstitutes rückgängig zu machen, wie auch in der ebenfalls weiter unten von Jan van Betuw beschriebenen Sache Soesmann, aber das misslang. Jan van Betuw: „Man muss diese Dinge allerdings im Zusammenhang mit der Mentalität jener Tage betrachten: des gehorsamen und behördentreuen Bürgers. Rechtshilfestellen für kleine Leute waren unbekannt, bzw. noch lange nicht so allgemein verbreitet wie heutzutage.“

Die Juden in Valkenburgnach obenzurück



Gedenkstein Jüdische Opfer aus Valkenburg

42 Joodse Valkenburgers opgepakt en vermoord
42 Jüdische Valkenburger verhaftet und ermordet

Am 11. September 1955 wurde, in Erinnerung an die deportierten und getöteten jüdischen Bewohner von Valkenburg, eine Gedenktafel auf den jüdischen Friedhof auf dem Cauberg gelegt. Jan Diederen schreibt in dem Buch „42 Jüdische Valkenburger verhaftet und ermordet“: Nicht alle Einträge sind korrekt. So ist Erna Benedik nicht aus Valkenburg deportiert worden, sondern zusammen mit ihrem Mann Theo Sachman aus Amsterdam. Die Witwe Henriette Herzog-Berlin hat den Krieg überlebt und starb eines natürlichen Todes. Der Name Jacq. Hannef ist nicht nur falsch geschrieben — es sollte Jacob Hanft sein — er wohnte auch nicht in Valkenburg sondern in Dolberg bei Klimmen. Verwirrend ist ferner die Tatsache, dass alle verheirateten Frauen mit dem Nachnamen ihres Mannes aufgeführt sind und nicht auch mit ihrem Mädchennamen. Auf dem Gedenkstein sind die aus Valkenburg deportierten Opfer Eva Cok de Wilde und Alice Gebhart-Rosenwald nicht aufgeführt.
Im oben erwähnten Buch (ISBN 978-90-805499-3-7) sind die korrekten und umfassendere Daten zu finden, und zwar in den Tabellen ‘Valkenburg’ und ‘Benedik’. Es ist für € 10,- erhältlich beim Autor Jan Diederen, jahdiederen@hotmail.com oder Henk Vossen, Prinses Christinalaan 33, Valkenburg, tel. 043-4511312.

Der in Valkenburg wohnhafte L.O.-Mitarbeiter P.J.A. Schunck stellte fest, dass die örtliche, übrigens kleine jüdische Gemeinde die drohenden Gefahren nicht zur Kenntnis nehmen wollte und die angebotene Hilfe zurück wies. Ihre Haltung war exemplarisch für die so vieler Juden und anderer. Man konnte es nicht fassen, sogar nicht glauben, wie schlimm das Böse sein konnte. So war ein älteres jüdisches Ehepaar fest davon überzeugt, dass es ihre Wohnung zugunsten einer großen Familie zu verlassen musste. Im Gegenzug für ihre Abreise war den beiden betagten Menschen nämlich Unterkunft in einem Altersheim zugesagt worden. (Auch) andere jüdische Einwohner von Valkenburg glaubten die alarmierenden Nachrichten, die durchgesickert waren, nicht. Sie meinten aufrichtig, es würde allenfalls (Zwangs-)Arbeit in polnischen Lagern geben. Mit dieser Auffassung täuschten sie sich selbst, um sich mit ihrer Situation abfinden zu können. In anderer Hinsicht war Valkenburg ebenfalls exemplarisch für ein weit verbreitetes Phänomen. Die „kleinen“, mittellosen Juden wurden fast alle deportiert, während die Reicheren sich in vielen Fällen rechtzeitig verstecken konnten, manchmal mit Hilfe von Einzelpersonen, manchmal mit Hilfe der L.O. oder einer anderen Widerstandsgruppe. Dank der L.O. fanden Dutzende von Juden Unterschlupf im Rayon Valkenburg.

Jan van Betuw
Jan van Betuw

Den nun folgenden Text bekam ich per Mail von einem Ehemaligen des Widerstandes, Jan van Betuw, nach einem Gespräch mit ihm auf der Beerdigung meiner Mutter, Gerda Schunck-Cremers.
Jan (Jules) van Betuw war Kurier des Widerstandes in Heerlen. In dieser Funktion entging er eines Tages Anfang 1944 knapp seiner Verhaftung auf dem Valkenburgerweg in Heerlen.
Sein Bus wurde angehalten, als er illegale Couponkarten transportierte.
Mehr über Jules auf http://users.cuci.nl/

Sehr geehrter Herr Schunck
Als Anlage finden Sie den Artikel über was Ihre Mutter mir erzählte über die Juden in Valkenburg und den Küster, sowie den Standpunkt der niederländischen Regierung
mit freundlichen Grüßen
Jan van Betuw

Aasgeier nach dem Zweiten Weltkrieg
Worin ein kleines Land noch kleiner sein kann.

Seit dem Ersten Weltkrieg wohnte in Valkenburg das Ehepaar Soesmann-Horn. Schon als Schulmädchen kannte Frau Schunck-Cremers dieses jüdische Ehepaar, das nebenan wohnte. Er war niederländischer, sie deutscher Herkunft.
In Valkenburg waren sie allgemein geachtete Leute. In fortgeschrittenerem Alter hatte Herr Soesmann eine prominente Stellung in der jüdischen Gemeinschaft inne, er war der stellvertretende Rabbi. Am Sabbath machte die spätere Frau Schunck-Cremers u.A. bei den Nachbarn den Ofen an.
Im Zweiten Weltkrieg wohnten die Ehepaare Schunck und Soesmann noch in Valkenburg. Herr Schunck („Paul“) hatte eine führende Rolle im Widerstand und er wusste, dass der Plan bestand, Valkenburg kurzfristig zu „entjuden“. Energisch regelte er für seine Bekannten eine Untertauchadresse im Krankenhaus von Heerlen (Herr Soesmann, schon älter, war kränklich). Weil Frau Schunck das jüdische Ehepaar schon so lange kannte und vertraulicher mit ihnen verkehrte, befragte sie die beiden, ob sie sich über die Konsequenzen dieses „Judenfrei“ machen in Klaren wäre. Sie waren es tatsächlich, soweit damals möglich, allerdings hatten sie, wie alle, keine Ahnung von Vernichtungslagern und Auschwitz.
Während dieses Gespräches sagte Frau Soesmann, sie hätte schon viele Wertgegenstände wie Schmuck bei vertrauten Bekannten untergebracht. Jetzt wäre sie dabei, den Rest in Wollknäuel zu wickeln. Die könnte sie dann unbemerkt mitnehmen und so eine Reserve haben für alle Fälle. Auf die Frage, ob sie denn auch Empfangsbescheinigungen davon hätte, zeigte sie einige Zettel. Aber an das eigene Haus oder ein Testament hatten sie noch nicht gedacht. Paul regelte auch das. Ein schon vor geraumer Zeit nach Amerika ausgewanderter Bruder von Frau Soesmann wurde Universalerbe. Die Dokumente bekam Frau Schunck in Verwahrung.
An Untertauchen dachte das jüdische Ehepaar aber nicht: „Nein, wenn Gott unser Volk in die Verbannung führt, müssen wir Älteren vorangehen. Und wir wollen niemanden gefährden für die kurze Zeit, die wir noch zu leben haben“.

Nicht lange danach wurden sie von den Deutschen abgeholt und nach Maastricht gebracht. Alles was sie bei sich hatten wurde ihnen abgenommen! Von Maastricht ging es nach Aachen, wo Herr Soesmann als alt und krank (und also nichts „wert“) abgetrennt und „beseitigt“ (!) wurde. Frau Soesmann ging allein auf Transport. Ein Mitgefangener, der überlebte, kannte die Tragödie und informierte Paul nach dem Krieg.

Nach dem Krieg machte „Paul“ (Pierre Schunck) den Bruder Horn in New York ausfindig und klärte diesen über das Testament auf. Dieser Bruder, auch schon älter und Kellner seines Zeichens, verkehrte in bedürftigen Umständen und war, trotz der Trauer über das Schicksal von Schwester und Schwager, auch überglücklich.

Paul regelte eine Geschäftsreise nach Bonaire und legte zwei Tage Pause für den Besuch beim niederländischen Konsul in New York ein. Er verabredete sich mit dem Bruder und wollte mit diesem und dem Testament die Sache beim Konsul rund machen. Der Konsul empfing sie, hörte sich die Geschichte an, begutachtete das Testament und schien geneigt zu reagieren wie Paul es erwartete.
„Aber dann wird Herr Horn sich wohl als der benannte Erbe legitimieren müssen.“ Horn legte dem Konsul seinen alten deutschen Pass, mit dem große „J“ darin, vor. Der Konsul reagierte wie von einer Wespe gestochen. „Das ist feindliches Vermögen, das muss beschlagnahmt werden! Denn Horn ist ja Deutscher!“
Gutes Zureden und umständliches erklären der Lage halfen kein Bisschen. Horn bekam nichts und der Konsul beschlagnahmte das Testament.

Als Paul, tief enttäuscht, wieder in Valkenburg heimkehrte, lag dort schon ein Brief eines Anwalts, in dem er aufgefordert wurde, alle Besitzungen (rührende und unrührende) des verstorbenen Ehepaares Soesmann-Horn beim Treuhandinstitut (Nederlands Beheersinstituut, NBI) zu melden, was Paul tat. Als das Treuhandinstitut bei den diversen Personen die Wertgegenstände der Soesmanns einforderte, haben die Betreffenden abgestritten, die Sachen zur Verwahrung bekommen zu haben. Das Haus des Niederländers Soesmann wurde öffentlich versteigert. Der einzige Bieter war ein ehemaliger niederländischer Nazi, der dort wohnen blieb.
So eigneten sich der niederländische Staat und seine Bürger den Besitz von ermordeten Juden an.

Eine andere Begebenheit, ebenso zum Himmel schreiend, betraf den Widerstandsmann van Ogtrop (der Küster von Valkenburg). Er verlor nahezu sein gesamtes Vermögen. Er hatte, lange vor dem Kriege, die Tochter eines deutschen Busunternehmers in Gütergemeinschaft geheiratet. Dieser wohnte in Koningsbosch (Gemeinde Echt) und hatte dort sein Unternehmen (u.A. Bergarbeitertransport). Diese Leute waren alles andere als Hitler-Anhänger. Ihr / sein Anteil in dem Unternehmen wurde ohne Weiteres beschlagnahmt. Weil der Küster durch einen Unfall auch noch schwerbehindert wurde, fiel er zurück auf eine magere Küsterpension.

Paul hat zwar noch Versuche unternommen, die Entscheidungen des Treuhandinstitutes rückgängig zu machen. Aber das misslang. Man muss diese Dinge allerdings im Zusammenhang mit der Mentalität jener Tage betrachten: des gehorsamen und behördentreuen Bürgers. Rechtshilfestellen für kleine Leute waren unbekannt, bzw. noch lange nicht so allgemein verbreitet wie heutzutage.

12/8/99 Jan von Betuw.

Verräternach obenzurück

Einmal glaubte ich, einen Verräter dabei zu haben. Das war ein Mann, der wollte immer nur zu einem anderen Tauchplatz. Da habe ich sehr darüber gegrübelt, wie diesen Mann loszuwerden. Er machte ständig Schwierigkeiten und sagte jedes Mal, dass er einen anderen Tauchplatz haben wollte. Ich habe ihn zu Bep van Kooten gebracht, dem ich sagte: „Du kannst ein hübsches Exemplar von mir bekommen.“ Er sagte: „Lass nur kommen, ich habe genug desertierte [*****]!“ Und er hat diesen Fall gelöst.

Pierre Schunck formuliert es hier kurz und fast heiter. Zu Hause hat er hierüber ganz anders gesprochen. Sie hatten diesen Mann schwer im Magen liegen. Die Widerstandsleute in Limburg waren zum größten Teil überzeugte und prinzipientreue Christen, die das 5. Gebot ernst nahmen. Aber andererseits war Krieg, und dieser Mann war wahrscheinlich ein Feind. Also galt hier Kriegsrecht und das Prinzip der Notwehr. Und die KP als „bewaffneter Arm“ hatte es zu lösen. Das war natürlich alles andere als die Aktionen am „Bijltjesdag“ (Tag der Abrechnung) nach der Befreiung, von denen die L.O. sich distanziert hat.

Manipulationen mit Kartennach obenzurück

Mit Ausnahme der Landwirtschaft sollte von jedem Geschäft genau Buch geführt werden, wieviel männliche Personen im Alter von 18 bis 45 Jahren dort arbeiteten. Ein spezieller Kontrolldienst sollte bestimmen, wer für de Arbeitseinsatz in Deutschland in Betracht kam und wer nicht. Die Daten wurden auf einer Z (Zurückstellungsverfahren) -Karte eingetragen. Die Komplexität dieses Verfahrens bot neue Möglichkeiten für Sabotage. Verschiedene Unternehmen und regionale Arbeitsämter arbeiteten mit allen möglichen Mitteln gegen die Maßnahme. Die L.O. bekam eine große Anzahl von blanko Z-Karten in die Hände, brachte falsche in Umlauf und schickte fiktive an die Arbeitsämter. Durch Schlamperei, Fehlinformationen und Verzögerung in der Ausführung, bei denen Beamte aus allen involvierten Institutionen und Instanzen mitarbeiteten, versank das Verfahren in ein völliges Chaos.

Auch in Valkenburg mischten Gemeindebeamte dabei mit, im Rathaus und auf dem Zuteilungsamt.

Ad: Hat es noch besondere Aktionen gegeben mit Zet-Karten of TD’s? (= Tweede Distributiestamkaart)
Schunck: Die Z-Karten waren bei uns nicht so nötig, aber wir haben trotzdem einen Agenten gehabt. Das war ein Mensch vom Finanzamt, der oft bei Geschäftsleuten war, und der da dann angeblich kam um die Bücher zu prüfen. Dann sagte er zu einem solchen Geschäftsmann: „Haben Sie schon die Z-Karten Ihrer Mitarbeiter vorgelegt?“ Und wenn sie das nicht hatten, sagte er: „Komm her, dann bring ich mal eben in Ordnung.“ Dann tat er das und brachte sie zu mir. Dann glaubten diese Unternehmer, dass sie ihre Z-Karten in Ordnung hatten. Der Mann vom Finanzamt versorgte mich mit Stempeln und ich brachte sie zu ihm zurück, das war sehr einfach.

Was mein eigenes Geschäft betrifft, ich habe mir nichts aus den Z-Karten gemacht.
Diese Firma (Pierre Schunck hat dieses Interview in der „Mühle“ in Heerlen gegeben, wo er Direktor war.) ist von den Deutschen geschlossen gewesen und in dieser Zeit haben wir kontinuierlich für Untertaucher gearbeitet, angeblich als Reparatur-Firma für Grubenkleidung. Wir konnten hier recht frei arbeiten, weil mein Assistent ein Untertaucher war (weil von „nicht arischem Geblüt“).
Juni ’43 wurde unser Unternehmen geschlossen, von den Deutschen beschlagnahmt. Ich weiß nicht warum. Da kam das Zentrallager von Distex (Nationales Amt für den Vertrieb von Textilwaren durch den Handel) dahinter. Einer der Herren glaubte, daraus auf eine pro-niederländische Mentalität auf unserer Seite schließen zu können. Der kam dann zu mir um bei mir vorzufühlen, ob wir denn noch weiter arbeiten konnten (wir waren dabei noch weiter zu arbeiten) und ob wir nicht etwas für ihn machen könnten. Ich sage: „Was denn?“
Er sagt: „Die Landwacht (paramilitärischer Hilfsdienst der deutschen Besatzungstruppen, hauptsächlich bestehend aus NSB'ern, gegründet im November 1943) beschlagnahmt links und rechts einiges an Stoffen, die werden bei uns gelagert, und wir würden die gerne zu Kleidung verarbeiten. Die möchten wir den Arbeitern von ein paar niederländischen Industrien geben, die bei den Deutschen in Ungnade sind.“ Er wollte also Arbeitskleidung haben.
Na ja, auf dem einen Wort folgt das nächste, und weil man es schon irgendwie ahnte, rückte er endlich damit heraus, dass er schon mal etwas für Untertaucher machte und dass sie Ware hätten, die zu Kleidung verarbeitet werden musste. Ich sage: „Das ist in Ordnung, aber dann will ich auch einen Vorteil davon haben, dann möchte ich davon auch etwas für andere Untertaucher haben. Ich werde zusehen, Kontakte zu knüpfen. Ich will auch etwas für Limburg tun.“ „Einverstanden,“ sagt er, „wir werden Ihnen Zuteilungen geben.“
Da haben wir 30.000 M Stoff verarbeitet für Untertaucher, die wieder zurück gingen nach Distex und teilweise im Distrikt hier verteilt wurden. Das waren Hosen, Hemden und so.

Der Überfall auf das Zuteilungsamt in Valkenburgnach obenzurück

Durch die wachsende Zahl von Untertauchern konnten ihre Bedürfnisse nur erfüllt werden, wenn man auch über ausreichend Couponkarten und Coupons verfügte. Dafür sorgten meist städtische Beamten, so auch in Valkenburg. Der Weg dahin war einer von Versuch und Irrtum:

Einige Einwohner von Valkenburg und Umgebung begannen schon 1941 mit der Hilfe für erste Untertaucher. A.C. van der Gronden, ein Bruder des am 13. Januar 1942 inhaftierten G.J. van der Gronden, verhalf Juden und Kommunisten zu Unterkunft in Zusammenarbeit mit Rektor G.A. Wolf aus Sibbe. Ende 1943 schlossen sie sich der L.O. an. Sorglosigkeit und Geschwätzigkeit des Untertauchers A.S. Bron führten am 17. Februar 1944 zur Verhaftung von Wolf, Bron und des Untertauchers Th.M. van Santpoort. Wolf kam aus Mangel an Beweisen nach zehn Tagen frei und Van Santpoort nach mehreren Monaten. Bron wurde deportiert und überlebte die deutschen Lager.
Nur für PB’s (Personalausweise) war das Rayon Valkenburg überwiegend auf Hilfe von außen angewiesen. Schunck appellierte an die Untertaucher, keine neuen PB’s zu beantragen, wenn es nicht unbedingt notwendig war. Im Juni 1944 drohte durch die Einführung eines neuen Einlegeblattes ein jähes Ende der relativen Autarkie.

Junge Männer, die für einen Arbeitseinsatz nach Deutschland mussten, hatten ihre Bezugsscheine abzugeben. Sie erhielten dafür eine Erklärung, die sie in Deutschland wiederum gegen Bezugsscheine eintauschen konnten. Wenn sie aber untertauchten, würden sie also verhungern, so war das Kalkül der Deutschen. Es war die L.O., die sie versorgte und ihnen häufig eine neue Stammkarte besorgte.


Stamkaart

Einige Beamten des Zuteilungsamtes von Valkenburg (darunter Willem Freysen) waren geraume Zeit via allerlei krumme Touren im Stande gewesen, in jeder Periode von vier Wochen heimlich zwischen 500 und 1000 komplette Bögen mit Bezugsscheinen für die Untergetauchten zu beschaffen. Es konnte aber nicht ausbleiben, dass das eines baldigen Tages entdeckt würde. Zunächst wurde versucht, neue gefälschte Karten in einer amsterdamer Druckerei drucken zu lassen, aber eine Razzia dort vereitelte diese Lösung.



Ich hatte in Valkenburg schon in ’43 einen Kontakt auf dem Zuteilungsamt. Das brachte anfänglich etwa 200 Couponkarten pro Periode ein, und später 400. Das war im Grunde zu viel für die Verteilung in Valkenburg, aber durch ordentliches Teamwork der Verteiler konnten wir das trotzdem ohne Schwierigkeiten meistern.
Dann wurden aber die alten Einlegeblätter hinfällig und kamen Zahlen auf die neuen: Valkenburg war Nr [272]. Dann machte ich mir Sorgen, dass wir die Einlegeblätter für Valkenburg nicht rechtzeitig aus der Druckerei bekommen würden.

Der Direktor des Zuteilungsamtes, Th. van Hinsberg, hatte die für die L.O. arbeitenden Beamten immer gewähren lassen, aber als er Anfang 1944 untertauchen musste, wurde die Leitung zwei N.S.B.-ern übertragen. Freysen und Willems fürchteten, dass mit der Einführung des neuen Einlegeblattes die umfangreichen Manipulationen ans Licht kommen würden. Sie besprachen ihre Probleme mit der Rayon-Führung und sie schlugen vor, ein Überfallteam sollte ein riesiges Chaos im Zuteilungsamt anrichten. Nur auf diese Weise könnte der Betrug unentdeckt bleiben.

Ich besprach das mit unserem L.O.-Kontakt bei der KP: Bep van Kooten (Sabotagespezialist der KP, später Kommandant der „Stoottroepen Limburg“, siehe das Kapittel Valkenburg ist frei weiter unten), der mich dann an Jaques Crasborn (KP des Distriktes Heerlen, zu dem Valkenburg inzwischen gehörte. Die KP war der „bewaffnete Arm“ des Widerstandes.) weiter leitete. Wir haben uns in Valkenburg getroffen und Jaques versprach mir, so bald wie möglich aus dem Zuteilungsamt in Valkenburg die für mich nötigen Papiere weg zu holen.

J. Crasborn arbeitete einen Plan aus und erklärte sich bereit, die Führung zu übernehmen. Freysen würde seinerseits alle benötigten Informationen erteilen, einen Grundriss zeichenen und die Schlüssel besorgen. Letzteres war nicht leicht.

Da entwarf man einen gewagten Plan. Es war üblich, dass jeden Abend der Schlüssel des Tresors des Zuteilungsamtes und dergleichen in einem Briefumschlag, mit fünf Lacksiegeln und der Unterschrift des Direktors versehen, bei der Polizei zur Aufbewahrung abgegeben wurden. Nach und nach fischte man täglich ein paar Lacksiegel aus dem Papierkorb, die Unterschrift wurde nach vielen Versuchen auf einen gleichen Umschlag nachgemacht und es wurden ähnliche Schlüssel gekauft. Der Umschlag wurde mit Inhalt, Unterschrift und schon verwendeten Lacksiegeln präpariert und nun brauchten sie nur noch den richtigen Moment abzuwarten, dass sie diesen Umschlag bei der Polizei abgeben konnten. Der Moment kam, und die Chance wurde genutzt.

Später ist er (Crasborn) eines Nachmittags zu mir gekommen und sagte: „Morgen passiert es, aber wir wissen nicht, wie wir an den Schlüssel des Safes kommen können“. Da hat meine Kontaktperson auf dem Zuteilungsamt (Willem Freysen) noch am selben Nachmittag einen Umschlag mit Schlüsseln vorbereitet, die etwa gleich groß waren wie die vom Safe. Er hat das bereit gehalten und unbemerkt die Umschläge vertauscht. Er hatte das sehr gut und raffiniert vorbereitet: er hatte aus dem Papierkorb die Lacksiegel gesammelt, darunter das Papier abgeweicht und hat dann die Lacksiegel säuberlich auf den neuen Umschlag geklebt. Ferner hatte er die Unterschrift gefälscht vom DK, [???], einem halben NSB-er, und die hat er darüber gesetzt, also das war Klasse.

Jeden Abend wurden die wichtigsten Schlüssel in einem versiegelten und vom Direktor signierten Umschlag in der Wache der Rijkspolitie (Gendarmerie) in einem Tresor gesichert. Freysen umging dieses Obstakel indem er einen völlig identischen Umschlag mit gefälschten Wachsiegeln und Unterschrift dem bei der Verschwörung eingeweihten Nachtwächter, dem Polizist J.H. op de Ven gab.

Der Umschlag wurde auf der Polizeiwache abgegeben ohne dass derjenige, der ihn abgab, etwas ahnte. Der echte ist zum valkenburger KP-Agenten gebracht worden, der dafür sorgte dass er bei der KP landete, die op ihre Aufgabe wartete.

Vorher hatte die K.P. aus einer Garage in Sittard ein deutsches Wehrmachtsfahrzeug gestohlen, zusammen mit einigen Kanistern Benzin. Es wurde nach Valkenburg überführt, da in einer Garage gründlich gewartet und anschließend in einer Höhle hinter dem Kloster am Cauberg untergestellt. In jener Nacht verübte man den Überfall unter Verwendung der echten Schlüssel, während der falsche Umschlag sich unter der Obhut der Polizei befand.

Als ein ahnungsloser Angestellter am Abend des 22. Juni den echten Umschlag auf der Polizeiwache abgab, nahm Op de Ven ihn entgegen und gab den falschen Umschlag einem Kollegen, der ihn in den Tresor legte. Dann begab Op de Ven sich ins Zuteilungsamt, wo er in dieser Nacht mit einem N.S.B.-er Wache halten sollte.
Spät am Abend kamen zwei Autos mit einem fünf oder sechs Mann starkem Kommandoteam in Valkenburg. Ein Auto war von den Staatsmijnen (= staatliche Minen) „geliehen“. Das andere hatte das Kommando Sittard zur Verfügung gestellt. Da alles bis ins letzte Detail geklärt war, ging der Überfall einwandfrei. Der N.S.B.-er bekam einen Schlag auf den Kopf und wurde benebelt. Die K.P.-ler wussten nicht, dass am Vortag eine Sendung von Zuteilungsdokumenten für zwei Monate angekommen war. Die Beute war gigantisch: über 210.000 Bonkaarten (Couponkarten), über 82.000 Rantsoenmarken, über 2500 Rantsoenkaarten (Zuteilungskarten), 5000 T.D.-Stammkarten, über 1600 Zuschlagkarten, zahlreiche Einlegeblätter und eine Schreibmaschine. Mehr als zwölf Jutesäcke wurden benötigt, um alles zu transportieren. Die Säcke wurden in einen Bauernhof in der Nähe von Kunrade bei Voerendaal gebracht. Bei der Sortierung in der Wohnung von Frau J. Jaspers-Koten in Klimmen erwies sich als ein Teil als unbrauchbar und wurde verbrannt. Ein anderer Teil der Beute landete schließlich wieder in Valkenburg und wurde in der alten Pfarrkirche versteckt. Die Sipo tappte im Dunkeln. Op de Ven war nach dem Überfall untergetaucht und hatte damit den Verdacht auf sich gezogen. Freysen und seine Kollegen wurden nicht verdächtigt und konnten ihre Praktiken ungestört fortsetzen. Dem ahnungslosen Überbringer der Schlüssel wurde feste auf den Zahn gefühlt, weil im Umschlag im Polizeitresor falsche Schlüssel waren. Er wusste von nichts und kam nach einem Tag wieder auf freie Füße.

Die kompletten Bezugsscheine und andere Unterlagen verschwanden in einen Bauernhof in Kunrade. Später wurden sie aber, in einem Auto unter Stroh versteckt, wieder nach Valkenburg zurückgebracht, weil die Deutschen alle Bauernhöfe in der Gegend untersuchten.

Dieser Transport wurde von Pierre Schunck durchgeführt. Das Stroh war für unsere Tiere. Auf dem Stroh saßen wieder mal ein paar meiner älteren Geschwister.

Am nächsten Morgen hörte ich gleich schon in der Öffentlichkeit, dass der Überfall erfolgreich gewesen war, und ich bekam auch von Bep die Nachricht: „Komm deinen Mist abholen“.
Mit einem Lieferwagen bin ich nach Klimmen gefahren, und zusammen mit Bep sind wir zu einen Bauernhof entlang der Eisenbahn gefahren und wir haben den ganzen Kram in in diesen Lieferwagen der Wäscherei gepackt. Es war in Mehlsäcken verpackt, da haben wir Stroh drauf gelegt und damit sind wir nach Klimmen gefahren, zu Jaspers. Da wartete [????] mit einem Haufen der KP. Die Couponkarten wurden mitgenommen und ich bekam die Stammkarten und Einlegeblätter mit der Nummer, so dass mir geholfen war.

Auf diese Weise haben wir etwa 400 Couponkarten präparieren können; 200 über die Verteiler und Einlegeblätter, die aufgeklebt waren, und weitere 100 über Stammkarten die ich über die Taucherfamilien aufteilte und wo die Pflegeeltern der Taucher Couponkarten für ihre Familien abholen konnten.
Das ist immer wunderbar gelaufen, wir haben damit nie Ärger gehabt.

Auf http://users.cuci.nl/ lesen wir über diese Aktion aus einem Interview mit meiner Mutter, Gerda Schunck-Cremers:

Das hat alles geklappt und der NSB-er, der dort als Nachtwächter eingestellt war, wurde bewusstlos geschlagen und auf der Toilette eingesperrt. Die Karten und Marken wurden für eine Nacht von Frau Jaspers verwahrt in einem Haus in Klimmen. Sie war nicht im Widerstand, aber half dem Widerstand wohl ab und zu. Am nächsten Morgen ging Herr Schunck die Coupons abholen um sie auf einen entlegenen Bauernhof an der Straße von Voerendaal nach Heerlen zu bringen, von wo sie weiter verteilt würden. Zusammen mit drei Kindern von Herrn Schunck fuhr er mit einem Lieferwagen die Coupons holen. Unter dem Deckmantel von: „Wir wollen Heu für unser Pferdchen holen“, kamen sie ziemlich leicht an den Wachtposten vorbei und die Karten und Marken wurden sicher abgeliefert.

Der Überfall auf das Zuteilungsamt in Heerlennach obenzurück

Zum Vergleich folgt hier die Geschichte vom Überfall auf das Zuteilungsamt in Heerlen. Was dabei auffällt: die Aktion war nicht zusammen mit der L.O. geplant, sie war gewalttätiger und hat nichts gebracht. Außerdem steht nicht fest ob Nitsch durch den Überfall vom 9. März Kaplan Berix auf die Spur kam.

Anfang März 1944 fasste die K.P. von Heerlen in Zusammenarbeit mit der von Nimwegen den ehrgeizigen Plan, in einer einzigen koordinierten Aktion nacheinander die Polizei, das Zuteilungsamt und das Rathaus in Heerlen zu überfallen. Die Idee stammte von G.H. Bensen und dem K.P.-ler L.A. van Druenen aus Nimwegen. Nachdem sie ein paar Tage die Objekte beobachtet hatten, kamen sie zu dem Schluss, dass der Plan machbar war. Die K.P.-Nimwegen würde in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Fünf K.P.-ler unter der Führung von Van Druenen würde das Polizeipräsidium nehmen. Die zweite Gruppe, angeführt von Th. Dobbe, würde das Zuteilungsamt überfallen. Danach würden diese beiden Gruppen, zusammen mit dem Kommando aus Heerlen in das Rathaus eindringen.
In der Nacht vom 9. auf den 10. März um 00:30 Uhr klopften die K.P.-ler bei der Polizei an. Sie behaupteten, Eisenbahn-Fahrgäste zu sein, die nach ihrer Ankunft kein Obdach mehr hatten finden können. Der diensthabende Beamte hegte keinen Verdacht und ließ sie rein. Die K.P.-ler überwältigten die fünf Nachtwächter, die eine Zigarre und eine Decke bekamen und in eine Zelle gesperrt wurden. Ein Polizist musste seine Uniform abgeben. Sie könnte vielleicht in der nächsten Phase der Operation gute Dienste erweisen. Die Kommandos nahmen 24 Pistolen mit, sechzehn davon geladen, zwei ledernen Motorradjacken und andere Ausrüstung und vier Paar Handschellen. Nachdem sie den Alarm unbrauchbar gemacht hatten gingen sie zum Zuteilungsamt, wo Dobbe und seine Gruppe warteten. Bei der Ankunft zeigte sich, dass Van Druenen in der Eile die Schlüssel für das Zuteilungsamt, die bei der Polizei aufbewahrt wurden, vergessen hatte, mitzunehmen. Dobbe ließ sich von diesen Rückschlag nicht entmutigen. Bensen und die seinen warteten ja beim Rathaus um zuzuschlagen.
Der uniformierte K.P.-ler sollte klingeln, woraufhin die anderen K.P.-ler hinein gehen würden um die Wachen auszuschalten. Es kam anders. Einer der Wachhabenden gab Alarm. Es kam zu einer Schießerei, in der ein Wachmann verwundet wurde. Die K.P.-ler zogen ab nach Valkenburg. Das Kommando aus Heerlen brauchte nicht mehr aktiv zu werden. Dobbe und sein Team kehrten am nächsten Tag nach Nimwegen zurück. Eine Untersuchung durch die Sipo blieb ergebnislos. Es steht nicht fest ob Nitsch durch den Überfall vom 9. März Kaplan Berix auf die Spur kam. Als Berix erfuhr, dass in Geleen Verhaftungen stattgefunden hatten, tauchte er am 24. März 1944 unter. Der Distriktleiter zog in die Wohnung von Frau J. Jaspers-Koten in Klimmmen, wo er seine Arbeit fortsetzte.
Selbstverständlich hätte die L.O. von einem erfolgreichen Überfall auf das Zuteilungsamt und das Rathaus profitiert, aber ob die Organisation an den Plänen beteiligt war, steht nicht fest.
Denkmal für Kaplan J.W.Berix

Butter und Eiernach obenzurück

Bahnhofsvorsteher Vroemen rief am 25. März 1944 Pierre Schunck an mit der Mitteilung, dass ein Wagon voller Eier in der kommenden Nacht auf dem Bahnhof von Wylré stand um nach Deutschland gefahren zu werden und schlug vor, diese Gelegenheit zu nutzen.
Auf dem Wagon hingen Transparente mit Texten wie: „Ein Geschenk des niederländischen Volkes an das deutsche, für die deutsche Winterhilfe!“ Aber es war natürlich einfach bei den Bauern geklaut. Pierre Schunck gab diese Information weiter an die K.P. in Heerlen.


Vroemen, der Bahnhofsvorsteher von Valkenburg

L.O.Contacten

Vroemen   de stations-chef van Valkenburg
Als er controle was van de landwacht of de duitsers
werd ik steeds door de stationschef gewaarschuwd met een
code-mededeling "u kunt uw wagon niet lossen."

Met onze komende gasten.onderduikers spraken wij af dat zij
zich bij de stationschef moesten melden met een van tevoren
overeengekomen vraag.
                     Toen Maas en Waal „ausgekämmt" werd en
plotseling meer dan 100 jongens moesten verdwijnen, kreeg
ons rayon deze toegewezen.   Vroemen heeft ze allemaal weten
op te vissen.
             Deze meer dan 100 jongens zijn in één dag met
             behulp van het bureau van Lambert Brands bij
             de boeren in de omgeving geplaatst. Dit
             kantoor zat tegenover het station in (thans)
             hotel Tummers.(C.C.D. Crisis Controle Dienst)

Toen het Jesuitenklooster in 1942 gevorderd was en de duit-
sers geregeld grote kisten ten vervoer naar duitsland
aanboden, legde Vroemen een lijst aan van alle adressen
waarheen de kisten gingen.    Na de bevrijding kon zoedoende
o.a. een kostbare mieren-verzameling van Pater Mückermann
naar Nederland terugkeren.

Op een goede dag belt hij mij op  of ik eens wilde komen
wegens  aangekomen materialen voor  het bedrijf.  Ik dacht
onderduikers te vinden, doch kreeg het volgende verhaal:
   " Wij hebben in Wylre op zijspoor moeten rangeren, een
volle wagon met eieren. Deze wagon moet morgenvroeg met een
opschrift versierd worden, zoiets als Geshenk des Niederländischen
Volkes an die bombengeschädigte Städte deutschlands"
Verder  :   Wij hebben de wagon niet op de lucht-rem staan. Tegen het wiel
zit een remschoen, die je kunt wegtrekken. Bij de overweg
ligt een twede remschoen gereed. Als je de remschoen weg
trekt sukkelt de wagon langzaam en geruisloos in richting
overweg.
	Thuis gekomen deed ik als volgt:  (Giel Berix) Z18 bellen.
Ik herinner me niet precies wie gebeld werd. Meest veilig was Armenraad in de Geleenstr.,
J Cornips
met het verzoek om mij terug te bellen. (Hij) had nl een
niet afluisterbaar geheim nummer der PTT, via de dienst-lijn.
Ik vertelde hem de situatie, toen hij mij terugbelde.
(Giel) heeft toen de KP verwittigd waar dit niet aan dovemans-
oren verteld werd. Als ik voor opslag zorgde, zou het
karwei direct geklaard worden.
In de late avond kwamen de vrachtwagens volgeladen met
C.R.E. eierkisten. ’s Anderendaags hebben de bestelwagens
van ons in gewone manden deze eieren verdeeld over Z.Limburg
met het ziekenhuis in Heerlen als hoofdafnemer.

Duitsers en N.S.B. ers gingen deze zaak in Wylre uitzoeken.
Een van de vrachtwagen-chauffeurs, een K.P.er, zorgde ervoor, erbij te
zijn, om te vernemen of men iets ontdekken zou. (Laeven)

Ohne die Gulpener L.O. vorher zu informieren, kam die K.P.-Heerlen auf Grund von Nachrichten aus dem Rayon Valkenburg in 1944 zweimal in Aktion im Distrikt. Die heerlener K.P. erbeutete zwischen sechs- und siebentausend Eier.


St. Josefkrankenhaus Heerlen

Warum die KP die L.O. in Gulpen nicht informierte, schreibt Cammaert nicht. Aber wir können ohne Weiteres annehmen, dass man vermeiden wollte, dass zuviel Menschen davon wussten. Außerdem stimmte die Chemie nicht wirklich zwischen den Widerstandsgruppen von Heerlen und Gulpen und es musste schnell gehandelt werden. Die Eier wurden zu Pierre und Gerda Schunck gebracht um sie zu sortieren. Es waren viel zu viele, auch nachdem die faulen Eier aussortiert worden waren. Ein großer Teil davon hat das Krankenhaus in Heerlen bekommen. Da war ein ganze Etage derart unauffindbar gemacht worden, dass die genutzt werden konnte um dort Untertaucher und alliierte Piloten zu behandeln. Das war möglich, weil der Rektor N.M.H. Prompers, der Gründer des L.O.-Distriktes Heerlen, zusammen mit den Nonnen, die einen großen Teil der Arbeit machten, dafür sorgten, dass das gesamte Personal gegen die Nazis war. Wenn man außerdem das historische Luftbild des Krankenhaus ansieht, dann wird sofort klar, dass dieses Gebäude mitarbeitete.
Es gab noch ein anderes wichtiges Hilsmittel für den Widerstand, das völlig außerhalb des Gesichtsfeldes der Besatzer lief, weil sie dessen Existenz nicht mal vermuteten: das eigene Telefonnetz der Provinciale Limburgse Electriciteits Maatschappij, der Stromgesellschaft P.L.E.M.
Die Kader des Widerstandes hatten Zugang via spezielle Nummern. So verfügten sie über ein abhörsicheres Telefonnetz.

Ich habe Spaß dabei gehabt, wie die Bauern ihre Eier geliefert haben. Die Eierkisten sind zu uns gebracht worden und meine Frau und ich haben sie über die diversen Rayons und Distrikten verteilt. Von uns aus wurden sie mit dem Lieferwagen der Wäscherei weiter gebracht.
Als wir die Kisten aufmachten, stanken sie zum Himmel! Wir haben die Eier sehr akribisch und sorgfältig heraus suchen müssen, damit unsere eigenen Leute keine faulen Eier bekommen würden.
Wenn die Deutschen damals genau gesucht hätten, hätten sie bei uns nach dem Gestank gehen können, um die Eier zu finden!

Das Gleiche galt für einen Butterraub in Reymerstok am 14. Juni. (Auch der fand ohne Mitwissen der L.O. von Gulpen statt). Bei diesem Coup entwendeten die K.P.-ler, in deutschen Wehrmachtsuniformen, fast tausend Kilo Butter, die für deutsche Soldaten bestimmt war. Ein Teil kam den Gefangenen im Gefängnis von Maastricht zugute.


Vroemen 2

Deze jongen ziet hoe de chef Vroemen, die er als  "verant-
wortlich" bij moest zijn, uitgescholden wordt door een N.S.B.
er, die beheerder was van de boterfabriek in Reymerstok.

  Hij hoort die N.S.B. verwalter van de boterfabriek als
volgt uitvaren:  "   Uilskuikens zijn jullie allemaal.
Mij zou zoiets niet overkomen.  Ik heb 1000 kilo Wehrmachts-
boter in mijn koelcel, maar daar komt geen zogenaamde
witte brigade aan. "

                   Onze K.P.er is snel besloten.
Hij zoekt een paar kameraden, die een wehrmachtsuniform
hebben en de beschikking over een wehrmachtsauto (gegapt
uit de garage Vencken in Sittard)  en meteen op naar
Reymerstok,   zolang de boter-verwalter nog druk naar
de eieren is aan ’t zoeken.
                          De N.S.B.verwalterdame is alleen
thuis en de boterfabriek ligt stil.
"Schnell schnell unsere Butter, wir haben wenig Zeit!" De
duitse soldaten in het duitse wehrmachtsvoertuig zagen er
voor deze dame zeer vertrouwd uit en onze jongens kregen de
hele smak boter in hun wagen.

Onze K.P.ers wehrmachts-soldaten wisten niet beter dan deze
niet vooraf geplande boter maar naar het eieren adres te
brengen zodat ik na nauwelijks de eieren verwerkt te hebben,
nu met een boterberg opgezadeld werd.. Deze natuurboter
werd de andere dag via K.P. kanalen ten dele verdeeld
terwijl het grootste gedeelte in het ziekenhuis van Heerlen
in een kuil van een stilgelegde lift werd opgeborgen.

Toen de N.S.B. Verwalter weer thuis in Reymerstok zat kreeg
hij naast zijn eier-raadsel ook nog een boterbriefje in te
vullen.

===============
geregistreerd door rayonleider der L.O.  R 8 van district
                                         Z 18.

Die Molkerei in Reymerstok war Eigentum eines NSB-ers. Sie arbeitete für die Wehrmacht. Es wurde ein geraubtes deutsches Armeefahrzeug verwendet sowie Uniformen, die auch bei anderen Gelegenheiten ihren Dienst geleistet hatten. Dieser Wagen stand bei den Patres auf dem Cauberg hinter dem Kloster in einer Höhle.
Der Besitzer der Molkerei war nicht misstrauisch und beschwerte sich nicht, als die angeblichen deutschen soldaten tausend Kilo Butter aus den Kühlzellen der Fabrik „abholten“. Vielleicht hatten die falschen Soldaten auch falsche Papiere dabei, aber darüber ist mir nichts bekannt.

Als zwischen Meerssen und Berg ein englisches Flugzeug brennend abstürzte, wurde de verletzte Pilot, unter dem Vorwand ein verletzter Feuerwehrmann zu sein, per Krankenwagen ins Krankenhaus nach Heerlen gebracht. In diesem Krankenhaus war ein ganzes Stockwerk vor dem Besatzer „versteckt“ worden, um da Untertaucher und Piloten pflegen zu können!

Dies war eine gewagtes Beispiel von Zusammenhalt, das nur funktionieren konnte, weil alle, die hiervon wussten , ihren Mund hielten. Und das müssen einige gewesen sein, vor allem natürlich die Nonnen, die das Krankenhaus betrieben. Autoren, die finden, dass der Widerstand in Limburg wenig zu bedeuten hatte, weil sie nicht besser wussten / wissen, oder weil sie humanitäre Hilfe unter Kriegsbedingungen nur als zivilen Ungehorsam sehen, erkennen anscheinend nicht, wie diese Menschen ihr Leben, und oft auch das ihrer Familien aufs Spiel gesetzt haben.

Ende der Tauchherbergenach obenzurück

Im Sommer ’44 wurde die sicherste der Höhlen Ausbildungsplatz für die künftigen „Stoottroepers“.

Denn das Ding war so allmählich im Distrikt durchgesickert. Und so kommt irgendwann Bep van Kooten zu mir mit Jantje [Lemmens] und sagt: „Du bist deine Tauchherberge los, an die KP“ . Das fand ich natürlich nicht so lustig.
Ich habe alle möglichen Aktionen dagegen unternommen. Ich habe gesagt: „Für mich ist das Ding notwendig. Aber was habt ihr damit vor? Vielleicht Waffen einlagern? Das könntet ihr genauso gut woanders machen.“

Van Kooten war auf der Suche nach einem geeigneten Lager für Waffen und einem Schießstand für die südlimburger „Knokploegen“ (Kommandogruppen). Auch diese Höhle musste daher geräumt werden. Sie erwies sich als nicht geeignet für die Lagerung von Waffen, es war zu feucht. Schießübungen konnten dort aber gemacht werden. Während des Sommers 1944 diente die Höhle auch als Unterkunft für die KP, als Gefängnis und als Verhörräume für Verhaftete und mögliche Verräter.

Aber im Grunde hat die KP das Ding dann als Gefängnis verwendet. Für weitere Einzelheiten müssen Sie sich an die KP wenden. (Da ist einges darüber bekannt).

Für die normale Tauchherbergsarbeit begannen wir, die Höhle hinter dem Kalkwerk einzurichten. Und als wir gerade fertig waren, kam direkt nebenan eine Fabrik der OT. Die Höhle ist denn auch nie verwendet worden, sie ist noch da. Es ist von den Amerikanern ein Film darüber gemacht worden, der muss noch bei den amerikanischen Armeedokumenten sein.

Wir haben da (bei der Höhle) mal einen Zwischenfall gehabt. Etwa 5 km weiter gab es einen Truppenübungsplatz (früher Schießgelände der Kaserne in Maastricht). Und da kamen die Schutztruppen Schießübungen machen. Wir hatten damit keinen Ärger.
Aber dann fingen sie an, auch Feldübungen zu veranstalten und davon wusste ich natürlich nichts . Das ganze Gelände war umstellt, auf dem auch unser Eingang war. Ein Arbeiter am Kalkofen, der dort ein Bisschen auch Pförtner war, ruft mich an und sagt: „Sie haben die ganze Höhle umstellt!“
Ich fahre sofort mit einem Lieferwagen hin. Ich lasse ihn nicht weit von da stehen und gehe das letzte Stück. Und da sehe ich einen „Mof“ stehen mit dem Gewehr im Anschlag. Ich gehe ein wenig weiter und sehen einen anderen Mof, auch mit dem Gewehr im Anschlag. Sie waren dabei, eine Übung zu halten, und alle waren auf dem Posten mit dem Gewehr im Anschlag. Ich lief auf dem Gelände herum, aber es war vollständig umstellt.
Ich sofort nach Hause und rufe [*****lman] an. Ich sage: „Wenn ihr für die Leute noch was tun wollt, dann kommt sofort mit eine bewaffnete Gruppe von euch und schlagt den Kerlen die Schädel ein“. Und da kamen sie mit einer fliegenden Brigade. Ich weiß nicht, wieviel Autos sie requiriert hatten, aber als sie ankamen waren alle deutschen schon leise abgezogen! Da konnten sie wieder nach Hause gehen. Ich hatte natürlich die Moffen nicht fragen können: „Sucht ihr die Leute, die da drin sitzen?“
Bep van Kooten war giftgrün vor Wut.

Eigener Nachrichtendienstnach obenzurück

Unterstützung durch und Kontakt mit bestehenden Untergrundnetzwerken oder -Gruppen waren für die Nachrichtendienste unentbehrlich.
(...) Gute Resultate wurden auch von Nachrichtendiensten erzielt, die aus bestehenden Untergrundorganisationen hervor gegangen waren. Sowohl die Nachrichtendienste der OD-Miliz als der der limburgischen L.O. lieferten dem Widerstand und den Alliierten wertvolle Informationen.

Im Juni 1944 organisierte der L.O.-Distriktleiter von Heerlen, Th.J.M. Goossen, einen eigenen Nachrichtendienst (I.D., Informatie Dienst. Goossen war vorher Rayonchef in Kerkrade.) zum Schutz der Illegalität im Allgemeinen. Darüber hinaus sammelte der I.D. von Goossen militärische Informationen, die unter Anderem von Mitarbeitern oder Repatrianten des „Außenministeriums“ stammten (siehe Cammaert, Kapitel VI, § VIII.5.1. und Kapitel VIII, § IV.4.7.). (Zitat: Das „Außenministerium“, eine in Studentenkreisen entstandene Organisation, war sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden aktiv und stellte sich zum Ziel Studenten aus Deutschland zurück in die Niederlande zu holen. Weil etliche L.O.-er darin involviert waren, wurden beide Organisationen, vor Allem in Limburg, immer mehr mit einander verflochten.) Kurz vor der Befreiung verlagerte sich der Schwerpunkt, teilweise auf Antrag des O.D.-ers C. M. J. A. F. Nicolas, auf militärische Nachrichten. Dabei verbuchte der I.D. von Goossen auffällige Erfolge. Die Amerikaner boten Goossen nach der Befreiung Die Möglichkeit, seinen Dienst auf ganz Limburg und Nordbrabant auszudehnen. Dieser I.D. führte auch Befehle der militärischen Autorität aus.

Schunck: Wir waren der erste Nachrichtendienst, der in der Frontlinie gearbeitet hat.
Ad: Wer hat das bei Ihnen organisiert?
Schunck: In unserem Rayon habe ich das gemacht. Theo Goossen war davon der Mann auf Distriktniveau.

Goossen sagt selbst während des Abschiedsgottesdienstes von Pierre Schunck:

„Paul“ ist auch Mitarbeiter der Nachrichtengruppe ID18.
  • 6 sept. 1944 lässt er wissen, dass Sjeng Coenen und Joep Francotte am 5. Sept. auf dem Cauberg erschossen worden sind und noch da liegen. Was jetzt?? Diese Erschießung ist für „Paul“ zu einem nachhaltigen Trauma geworden.
  • 15. September teilt er mit: „Die Deutschen haben die Brücken über die Göhl gesprengt, die Straßen gesperrt, Kanonen aufgestellt und wehren sich gegen die vorrückenden Amerikaner. Diverse Gebäude sind schwer beschädigt und diverse Häuser stehen in Flammen. Ein großer Teil der Bevölkerung hat sich in den Höhlen sicher versteckt.“
  • Über Berichte von „Paul“ wird dem am 16. September in Heerlen angekommene Bep van Kooten geraten, seine Reise nach Maastricht und Brussel nicht über Valkenburg zu machen. Lebensgefährlich. (Van Kooten will Kontakt zum Hauptquartier legen. Mehr darüber im Kapittel Valkenburg ist frei )

In der Nacht vom 16. auf den 17. September 1944: die Deutschen verlassen Valkenburg. „Paul“ nimmt Kontakt mit den Befreiern auf, wie ihm vom Widerstand angeordnet worden war. Er wird ihnen auf allen möglichen Weisen behilflich sein.

So war es Pierre Schunck, der als erster Valkenburger Kontakt mit den anrückenden Amerikanern machte und sie runter ins Göhltal lotste. Siehe weiter unten die Geschichte der Befreiung von Valkenburg

Die Gefallenennach obenzurück

Frits: Sind auch Mitarbeiter von Ihnen verhaftet worden oder gefallen?
Schunck: Zwei Untertaucher (keine Mitarbeiter) sind verhaftet worden, die saßen in der Höhle. Einer davon gehörte zur L.O. in Simpelveld, der andere zur K.P. in Vaals.
In der selben Nacht, als sie die Jungs erschossen haben, hat man mir Bescheid gesagt; vorher wusste ich nichts davon. Der stellvertretende Bürgermeister hatte [???], und dann ist eine Schwester vom Roten Kreuz dahin gegangen und hat die Jungs versorgt. Sie sind ins Leichenhaus gebracht worden.

Wenn Pierre Schunck sagt: „die saßen in der Höhle“, dann meint er damit ihre Basis. Sie saßen in der Höhle in Geulhem, aber auch im Hauptquartier der K.P. Südlimburg, in einem Bauernhof in Ulestraten.
Cammaert schreibt über J.H. (Sjeng) Coenen aus Simpelveld und W.J. (Joep) Francotte aus Vaals:

Die relative Ruhe in Ulestraten ging Anfang September plötzlich zu Ende. Am Dienstag dem 5. September besuchten J. Coenen und W. Francotte Koers in Geulle um da zwei Autos abzuholen, die für den Überfall auf das KZ Vught benötigt wurden. Sie fuhren die Autos zum Bauernhof von J.F.A. Horsmans in Ulestraten, wo außerdem Waffen versteckt waren. Am Nachmittag bekam Horsmans Nachricht, dass deutsche Soldaten bei ihm einquartiert werden würden. Um etwa sechs Uhr informierte er H. Quicken in der K.P.-Zentrale darüber. Dieser gab Coenen, Francotte und Meulenkamp den Auftrag, die Autos und Waffen sofort aus dem Bauernhof von Horsmans weg zu holen. Sie versteckten die in einem Wald. Gegen neun Uhr kehrten sie zum Bauernhof zurück, wo inzwischen zig deutsche Soldaten herum liefen. Das Trio benahm sich in den Augen de Soldaten recht eigenartig. Sie sollten ihren Ausweis zeigen. Coenen machte daraus so ein Theater, dass Meulenkamp die Gelegenheit nutzte, zu fliehen. Er verirrte sich in den Wäldern, aber erreichte schließlich Meerssen. Erst nach drei Tagen kehrte er nach Ulestraten zurück. Coenen wurde gefilzt. Als man bei ihm eine Pistole fand, entstand große Aufregung unter den Soldaten. Man hatte anscheinend mit zwei „Terroristen“ zu tun. Es folgte eine kurze Beratung. Zirka halb zehn brachten vier Soldaten Coenen und Francotte nach Valkenburg in ein Hotel. Die im Hotel einquartierten Soldaten, die aufgeregt und nervös waren, unterzogen sie einem kurzen Verhör, das mit schimpfen und Drohungen einher ging. Ein betrunkener S.S.-Offizier wollte sie hinrichten, aber die Soldaten konnten sich unter einander nicht einigen. Darauf brachten die vier bewacher Coenen und Francotte um ca. zehn Uhr in ein anderes Hotel, wo achtzehn Soldaten einquartiert waren. Die beschlossen, über das Schicksal der beiden abzustimmen.
 www.joep.francotte.nl/verhaal.htm

Eine Mehrheit war für die Todesstrafe. Gegen halb elf brachten sechs Soldaten die zwei K.P.-ler ins Hotel des Orts­kommandanten. Unterwegs wurden die zwei erheblich misshandelt. Über eine Stunde später begaben die Soldaten sich zum Cauberg. Da wurden Coenen und Francotte auf Befehl von Major Bernardt erschossen. Am nächsten Tag ent­deckte ein Passant die Leichen am Straßen­rand. Coenen und Francotte waren mit ihren Hand­gelenken zusammen gebunden, ihre Schädel waren eingeschlagen und sie hatten starke Verletzungen im Gesicht. Ein Nackenschuss hatte ihrem Leben ein Ende gesetzt. Neben den sterblichen Resten lag ein Schild mit dem Text „Terroristen“.


Der Ort auf dem Cauberg, wo der Widerstandsleute Sjeng Coenen
und Joep Francotte von den Deutschen erschossen wurden.
Hier wurde später das Widerstandsdenkmal der Provinz Limbug in Valkenburg gebaut.
Quelle: Beeldbank NIMH

Das Ende des Kriegesnach obenzurück

Die Befreier kommen!nach obenzurück

Nachdem die Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie gelandet waren und die Befreiung von Europa in Angriff nahmen, herrschte in Südlimburg eine angstvolle Spannung. Man begriff, dass eine unvermeidliche Folge dieses gewaltigen Aufmarsches der Alliierten sein würde, dass unsere Provinz wieder einer schweren Zeit von Kriegshandlungen entgegen gehen würde. Die Deutschen versuchten den Eindruck zu erwecken, dass sie sich nicht bedroht fühlten und begannen gerade jetzt, viele limburger Höhlen und Gruben als bombensichere Produktionsstätten für ihre Rüstungsindustrie einzurichten. Hieran arbeiteten sie weiter bis die ersten Granaten der vorrückenden Amerikaner sie bei ihrer Arbeit störten.

Am 31. August um 13:00 erschien die K.P. von Heerlen erneut in Valkenburg. Dieses Mal war das Gemeindehaus das Ziel. Man wollte verhindern, dass die Bevölkerung gezwungen würde, Verteidigungsanlagen zu bauen. Beim Einbruch bekamen sie Hilfe vom Beamten H.P.A. Laeven, der nach dem Überfall Bewusstlosigkeit vortäuschte. Die Sipo begnügte sich mit seiner Erklärung des Geschehens. Das Kommando nahm alle Personenkarten, fünfzig PB’s, fünfzig Kontrollmarken und fünfzig Gebührenmarken mit. Das Melderegister verbrannten sie im Hauptquartier der K.P. Südlimburg in Ulestraten.
 

 14. Sept. 1944. Die ersten amerikanischen Infanteristen kommen über den Daelhemerweg runter nach Valkenburg.
Foto: Frans Hoffman

Einige Wochen später wurde Valkenburg befreit.

Am Tag nach D-Day, am 7. Juni 1944 landeten die Mannen des 19. Korps der amerikanischen Armee auf europäischen Boden. Eine kleine Einheit dieses Korps sollte drei Monate und sieben Tage später, am 14. September, in Valkenburg eintreffen.
Dieser 19. Korps wurde am 14 Juni eingesetzt, und zwar bei der Übernahme des zentralen Sektors der amerikanischen Front auf der Halbinsel Cherbourg. Außer aus seiner eigenen Artillerie, Panzern, Pionieren, Kundschaftern usw. bestand der 19. Korps damals noch aus den 29. und 30. Infanterie­divisionen. Dieser Korps würde genau 101 Tage ununterbrochen am Kampf teilnehmen, bis man am 15. Oktober in der Nähe von Aachen mit einer anderen US-Division zusammentraf. In diesen 101 Tagen waren sie, manchmal unter schweren Verlusten, von ihrem Landeplatz Vierville-sur-Mer an der franzö­sischen Westküste bis in Deutschland vorgerückt, wobei sie am 14. September auch Valkenburg von Deutschen gesäubert hatten.
Wie gesagt: die Monate zwischen Anfang Juni und Mitte September 1944 waren sehr spannend. Als sich die Engländer und Amerikaner anfangs die Zeit nahmen, sich auf dem europäischen Festland eine gute Angriffsbasis einzurichten, fürchteten viele, dieser Zustand könnte noch sehr lange anhalten. Die alliierte Offensive geht den Limburgern natürlich zu langsam, aber tatsächlich, wenn sie einmal in die Gänge gekommen ist, wahnsinnig schnell. Am 6. Juni landeten mehr als 132.000 Soldaten auf französischen Boden, die Schlacht um die Bretagne dauert lange und kostet Tausenden das Leben, am 26. August fällt Paris, am selben Tag ist der 19. Korps schon über Lille bis kurz vor der belgischen Grenze angelangt, am 3. September wird Brüssel befreit, einen Tag später Antwerpen. Die rechte Flanke der alliierten Streitmacht, die nach Deutschland vorstieß, darunter auch der bereits erwähnte 19. amerikanische Armeekorps, erreichte schon am 2. September die belgische Stadt Tournai, aber musste dann eine Zwangspause von einigen Tagen einlegen, bis der Nachschub wiederhergestellt war. Am 8. September erreichte eine Panzeraufklärungseinheit, die ganz Süd-Belgien durchquert hatte, den Albertkanal. Das berühmte Fort Eben-Emael fiel am 10. September ohne einen Schuss in die Hände der Amerikaner. Alle Brücken über die Maas und den Albertkanal waren aber gesprengt worden. Um Verzögerungen beim Vormarsch zu vermeiden, schlugen die alliierten bei Lüttich selbst ein Brücke über die Maas und auch im Aufmarschgebiet des 19. amerikanischen Korps wurde eine Brücke über die Maas geschlagen, die von der Infanterie sofort genutzt wurde. Am 12. September setzten die Amerikaner den ersten Fuß auf niederländischen Boden und vertrieben die Deutschen aus Noorbeek und Mheer. Am 13. September drangen Teile der 30. Infanteriedivision, die sogenannte Old Hickory Division, in Eysden, Gronsveld und den Vorort von Maastricht, Wijk, ein. Am 14. September folgt Maastricht-West. Das ist auch der Tag, ein historischer in der Geschichte des Göhlstädtchens, an dem Valkenburg die ersten Amerikaner begrüßt.

Die Befreiung von Valkenburgnach obenzurück


14 Sept 44

Erinnerungen von Pierre Schunck 1

September 1944. Zuid-Limburg bevrijd.
Mij is verzocht om iets over onze bevrijding te schrijven.
Derhalve deze schets:
                     Van al die bevrijdings—geruchten hield een
onderduiker in Valkenburg het niet meer. Hij verdween en kwam
‘s avonds terug met een verhaal.   In Margraten was hij bij 
Amerikanen geweest. Die wilden alles over de Geulbruggen weten.
Hij verwees hen naar zijn baas "de rayonleader of the resistance"
die wist er alles van. De onderduiker werd naar mij terug gezonden,
met het verzoek, om in alle vroegte op de Daelhemerweg bij Sibbe
te wachten op een Amerikaanse officier. Het wachtwoord was „Steeplechase“.
       Wel,dat deed ik, met mijn onderduiker. De Amerikaan was er. 
Op zijn vraag zei ik    Aan de Caubergkant van de Geul, geen duitsere
alle bruggen, op één na vernield, aan de andere kant wel nog duitsers
de enige brug is ondermijnd en bewaakt. 
De officier begon in een walkie—talkie te praten waarna een rij jeeps
met soldaten verscheen. Zij zonden een poging wegen, die brug in
handen te krijgen.
                    Wij gingen in twee groepen. Beneden op het
Grendelplein,waarschuwde ik de paar mannen, die er waren, niet
luidruchtig te zijn, alles diende in stilte te gebeuren. (De bevolking
schuilde in de grotten).        Een groep ging achter de huizen om
richting school, om daar de duitse brugbewakers onder schot te
krijgen.   De ander groep ging richting kerktoren, vanwaar men,
over de muur van kasteel Den Halder, de brug kon zien.
Echter... in de nacht hadden duitsers in het Pavillon kwartier
gekozen, die onze Amerikanen zagen en.... de brug ging in de lucht!
Alleen de Cauberg—kant van de Geul was nu bevrijd. De andere kant
van Valkenburg moest nog wachten, terwijl de mijnstreek door deze mislukte
„brugverovering“ ook een paar dagen later bevrijd werd.
sDit was dan de "front—ervaring" van Paul rayonleider der LO R8218.

Am Morgen des 14. September 1944 ist es besonders still in Valkenburg. Wegen der vorrückenden Truppen bleiben die wenigen, die sich nicht in die Höhlen in Sicherheit gebracht haben, im Haus.
Schon seit Tagen kursieren allerlei Gerüchte. Die deutschen Truppen sind größtenteils zurückgezogen worden. Nur eine Handvoll Deutscher hält sich noch in Hotel Oda auf, um die einzige noch nicht gesprengte Brücke nahe dem Schlösschen „Den Halder“ zu bewachen. Am frühen Morgen gehen zwei Männer in Zivil den Daelhemerweg hoch. Am Tag vorher haben sie Kontakt mit den Amerikanern aufgenommen, die bis De Planck an der belgischen Grenze vorgerückt sind. Einer von ihnen hat den Amerikanern Informationen über den Stand der Dinge in Valkenburg gegeben. Heute wird eine amerikanische Patrouille nach Valkenburg kommen. Bei der Bank, etwas oberhalb der Modell-Steinkohlengrube, wird man Kontakt aufnehmen. Das vereinbarte Passwort ist „Steeplechase“.
Schon aus der Ferne spähen ihre Blicke dem Weg entlang nach oben. An der vereinbarten Stelle sitzt tatsächlich ein Amerikaner auf der Bank. „You want a cigarette?“, fragt er.
„I like steeple-chase“, antwortet Pierre Schunck (38) aus Valkenburg, im Widerstand nur unter „Paul Simons“ bekannt.
„I am Captain Sixberry“ sagt der Mann auf der Bank. Er will genau wissen, mit wievielen die Deutschen im Städtchen sind und wo sie sich befinden. Auf seinen Knien liegt eine topographische Karte. Schunck zeigt: „Auf dieser Seite der Göhl ist keiner mehr. Diese Brücke ist die einzige, die noch intakt ist, aber sie ist vermint und wird aus dem Hotel Oda bewacht, dort. Möglicherweise sitzen auch noch Deutsche im Casino, hier. Ferner finden immer noch deutsche Transporte von Meerssen über Houthem nach Valkenburg und dann über Heerlen nach Deutschland statt.“
Der Amerikaner wird von einigen Soldaten begleitet. Sie halten sich in der Deckung und ihre Anzahl wird sicherlich größer sein. Sie verfügen über ein „Walkie-Talkie“, das erste Sprechfunkgerät, das Pierre Schunck zu Gesicht bekommt. Die erhaltenen Informationen werden weitergegeben. Darauf folgt von der anderen Seite die Order: „Versucht die Göhlbrücke unbeschädigt in die Hände zu bekommen!“ Das sollte überraschend mit einer Zangenbewegung geschehen.
Schunck winkt seinen Begleiter herbei, den bei ihm untergetauchte junge Mann l’Istelle (23) aus Den Haag. Man berät sich kurz. Dann ziehen die Amerikaner sich zurück und es nähert sich geräuschlos eine Reihe offener Jeeps, die Maschinengewehre vorne aufgebaut. Die Motoren sind abgeschaltet, man macht vom Gefälle des Daelhemerweges Gebrauch um vollkommen geräuschlos herunterzufahren.

Open Street Map Klicken Sie für eine größere Karte (bei Open Street Map) auf die Übersichtskarte. Die Wälder am Südrand von Valkenburg fallen mit dem Südhang des Göhltales zusammen. Der rote Pfeil liegt auf halber Strecke auf diesem Hang an der Daelhemer Straße. Die Göhl ist ein paar Tage Frontlinie. Siehe Text.

Im ersten Fahrzeug sitzt nur ein Fahrer. Der Captain und die Soldaten setzen sich hinein, Pierre Schunck wird auf die Motorhaube gesetzt. Weil man ihm immer noch nicht traut? Solche Dinge fragt man sich später. Vorerst aber geht es, die Nerven bis zum Äußersten gespannt, langsam Richtung Valkenburg...
Es sollen zwei Gruppen gebildet werden: eine mit Schunck, die andere mit l'Istelle als Führer. Vor dem alten Stadttor schickt Pierre Schunck einige dort anwesende Valkenburger von Haus zu Haus mit der dringenden Bitte, absolute Stille zu bewahren und vor allem nicht anzufangen, zu jubeln. Alle halten sich daran.
Die zwei Züge gehen ihre Wege. Schunck und „seine“ Soldaten gehen durch das Grendeltor in die Altstadt. In der Muntstraat gehen sie in Hotel Smeets-Huynen (heute „Edelweiß“) hinein und verlassen es ungerührt durch die Hintertür, an der verblüfften Familie Smeets vorbei. Einige Soldaten besteigen den Kirchturm, um von dort die Brücke mit ihren Maschinengewehren im Visier behalten zu können. Pierre Schunck begleitet den Offizier, der mit einem Periskop ausgerüstet ist. Aus der später abgerissenen Brauerei Theunissen hat man aber nicht genügend Überblick wegen der - später übrigens auch abgerissenen - recht hohen Mauer des Schlösschens „Den Halder“. An dieser Mauer entlang schleicht man bis an das Mäuerchen an der Göhl. Mit Hilfe des Periskops sieht der Amerikaner einen deutschen Soldaten auf der Brücke Wache schieben. Pierre Schunck darf auch mal gucken...
Inzwischen sind ein paar Jeeps mit schweren Maschinengewehren aufgebaut, mit abgeschaltetem Motor bis zwischen den Hotels Neerlandia und Bleesers buchstäblich nach vorne geschoben worden. Ein Grüppchen von dort anwesenden Soldaten begibt sich mit l'Istelle hinten herum bis zur Protestantischen Kirche, durch den Garten von Hotel Cremers (l'Ambassadeur) und Haus Eulenberg (später „Texas-Bar“, zum Hotel Prins Hendrik. Eine andere Gruppe versucht via den Schulhof an der Plenkertstraat die Göhl zu erreichen.
Sobald diese beiden Gruppen an ihr Ziel angekommen sein werden, werden Scharfschützen versuchen, die Deutschen zu überraschen, damit diese die Sprengladung unter der Brücke nicht zünden.



Verabredung am Daelhemerweg

Die Wochenzeitung „Het Land van Valkenburg“ schrieb am 13. September 1974:
„Herr Pierre Schunck nach dreißig Jahren auf der Bank am Daelhemerweg, wo er einen Termin hatte mit der amerikanischen Patrouille, die Valkenburg einnehmen sollte.“

Der Plan war, leise vorzurücken um die einzige Göhlbrücke, die noch intakt war, in die Hände zu bekommen, bevor die Deutschen auch diese sprengen. Es war die Brücke in der Wilhelminalaan. Die Deutschen lassen diese so lange wie möglich intakt um ihren Truppen die Flucht zu ermöglichen. Dieser Versuch misslang durch Verrat eines mit den Deutschen kollaborierenden Valkenburgers. Der warnte die Deutschen, als die Amerikaner, von Baum zu Baum kriechend, die Brücke bereits fast erreicht hatten.
Im letzter Minute wurde die Sprengladung, die unter der Brücke befestigt war, noch gezündet. Dieses Ereignis hat den Vormarsch der amerikanischen Truppen um drei Tage verzögert.



Mörderisches Artillerieduell in Valkenburg

In D-DAY IN ZUID-LIMBURG, De bevrijding van uur tot uur, van plaats tot plaats. (D-Day in Südlimburg, die Befreiung von Stunde zu Stunde, von Ort zu Ort) von Jan Hendriks und Hans Koenen lesen wir:

Die Amerikaner verwendeten zunächst den Wilhelminaturm auf dem Heunsberg als beobachtungsposten. Aber nachdem ein deutscher Volltreffer da ein riesiges Loch reingeschlagen hatte, war der unbrauchbar geworden. Obwohl sie, dank der Informationen aus dem valkenburger Widerstand, über die feindlichen Positionen bestens im Bilde waren, könnten sie dagegen auf die Dauer nicht viel ausricheten, weil ihre Artillerie Mangel an Munition bekommen hatte. Wegen schlechten Wetters konnten sie auch nicht auf Unterstützung durch die Air Force zählen.
Das 119. Regiment verlor an diesem Tag 24 Leute. Sieben wurden getötet, 17 wurden verletzt, die meisten durch Artilleriebeschuss in Valkenburg. Es wurden 73 Kriegsgefangenen gemacht.


Die Wichtigkeit der Göhl in 1944

Geullinie


Der Plan (die Brücke unversehrt in die Hände zu bekommen) mißlingt. Die Deutschen bemerken ihre Feinde im Hotel Prins Hendrik. Vielleicht hat man sie auch aus dem Tanzlokal Pavillon gewarnt, wo sich ebenfalls deutsche Posten befanden. Mit einem schrecklichen Getöse fliegt die letzte Brücke in die Luft. Die Brocken fliegen Schunck und dem amerikanischen Offizier hinter dem Mäuerchen um die Ohren. Der Plan ist im allerletzten Moment schief gegangen. Nun wird die Göhl vorübergehend zur Frontlinie.
Der im Laufe des Tages eintreffende Stab der Bataillon, die Valkenburg südlich der Göhl eingenommen hat, richtet sich im Keller des Geschäfts Bours auf der Ecke von Wilhelminalaan und Plenkertstraat einen Befehlsstand unter der Leitung von Colonel Beelar ein. Ihr Auftrag lautet: von De Planck und Noorbeek die Nationalstraße Maastricht-Aachen zu überqueren und nach Margraten, Sibbe und Valkenburg vorzurücken. Dort sollen sie dem deutschen Transport den Rückweg abschneiden und anschließend warten bis auch Maastricht in alliierte Hände gefallen sein wird.

Der Mord am Landwächternach obenzurück



Amerikanische Armeefahrzeuge

auf dem Cauberg in Valkenburg, nach der Befreiung. Das erste Bild zeigt das untere Ende des Cauberg, von oben gesehen. Am Ende sehen wir das Denkmal, wo Landwächter Savelberg das Opfer von Lynchjustiz wurde.

Mit den Amerikanern kam auch ein ehemaliger Untergetauchte mit, der später wegen des Diebstahls von alliierten Militärgütern vor Gericht stehen sollte. Im Bericht der Kriminalpolizei der Militärregierung in Valkenburg vom 2. Februar 1945 wird er Johnny Kruyt oder Kruyf genannt. Im September war davon aber noch nichts bekannt. Nachdem er in Valkenburg angekommen war, organisierte er eine Treibjagd nach echten und vermeintlichen Nationalsozialisten und behauptete, im Auftrag der Amerikaner zu handeln. Inzwischen hatte sich auf dem Grendelplein eine Menschenmenge versammelt. Ein Landwächter wurde herangeschleppt, der für alles büßen sollte, die die Nazis getan hatten. (Die Landwacht war eine Hilfspolizei, die aus Mitgliedern der niederländischen NSB bestand. Siehe https://nl.wikipedia.org/wiki/Nederlandse_Landwacht) Dieser Landwächter wurde zu den Amerikanern gebracht, die ihn wiederum dem Niederländer übergaben, der mit ihnen angekommen war, mit den Worten „Kill him“. Schließlich war er ja ein Niederländer. Also nahmen die anwesenden Valkenburger an, dass dies im Auftrag der Amerikaner geschah, und der Landwächter hätte bestimmt schlimme Dinge getan. Aber auch Willem Freysen, das oben genannte Mitglied der Widerstandes, das auf dem Zuteilungsamt in Valkenburg unter der Maske der Nazi-Freundlichkeit, heftig geschwindelt hat, wurde von diesen Leuten verhaftet. Dies ist ein klarer Beweis dafür, dass sie keine Verbindung zum valkenburger Widerstand hatten. Pierre Schunck, der eilig herbeigerufen wurde, konnte diese Gruppe von Freysens Unschuld überzeugen. Der Landwächter Savelberg hatte weniger Glück, da er ja tatsächlich ein Kollaborateur war.
Inzwischen kam Pater Ferdinand aus dem Kloster der „Patern am Cauberg“ zum Ort des Geschehens. Auch er verhandelte mit dieser Gruppe, ebenfalls ohne Erfolg. Während des Krieges hatte er mit Pierre Schunck im Widerstand zusammen gearbeitet, und so ist es logisch, dass sie nun zusammen versuchten, Savelberg zu retten oder zumindest ein ehrenvolles Begräbnis für ihn zu erhalten.

Es folgen einige Zitate, die diese Fakten aufzeigen. Die Geschichte der Rettung von Willem Freysen ist uns Kindern Schunck von unserem Vater erzählt worden. Im Bericht vom 2. Februar 1945 des Ermittlungsdienst der Militärregierung (Militair Gezag) von Inspektor A.C. van der Gronden steht:

Unmittelbar nach dem Krieg besorgte er (Harings) sich Waffen und kannte niemanden mehr von denen, die ihm geholfen hatten. Er beförderte sich selbst zu Anführer, was darin resultierte, dass Alphons Hendrikus Savelberg, geboren am 6. November 1917 in Valkenburg, Landwächter erschossen wurde. Johnny Kruyt oder Kruyf, der jetzt im Gefängnis sitzt, weil er wahrscheinlich Diebstahl von alliierten Armeegütern begangen hat, war Untertaucher und soll zusammen mit den Amerikanern aus Belgien gekommen sein. Dieser gab den Befehl, Savelberg zu erschießen, wofür Harings sich freiwillig zur Verfügung stellte. Er stellte sich in 10 bis 12 Meter Entfernung auf und schoss mit einer Maschinenpistole drei Salven, schätzungsweise 12 bis 15 Schüsse. Savelberg fiel auf den Boden, noch am Leben, und bekam dann ein paar Kopfschüsse. Dieser Harings wusste nicht, wie die Waffe funktionierte, denn etwa eine Stunde vorher hatte er einen ehemaligen Feldwebel um Einweisung gebeten. Diese Tragödie fand am Grendelplein statt, umgeben von Erwachsenen und Kindern, am 14. September 1944. Es war ein wahres Martyrium für den Landwächter.

Einige ältere Valkenburger kennen wohl noch Pater Ferdinand van Westerhoven ss.cc., der Klostervorsteher am Cauberg, mit seiner unverwechselbaren Stimme und Gesicht. Er war befreundet mit meinen Eltern, dem Ehepaar Schunck. Während des Krieges wurde die Höhle der Mönche hinter dem Kloster vom Widerstand verwendet, unter anderem als Versteck für ein gestohlenes deutsches Armeefahrzeug . Aus seinen Erinnerungen:

Ich sprach darauf die Leute an, von denen ich annahm, dass sie die Führung hatten, unter anderem einen Holländisch sprechenden jungen Mann, der sich als Kommandant gebärdete. „Das“ hieß er, wie ich später hörte. Ein Mann, an den ich mich auch noch erinnere durch die Verhandlung später, im Jahr 1945 in Maastricht. Ich wies ihm darauf hin, dass so etwas doch nicht ginge ohne ein anständiges und gültiges Verfahren, worauf man mir sagte, dass der Betroffene, Alphons Savelberg, ein vor einem von den Amerikanern gebildeten Gericht zu Felde verurteilt worden wäre, dass das Urteil aber von niederländischen Widerstandskämpfer vollstreckt werden sollte.

Ich ging dann zu Alphons Savelberg in der Nähe des Denkmals und nach einem einleitenden Gespräch nahm ich ihm die Beichte ab. Dann drängte ich ihn, sich öffentlich vom Nationalsozialismus und seiner Zusammenarbeit mit dem Feind zu distanzieren, damit kann er zumindest ehrenvoll begraben werden könnte. Darin stimmte er zu und ich rief die Herren Pierre Schunck und Ben Koster hinzu, worauf er dann vor uns dreien sein Bedauern zum Ausdruck gebracht hat.



OD Leute und Untertaucher am Eingang der Heidegroeve

Heidegroeve (Plenkertstraat), September 1044.
War dies die Gruppe, die eine Treibjagd auf Kollaborateure machte? Jedenfalls steht Jan Harings dazwischen, mit der Nummer 1 über seinem Kopf.
Von links nach rechts: Sjef Smeets, Walramplein; Jos Mentelers, Unter-taucher aus Amby; Jos Quaedvlieg (der Dicke), Walramplein / Hovetstraat; Harrie Fraiture, St Pieterstr; Henk Salverda; Jan Harings; Sjef Coenen, Wehryweg; Jean Kessler; Pierre Philippens, Plenkertstraat
Foto: Frans Hoffman

So haben sich diese drei Widerstandsleute zusammen für Savelberg verwendet, wenn auch mit sehr geringem Erfolg. Dass der valkenburger Widerstand mit dieser Lynchjustiz nichts zu tun hatte, geht nicht nur aus der knapp verhinderten Hinrichtung von Freysen hervor. Auch die Tatsache, dass der Schütze Harings nicht mal wusste, wie er eine Waffe halten musste, und dass er die von den Amerikanern bekam, spricht Bände. Der bewaffnete Teil des Widerstands, die K.P. unter der Führung von Bep van Kooten, saß außerdem in Ulestraten, das in dem Moment noch in deutscher Hand war. Aus den Worten von Pater Ferdinand geht hervor, dass man zu der Zeit keinen Zweifel daran hatte, dass das Ganze auf Geheiß der Amerikaner geschah.
Dennoch später war wahrscheinlich für den Widerstand und insbesondere für die LO eine schmerzliche Erinnerung, weil sie es nicht geschafft haben, diesen sinnlosen Mord zu verhindern. Denn die Zielsetzung der L.O. war die Leistung von humanitärer Hilfe die einzige Option, aktiv an dem Kampf gegen den Faschismus teilzunehmen. Sie waren sich der eigenen militärischen Schwäche und moralischer Kraft sehr genau bewusst. In diesem Bericht über den Widerstand von Pierre Schunck und damit die L.O. von Valkenburg habe ich daher, außer dem Überfall auf das Zuteilungsamt von Valkenburg, auch den Versuch des Gleichen in Heerlen aufgenommen. Die Aktion in Valkenburg war eine Zusammenarbeit von L.O. und KP, sie war gewaltlos und sehr erfolgreich. In Heerlen hat die K.P. es mit der von Nijmegen gemacht, ohne L.O.; es ging dabei mit viel Gewalt zu und war ein völliger Fehlschlag. Zufall? Ich sage nicht, dass die Jungs der K.P. alle Hitzköpfe waren, aber sie waren zumindest größtenteils jünger Leute. Zum Beispiel untergetaucht, weil sie sich dem Arbeitsdienst entzogen hatten und eigentlich drauf brannten die Deutschen zu bekriegen. Sie sind später als Stoottroepen nach Deutschland gezogen, um dies tatsächlich zu tun und von diesen Jungs sind da für unsere Freiheit gestorben. Siehe unten über die Gründung der Stoottroepen
Der sogenannte Ordedienst, der sich in Valkenburg erst nach der Befreiung gebildet hat, ist ein ganz anderes Kaliber und hat es nicht verdient, sich Widerstand zu nennen. Deshalb hat sich, soweit ich weiß, der valkenburger Widerstand sich nie von diesem Mord distanziert. Sie hatten einfach nichts damit zu tun. Und jeder wusste das.

Evakuierungnach obenzurück

Valkenburg ist also nicht an einem einzigen Tag befreit worden, weil der Vormarsch der Amerikaner an der Göhl kurz stockte. Dadurch verlief die Front zwischen dem 14. und dem 17. September 1944 quer durch Valkenburg entlang der Göhl. Während der Befreiungstage war ganz Valkenburg evakuiert. Wofür anderenorts die Menschen in einen Bunker oder in den Keller gingen, wurden in Valkenburg natürlich die Höhlen genutzt, die Gängesysteme im weichen Kalkstein, die im Laufe der Jahrhunderte bei der Gewinnung von Bausteinen entstanden waren.
Die älteste Tochter von Pierre Schunck erinnert sich:

„Wir, die Bewohner der Plenkertstraat, waren natürlich in der Heidegroeve genannten Championszüchterei gegenüber der Brauerei. Am Ende des Krieges hatte die Organisation Todt damit begonnen, die Höhle als bombensichere Fabrik einzurichten. Da hatten sie Zimmer für das Personal eingerichtet, die wir nun gut gebrauchen konnten. Jede Familie bekam ein eigenes Zimmer zugeteilt.“

Während der Befreiungstage, Tage von harten Kämpfen in Valkenburg, hatten de meisten Einwohner in den Höhlen am Cauberg und an der Plenkert Zuflucht gesucht. In seinem kleinen Buch „Limburg in den Wereldbrand“ (Limburg im Weltbrand) widmet M. Kemp, den schweren und angstvollen Tagen die die Valkenburger damals erlebt haben die folgenden Zeilen:
„Zwar sind die Amerikaner am 14. September bis Valkenburg vorgestoßen, aber de Bewohner dieses Teils des Göhltales haben noch etliche kritische Tage durchlebt. Das Elend fing mit der Sprengung einiger Göhlbrücken an, und zwar mit derartigen Dynamitladungen, dass einige Häuser und Hotels dabei zerstört wurden. Viele Einwohner des Städtchens hatten sich in die nahe gelegenen unterirdischen Kalksteingruben geflüchtet. Schon bald gingen jedoch die Lebensmittel zur Neige, ging das Licht aus und entwickelten sich durch die Überbevölkerung unhaltbare hygienischen Zustände. Während in den umgebenden Wäldern das Artillerieduell mit voller Gewalt tobte, und unzählige Granaten in die verlassenen Häuser einschlugen, wurden in den Höhlen drei Kinder geboren und ist ein alter Mann eines übrigens natürlichen Todes gestorben. Die Stunde der Befreiung kam hier keine Spur zu früh!“

Aber durch deutschen Artilleriebeschuss von den Höhen ber Schimmert können die Valkenburger die Höhlen immer noch nicht verlassen und es droht Hunger.


Lebensmittel für die Höhlennach obenzurück



Teil von Süd-Limburg

Die Göhl, die während der Befreiung von Valkenburg für ein paar Tage die Frontlinie bildete, fließt durch die Dörfer (von Ost nach West) Stokhem, Etenaken, Schin op Geul, Valkenburg, Houthem, Meerssen und Itteren. Die roten Linien sind Autobahnen. Sie waren damals noch nicht gebaut.




16 Sept 44, Erinnerungen von Pierre Schunck 1

16 Sept 44
Der Träger dieses Schreibens, Peter Joseph Arnold, ist uns als freundlicher Verbündeter bekannt und steht mit uns in Verbindung. Er wird nach Maastricht fahren und um 24:00 Uhr dieses Datums zurückkehren.
[Unterschrift]
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16 Sept bekamen die amerikanischen Truppen in Valkenburg eine Nachricht, dass Maastricht in den Händen der amerikanischen Armee wäre.
Direkte Verbindung via Berg en Terblijt oder Meerssen war nicht vorhanden.
Die valkenburger Gruppe von Amerikanern war von De Planck und Noorbeek gekommen, hatten die Nationalstraße Maastricht - Aachen überquert und kamen durch Margraten und Sibbe. Ihre Aufgabe, zumindest so wurde mir klar gemacht: Zunächst die Straße Maastricht - Aachen für deutsche Transporte abzuschneiden und dann die Eroberung der Stadt Maastricht abzuwarten.
Sie überquerten nun die Göhl und verschafften sich Zugang zur Hauptstraße nach Meerssen. Damit wurde Valkenburg vollständig befreit. Dann wurde ich gebeten, über die Straße Berg en Terblijt nach Maastricht zu fahren. Dazu wurde mir ein Soldat mitsamt Jeep zur Verfügung gestellt.
Ich hatte um Kontakt mit Maastricht gebeten, vor allem mit dem Lebensmittelkommissar Niest. Dazu hatte ich jetzt Gelegenheit. Von Jean Hendriks hatte ich gehört, dass sich die Deutschen aus dem Geulhemer Berg auf die Nordseite der Göhl, hinter der Wassermühle, zurückgezogen hatten. Sie hatten dabei noch die Höhle besucht, in der die



16 Sept 44

Erinnerungen von Pierre Schunck 2

Bevölkerung von Berg saß. Dies war Anlass zu einiger Verwirrung gewesen, weil die Menschen dachten, sie wären schon befreit worden.
Über die leere Straße verlief die Fahrt ohne Zwischenfälle, obwohl noch regelmäßig von der Höhe bei Schimmert von den Deutschen auf der anderen Seite der Göhl geschossen wurde, und ich sah Wolken von explodierenden Granaten über Ravensbosch.
In Maastricht gelangte ich zur Militärregierung am Vrijthof, um herauszufinden, wo der Nahrungskommissar zu finden sei. Am Eingang wurde ich von einem Soldaten in englischer Uniform angehalten. Dieser verwies mich auf einen überfüllten Warteraum . Ich ging halt wieder nach draußen und bat meinen Jeepfahrer, einen schwer bewaffneten amerikanischen Soldaten, mich zu begleiten. Dieser fragte den wachhabenden Soldaten auf amerikanischem Englisch: „Wo sitzt dein Commander?“ Sofort wurden wir zu ihm geführt, an allen Wartenden vorbei. Ich trug das Salamander-Armband (Symbol des Widerstandes).
Der Militärbefehlshaber stand auf, schickte die Leute weg und war sichtlich nervös. Ich legitimierte mich, indem ich auf das Armband zeigte, als Bezirksleiter der L.O. in Valkenburg, sagte, dass die Bevölkerung sich in den Höhlen aufhielt, ohne Nahrung und ohne medizinische Versorgung und Medikamente. Ich bat um Lebensmittel und deren Transport. Er sagte, für Transport sorgen zu können. Außerdem wusste er, dss deutsche Armeebestände in einer Keramikfabrik gefunden worden waren uns dass der Nahrungskommissar dabei wäre, sie zu inventarisieren.

Der Rest der Geschichte hat Pierre Schunck später geschrieben. Da fährt er fort:

Den Nahrungskommissar fand ich in der Sphinxfabrik. Dieser half hervorragend. In der Suppenküche an der Sphinx wurde eine Anzahl von Fässern (gereinigte Mülltonnen) mit warmem Essen gefüllt.
Der Transporter erwies sich als großer LKW des ENCI-Zementwerks. Brot kam aus der „Maastrichtse Broodfabriek“, mit einem Lieferwagen eines örtlichen Drogisten. So war die Lebensmittelfrage also geregelt.
Nach ein paar Tagen kam das Rote Kreuz mit einem Arzt, einer Krankenschwester, einigen Offizieren und einer Handvoll Journalisten.

Später wurde die Nahrungsversorgung für die evakuierte Bevölkerung von Kerkrade fortgesetzt, die teilweise nach Valkenburg kam. Als es der US-Armee gelang, in das Kohlenrevier vorzurücken, hörte der deutsche Artilleriebeschuss auf. Die Bevölkerung konnte die Höhlen verlassen.

Lesen Sie mehr über die Evakuierung von Kerkrade, und insbesondere des Krankenhauses, bei Dr. Gerd Kreijen, der dort Arzt war. Nach der Evakuierung kam ein Teil dieser Menschen mit Dr.Kreijen nach Valkenburg (Es gibt da viele Hotels. Im Hotel Franssen wurde ein provisorisches Krankenhaus eingerichtet). Er war ein Cousin meiner Mutter und hat in der Zeit bei uns gewohnt.




Inspektionsgruppe der Militärverwaltung

Nach der Intervention bei der Militärverwaltung durch Pierre Schunck (ganz rechts) wurde etwa am sechzehnten September diese Inspektionsgruppe geschickt.
Pierre Schunck schreibt:

Inspektion durch Militärverwaltung, ca. 16. (Mitte Sept. 1944) in den Höhlen von Valkenburg wegen Ernährung, Gesundheitszustand etc.
Leitung hatte ein Kapitein-ter-zee (= Marineoberst) Drost.
Ein maastrichter Arzt war Teil der Gruppe. Sie wurde herum geführt vom Gemeindeaufseher Drissen. Ich sollte Auskünfte erteilen.

Diese Aufnahme entstand am Eingang der Heidegroeve an der Plenkertstraat, wo auch Menschen Schutz vor dem deutschen Artilleriebeschuss gefunden hatten.
Aufseher Drissen ist der zweite von links, mit Carbidlampe.
Foto: Frans Hoffman.


Valkenburg ist freinach obenzurück



„Militair Gezag“ (Militärbehörde)

Versuch von M.G.
die ehemaligen Illegalen in organisierter Form zu Kooperation mit der Militärbehörde von General Kruls zu bewegen

Sie würden Kontaktoffiziere zwischen M.G. und der Bevölkerung werden.

Zwischen 1944 und 1946 war „Militair Gezag“ (Militärbehörde) das vorläufige Verwaltungsorgan. Es war von der niederländischen Exilregierung in London gegründet worden. Das limburgische M.G. hatte seinen Sitz am Vrijthof in Maastricht. Die oben stehende Notiz aus dem Achiv von Pierre Schunck deutet an, wie die Militärbehörde versuchte, ihre schwierige Aufgabe in den Griff zu bekommen.
Die Widerständler nannten sich selbst die Illegalen.

Eine Studie über die Arbeit der niederländischen Militärbehörde in der Übergangszeit nach der alliierten Befreiung der Niederlande.
Het ‘Circus Kruls’, Militair Gezag in Nederland, 1944-1946, von Dr. Dick Schoonoord (Amsterdam 2011). Mit Link zum digitalen Buch, pdf

Die Befreiung von Valkenburg in september 1944 ist noch nicht das Ende des Krieges, der in Europa noch bis Mai dauern würde. Ein Teil der Widerstandsleute, besonders natürlich von der K.P., traten in die Armee ein, wurden zu den Stoottroepen formiert und nahmen so noch als Soldaten an der Niederschlagung der Nazis teil.

Lou de Jong schreibt: „Es gab viele Widerständler, deren Herzenswunsch es war, an den alliierten Militäroperationen teilnehme zu können. Diesen Wunsch hegten vor Allem die meisten Mitglieder der KP. Wie konnten sie einbezogen werden? Um diese Frage zu diskutieren, begab sich der KP Kommandant von Süd-Limburg, B.J.C. (Bep) van Kooten, am 17. oder 18. September zum Hauptquartier von Prinz Bernhard.“
...
„Am 19. September war er wieder in Maastricht, wo er sofort begann zu rekrutieren, stolz auf die Tatsache dass er, ein KP Mann und nicht einer des OD oder des RVV, es geschafft hatte, die wichtige Funktion von Kommandant einzuheimsen.“
http://de.scribd.com/doc/75776692/Het-Koninkrijk-der-Nederlanden-in-de-Tweede-Wereldoorlog-Deel-10a-2e-helft, Seite 30 (556)

Am 20. September erscheint Bepp van Kooten bei seinem Widerstandskollege „Paul“ und teilt mit, dass die Widerständler sich in den „Koninklijke Stoottroepen“ (Königliche Stoßtruppen) der regulären Armee formieren und bittet „Paul“, dabei mitzuhelfen. Stolz wirbt „Paul“ dafür unter den L.O.-Mitgliedern.


 Prinz Bernhard und Bep Van Kooten

Während seiner Reise zum Hauptquartier der neuen niederländischen Armee in Brüssel wird Bep van Kooten vom Oberbefehlshaber, dem Prinzen Bernhard, zum Kommandanten der limburgischen Stoottroepen ernannt. Dann engagiert Bep „Paul“ als Offizier für den Personalbereich. Somit übernimmt dieser nicht nur Werbung, er ist jetzt auch verantwortlich für die Rekrutierung neuer Soldaten. Als Geschäftsmann kennt er sich damit aus.


Ernennung Pierre Schunck

Niederl. Binnenl.Strijdkrachten
Stoottroepen
Commandant Limburg
--------------------

Im Felde, 17. November 1944

Zum Offizier der Personalabteilung wird von mir ernannt:
P. J. A. Schun [c] k, Ausweis Nr1918.
Diejenigen, von denen er die Zusammenarbeit erbittet in Angelegenheiten welche
in seinem Zuständigkeitsbereich liegen, d.h. alle persönlichen Angelegenheiten
der Soldaten der Stoottroepen, mit Ausnahme von Bewaffnung,
Verpflegung und Sold, werden gebeten, ihm diese zu gewähren.
Sein Tätigkeitsbereich umfasst alle Truppen in Limburg.

Der Kommandant in Limburg
[unterzeichnet: B. van Kooten]

Lesen Sie weiter unter dem Bild



Ernennungsurkunde

Und so geschieht es:
Anmeldungen kommen herein, Listen werden erstellt, Kontrollen ausgeführt, notwendige Auskünfte erteilt, geeignete Unterkünfte und Werkstätten gesucht, eine Garage für Transport und Wartung empfohlen! Ergebnisse sind u.a. Haus Philips und Oranjehof. Die Beziehungen mit den Befreiern waren O.K. und bestehen bis zum heutigen Tage! (Eine Lebenslängliche Freundschaft verband ihn mit Bob Hillecue aus Chicago, Mitglied der „Old Hickory“ Division, die Valkenburg befreite.)

Rechts: Positionen der Stoottroepen entlang der Front, Mitte Januar 1945


Veteranennach obenzurück



Bob Hilleque & Pierre Schunck

In September 1984 bezocht een aantal voormalige leden van de Old Hickory divisie Europa en kwamen ook naar Valkenburg. Bericht van het Limburgs Dagblad van 21-09-1984:
Vanmorgen zijn ze vertrokken. Richting Schiphol en vervolgens de States. Terug naar huis. Zeventien dagen nadat zij in „America” begonnen waren aan een – wat toen nog heette – een bezoek aan veertig jaren bevrijd Maastricht en Zuid Limburg. Een „visit” dat echter uitgroeide tot een op vele momenten indrukwekkende, ontroerende en soms naar de keel grijpende pelgrimage. Of, zoals EDWARD ClUCEVICH uit Savannah in Georgia het uitdrukte: „Een tocht die oude wonden opentrok, bestaande vriendschappen versterkte en nieuwe smeedde. Onvergetelijk! Ik ben dankbaar dat ik er bij ben geweest…”. Er bij. In Nederland, in Frankrijk, in België. In West-Duitsland óók. Maar bovenal in Limburg. Vanmorgen zijn ze vertrokken.
Vermoeid, boordevol indrukken. Een tikkeltje verdrietig én een beetje blij. De een, BUSTER SIMMONS uit Burlington in North Carolina, met een frivolité in zijn bagage. Geschenk van MARIA „IEKE“ SONNENSCHEIN uit Heerlen voor Bessie-May, Busters vrouw. De ander, EDWARD MELNAR uit Ventura in Californië, met bij Bon Goût in Maastricht gekochte peperkoeken met gember. Om maar iets te noemen… Vóór ze vertrokken namen ze (opnieuw) afscheid van vele Limburgers. Zoals EARL DEARBORN uit Plymouth, van THEO DOLS uit Heerlen. De Yank en de Limburger hebben destijds samen gevochten. Zijn vrienden gebleven. Evenals hun echtgenotes, MARlON en GEERTJE, dat thans zijn. Zoals ROBERT HILLEQUE uit Franklin Park in Illinois van PIERRE SCHUNCK uit Schaesberg. Veertig jaren geleden, op 14 september’44, leidde Pierre Schunck een Old Hickory—stoottroepje (in een stuk of wat open jeeps met machinegeweren) vanaf de Daelhemmerweg bij Sibbe naar het Grendelplein, onder de Grendelpoort, naar de Muntstraat en verder Valkenburg in. Gids Schunck zat op de motorkap van de eerste jeep. Achter hem enkele Yanks. Eén van hen: Robert Hilleque. Pierre Schunck zag hem enkele dagen geleden in Hotel Voncken in Valkenburg terug. Op de Kerkraadse markt voor d’r Joep heeft fotograaf Theo Gijzen ze later vereeuwigd. Herinneringen, (her-)ontmoetingen, emoties, verhalen...

Bob Hilleque
Bob Hilleque
Paintings celebrating the Old Hickory
Paintings celebrating the Old Hickory
Letter from Bob & Marie Hilleqe
Letter from Bob & Marie Hilleqe
Happy Birthday from Marie & Bob
Happy Birthday from Marie & Bob

Der Ehemalige Widerstand

Auch für die ehemaligen Widerstandskämpfer blieb der Krieg für den Rest ihres Lebens in jeder Hinsicht eine einzigartige Erinnerung. Viele überlebten den Krieg, trugen aber eine posttraumatische Belastungsstörung oder Schlimmeres davon. Die meisten, auch diejenigen, die in der Lage gewesen waren, ihn besser zu bewältigen, empfanden hinterher die Notwendigkeit einer ständigen Kontakt geblieben. Sie trafen sich mindestens einmal im Jahr an den Gedenkveranstaltungen an der Widerstandsdenkmal der Provinz auf dem Cauberg . Hier fühlt man sich mit den gefallenen Widerstandskämpfer, deren Namen in Bronze an den Wänden geschrieben vereint. Voor de oud-Widerstandsleute bleef de oorlog voor de rest van hun leven in alle opzichten een unieke herinnering. Velen hebben die tijd overleefd, maar hielden er een posttraumatische stressstoornis of erger aan over. De meesten, ook degenen die hem beter hadden kunnen verwerken, hadden nadien behoefte aan blijvend contact. Men ontmoette elkaar tenminste een keer per jaar bij herdenkingsbijeenkomsten bij het Provinciaal Verzetsmonument aan de Cauberg. Hier voelt men zich zich ook verenigd met de gesneuvelde Widerstandsstrijders, waarvan de namen in brons aan de muren zijn aangebracht.


 Interieur Verzetskapel Cauberg 1958


Die Gefallenen aus Valkenburg

F. A. (Frans) Cobbenhaegen, geboren 18-10-1921, ambtenaar PTT, ongehuwd, gearresteerd (datum onbekend) in Keulen wegens het smokkelen van brieven naar Nederland, overleden 20-12-1944 in het koncentratiekamp Buchenwald.
G. J. (Gerrit) van der Gronden, geboren 13-12-1895, chauffeur-monteur, gehuwd, verzorgde joodse onderduikers, gearresteerd 13-1-1942, overleden 2-1-1943 in koncentratiekamp Gross-Beeren.
Ch. J, (Charles) Nijst, geboren 5-3-1916, student, weigerde loyaliteitsverklaring te ondertekenen en dook onder, gearresteerd (datum onbekend) wegens het verspreiden van illegale lektuur, overleden 18-1-1944 in kamp Gross-Beeren.
J. J. (Jozef) Roks, geboren 21-5-1883, hotelhouder, ongehuwd, gearresteerd (datum onbekend) wegens het verspreiden van illegale lektuur, overleden 3-3-1944 in het koncentratiekamp Natzweiler.
Uit Hulsberg: F. G. (Frank) Smits, geboren 29-8-1919, juridisch student, weigerde loyaliteitsverklaring te ondertekenen en ging in verzetbeweging (bracht aktiviteiten van de Duitsers op nederlandse vliegvelden op kaart en gaf deze door aan de geallieerden), gearresteerd 12-8-1943 verdacht van samenzwering, na verblijf in diverse gevangenissen uiteindelijk door een speciale krijgsraad ter dood veroordeeld wegens verboden wapenbezit, gefusilleerd 4-4-1944 te Utrecht.

Limburgs Dagblad, Dinsdag 24 januari 1956
ROERMOND, 23 jan. (Limb. pers)
Ein bisschen weniger als zweihundert Limburg Widerstandskämpfer im Harmoniepaviljoen in Roermond ein Limburger Abteilung des "Nationale Federatieve Raad van het Voormalig Verzet in Nederland" (Nationale Föderative Rat des ehemaligen Widerstandes in den Niederlanden) gegründet. Zum Vorsitzenden wurde durch Zuruf Herr Jac. Crasborn aus Heerlen gewählt, der auch die Sitzung leitete. Die Abteilung wird aus drei Sektionen bestehen: Nord, Mitte und Süd.
In die Sektionsvorstände wurden gewählt für Nord: Harrie Hanssen, Venray; Sef Mulders und Leo Jans, Venlo; Mitte: Gerard van Appeven, Roermond; Jan Hobus, Roermond und Sjef de Groot, Heerlen. Süd: Giel Bensen, Heerlen; Pierre Schunck, Valkenburg und Theo Goossens, Kerkrade. Die Mitglieder der Sektionsvorstände bilden zusammen den Abteilungsvorstand. Sjef de Groot und Harrie Hanssen haben, als Mitglieder des Föderationsvorstandes, einen Sitz in den Sektionsvorständen. In der gleichen Qualität wird Herr Crasborn dem Sektionsvorstand von Süd hinzugefügt werden. Der Sitzung in der Harmoniepaviljoen, die auch vom Parlamentsabgeordneten Jan Peters aus Roosteren besucht wurde, ging eine Kranzniederlegung am Widerstandsdenkmal am Zwartbroek Platz voraus.

De afdeling Limburg had na de toespraak van de heer Crasborn een zeer voorspoedige geboorte. De vergadering werd bijgewoond door enkele hoofdbestuursleden van de Nationale Federatie en door afvaardigingen van Expogé (http://www.historien.nl/de-geest-van-het-verzet/) en het Widerstand in Nijmegen en Rotterdam. De Nijmeegse delegatie trad na afloop van de bespreking met het sectiebestuur van noord in contact teneinde een voorlopige aansluiting van de Nijmeegse groep bij Limburg noord te bewerkstelligen.


Stichting 40-45

Complete naam „Stichting Herdenking der gevallenen van het verzet in Limburg 194O-1945“
De afdeling Limburg werd opgericht op 8 juli 1953.
Hier vindt u de eerste pagina van een update van de statuten.

De Volkskrant schreef op 27 april 2010 over de landelijke organisatie:

Voormalig verzet heft zichzelf op

AMSTERDAM De Nationale Federatieve Raad van het Voormalig Verzet Nederland (NFR/VVN), in 1947 opgericht, heft zichzelf eind juni op. De organisatie heeft nog maar 300 leden, met een gemiddelde leeftijd van 89 jaar…

De NFR/VVN is een federatie van lokale verenigingen van oud-verzetsstrijders. De raad zet zich in voor de belangen van oud-verzetsdeelnemers en hun nabestaanden, alsmede voor ‘een blijvende en waardige herdenking van de gevallenen uit de Tweede Wereldoorlog’. Ooit had de organisatie meer dan tweeduizend leden. De belangrijkste doelstelling van de NFR/VVN is het levend houden en uitdragen van de vrijheidsidealen die de verzetsmensen in de Tweede Wereldoorlog bezielden.

                                                 eerste blad

Heden, de achttiende juli  ---------------------------------
negentienhonderd negen en zeventig, verschenen voor mij, ---
Maria Joseph Gulielmus Henricus Stassen, notaris ter stand-
plaats Valkenburg, gemeente Valkenburg-Houthem: ------------
1. de Heer Jacobus Renier Peter Crasborn, zonder beroep, ---
   wonende te Heerlen; en ----------------------------------
2. de Heer Maria Joseph Arthur Sluijsmans, secretaris van de
   Gemeente Valkenburg-Houthem, wonende te Valkenburg-Houthem,
ten deze volgens hun verklaring handelende respectievelijk -
als voorzitter en secretaris van het Algemeen- en Dagelijks
Bestuur van de stichting; genaamd: Stichting Herdenking der
gevallenen van het verzet in Limburg 194O-1945, gevestigd te
Valkenburg-Houthem, ----------------------------------------
welke stichting werd opgericht bij akte op acht juli negen-
tienhonderd drie en vijftig voor de destijds te Valkenburg
gevestigde notaris P.H.F. Roebroeck verleden, en wier statu-
ten gedeeltelijk werden gewijzigd bij akte op twee oktober
negentienhonderd zes en vijftig voor de destijds te Valken-
burg gevestigde notaris G.P.J.H. Smeets verleden. ----------
De komparanten verklaarden:
- dat in een speciaal daartoe belegde vergadering van het --
  Bestuur van genoemde stichting, gehouden te Valkenburg-
  Houthem op tien september negentienhonderd acht en zeventig,
  overeenkomstig artikel 16 der statuten met de aldaar ver-
  eiste meerderheid van stemmen van de ter vergadering aan-
  wezige bestuursleden is besloten de bestaande statuten te
  wijzigen; -------------------------
- dat, overeenkomstig artikel 11 der statuten, de voorzitter
  belast is met de uitvoering van de besluiten van het Alge-
  meen Bestuur en samen met de secretaris namens het Bestuur
  alle akten en verbintenissen ten name der stichting tekent.
De komparanten, handelend als gemeld, verklaarden thans ter
uitvoering van het voormeld bestuursbesluit de statuten van
de voormelde stichting geheel te wijzigen, zodat deze thans
komen te luiden als volgt: ---------------------------------
- - - - - - - - - - - S T A T U T E N: - - - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - NAAM, ZETEL en DUUR: - - - - - - - - - -
------------------------ Artikel 1. ------------------------
De stichting draagt de naam: "Stichting Herdenking der geval-
lenen van het verzet in Limburg 1940-1945". ----------------
Zij is gevestigd te Valkenburg-Houthem. ---------
De stichting is opgericht voor onbepaalde tijd. ------------
- - - - - - - - - - - - - - DOEL: - - - - - - - - - - - - - -
------------------------ Artikel 2. ------------------------
De stichting heeft ten doel: het mogelijk maken en doen hou-
den van een jaarlijkse herdenking van de gevallenen van het
verzet negentienhonderd veertig-negentienhonderd vijf en ---
veertig in Limburg bij het monument der gevallen verzetslie-
den aan de Cauberg te Valkenburg-Houthem, gelegen op een ---
gedeelte van het perceel, kadastraal bekend Gemeente Valken-
burg, sectie B, nummer 2545 en wel bij voorkeur in de maand
september. -------------------------------------------------
Zij tracht dit doel te bereiken door het inzamelen der nodi-
ge gelden bij de gemeentebesturen in wier gemeenten de geval-
len verzetslieden woonachtig waren en zo nodig ook bij andere
zedelijke lichamen  en natuurlijke personen. ----------------
- - - - - - - - - - - - - VERMOGEN: - - - - - - - - - - - - -

Der Tod eines alten Widerstandskämpfersnach obenzurück

Aus der Ansprache von Theo „Harry“ Goossen bei der Abschiedsfeier von „Paul“:

Frau Schunck, Kinder und Ihre Familien! Die hier anwesenden Widerständler und Stoottroeper wünschen, auch im Namen derer, die aus triftigen Gründen nicht anwesend sein können, ihre Dankbarkeit gegenüber „Paul“ Pierre Schunck zu äußern:

  • für seinen tatkräftigen Einsatz für die Wiedergewinnung der Freiheit.
  • für sein großes Engagement und aufrichtige Fürsorge
  • für seine besondere kameradschaftliche Haltung
  • und dies alles mit seinem Einsatz für Gott, Königin und Vaterland!!.

Frau Schunck, Kinder und Enkelkinder, sich verabschieden tut Weh.
... die SEHR VIELEN guten Erinnerungen werden Sie stärken!!
Widerstandskollegen und Stoottroeper, wir verabschieden uns von einem guten Kameraden.
„Paul“ : ruhe denn - in wohlverdientem Frieden!

Auf ehrende Weise nehmen wir Abschied und singen die Nationalhymne:
Strophe 1. Wilhelmus van Nassouwe
Strophe 6. Mijn schildt und mijn betrouwen

„Harry“, Theo Goossen


Widerstandsgedenkkreuz

Limburgs Dagblad, Dienstag, 9. Februar 1993 Seite 13
Letzten Samstag wurde Pierre Schunck auf dem Friedhof am Cauberg in Valkenburg begraben. Er verstarb fast 87-jährig im Krankenhaus von Kerkrade. Seinen Lebensabend verbrachte er in Schaesberg. Aber sein Herz blieb lebenslänglich in Valkenburg. Dort war er nicht nur Gründungsmitglied, ehemaliger Vorsitzender und Ehrenmitglied im Vorstand der dortigen öffentlichen Bibliothek, ehemaliger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Harmonie Kurkapel Falcobergia, sondern auch langjähriger Aufsichtsratsmitglied von Valkenburg Omhoog. Sein Name wird aber insbesondere als Mitglied der Widerstandsbewegung in den Kriegsgsjahren bekannt bleiben. In seiner Wäscherei, ein bisschen außerhalb in der Plenkert gelegen, wurden die nötigen illegalen „Transaktionen“ getätigt und wurde vielen Untergetauchten eine sichere Bleibe vermittelt.
...

Um seine heldenhafte Rolle als Widerstandskämpfer wurde Pierre Schunck das Verzetsherdenkingskruis (Widerstandsgedenkkreuz) verliehen. ...
Einer der amerikanischen Soldaten, die Valkenburg befreiten und in dem Jeep mitfuhr, auf dem Pierre Schunck damals saß (siehe oben), war speziell aus Chicago gekommen um bei dem Begräbnis anwesend zu sein. Der jetzt (9. Februar 1993) 66-jährige Bob Hilleque ist der einzige des A-Zuges des 119. Regiment, der den Krieg überlebt hat. (Inzwischen ist auch Bob gestorben).
Er gehörte zur 30th US Infantry Division Old Hickory



In einer solchen Zeit zu leben …

Eine musikalische Tribut an den Widerstand. Das ist das Thema der neuesten Arbeit des Künstlers, Komponisten und Musikers Tom America (Heerlen 1949). Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Pierre Schunck (1906-1993) und eine Gruppe von gleichgesinnten Menschen, die im Zweiten Weltkrieg eine erfolgreiche Widerstandsgruppe gebildet haben. Aber die Botschaft ist universell.
Quelle: Provinz-Ausgabe der Tageszeitung De Limburger von Mittwoch, dem 10-09-2014
Première von „In zo een tijd te leven“ (In einer solchen Zeit zu leben) am 16. September 2014, dem Vorabend des Tages, an dem Valkenburg vor 70 Jahren befreit wurde, in Valkenburg.

Nachwort von Cammaertnach obenzurück

Cammaert schreibt in seiner Doktorarbeit über den Limburger Widerstand:

Wie muss der Widerstand in Limburg, insbesondere dessen katholisch-humanitärer Hauptbestandteil, in der nationalen Perspektive betrachtet werden? Ungeachtet der in Limburg beobachteten weitgehend unabhängigen Entwicklung, waren viele Hilfsorganisationen im Land für die Weiterleitung ihrer Flüchtlinge von den Netzwerken in Limburg abhängig, Netzwerke mit internationalem Charakter, die aus dieser Provinz heraus entstanden sind oder auch mit anderen in Belgien, Frankreich und sogar in Deutschland verbunden waren und in der Regel in der Schweiz oder Spanien endeten. Einzelne Flüchtlinge, Menschen die nach England wollten, verschiedene Nachrichtendienste und andere nationale Widerstandsorganisationen machten auch Gebrauch von ihnen. Die Provinz diente nicht nur als Transitraum für Flüchtlinge, diese konnten dort auch bleiben. Limburg bot Obdach und mehrere Gruppen machten davon einen immer häufigeren Gebrauch. Die Konfession spielte in All dem keine entscheidende Rolle. In anderen Worten, die Bedeutung und der Einfluss von Limburg auf nationaler Ebene war besonders auffällig da, wo die Entwicklung der Provinz am weitesten fortgeschritten war: im gewaltfreien humanitären Widerstand mit passenden Methoden und Verbindungen. Darin lag die eigene Kraft und der spezifische Wert des Widerstandes in Limburg.

Quellennach obenzurück

Dieser Text ist ein Mosaik aus den verschiedenen Quellen, die ich hierüber habe, denn sie erzählen verschiedene Teile dieser Geschichte, manchmal das gleiche Ereignis, aber dann ergänzen sie sich. Hier und da mit einem verbindenden Kommentar aus eigener „Feder“. Einen wichtigen Platz haben Scans von Texten, die Pierre Schunck nach dem Krieg selbst geschrieben hat. Ganze Seiten aus seinen Memoiren sehen aus wie Schreibmaschinenschrift. Denn das war es auch. Die entsprechenden Scans finden Sie gleich daneben, als Miniatur. Klick für eine Vergrößerung.
Außerdem habe ich aufgeschrieben, woran wir, seine Kinder, uns aus seinen Geschichten noch erinnern können.
An der Farbe der Randlinie vor den Zitaten sehen Sie auf einen Blick, woher sie stammen. Wenn Sie mit der Maus über ein Textblock gehen, wird die Quelle als „Tipptext“ angezeigt. (Funktioniert nicht auf mobilen Geräten.) Wörtliche Zitatblöcke aus den Interviews haben einen dunkleren Hintergrund (nicht in der gedruckten Version) und sind eingerückt. Es folgt eine Aufzählung dieser Quellen, mit Links, damit Sie eventuell auch die Originale lesen können.

  • Texte, die Pierre Schunck selbst geschrieben hat und aus seinem Privatarchiv stammen, sehen oft so aus wie auf einer alten Schreibmaschine geschrieben. Und das sind sie dann auch. Aber selbst wenn sie von Hand geschrieben wurden, können Sie sie an der orangefarbenen Linie am linken Seitenrand erkennen.
  • Besonders die Anfangszeit des Krieges steht im Artikel aus dem Auschwitz Bulletin, 1980, nr. 01 Januar des Nederlands Auschwitz Comité, auf Deutsch: „Man entschied sich nicht für den Widerstand“. In der Tat, er konnte nicht anders.
    Der Artikel beruht im Wesentlichen auf Texten, die Pierre Schunck nach dem Krieg geschrieben hat, allerdings hat ein Journalist sie hier und da bearbeitet und Details ausgelassen. Meistens habe ich die Originale verwendet, denn sie sind so geschrieben, wie er auch sprach.
  • Beim NIOD (Nederlands Instutuut voor Oorlogs-Documentatie = Niederländisches Institut für Kriegsdokumentation) liegt ein Interview, das ich in einer schlecht gescannten Version zugeschickt bekommen habe. Es umfasst vor allem die Geschichte der L.O. in Valkenburg. Ich habe es ausgeschrieben und das Ergebnis finden Sie auf dieser Website.
  • Die Geschichte von Valkenburg-Houthem: Lange nach der Krieg haben unsere Eltern uns Kindern je ein Buch geschenkt, zur Entstehung dessen mein Vater, der Widerstandsmann „Paul Simons“ beteiligt war, wo es um Widerstand und Befreiung in Valkenburg geht. Weil dieses Buch ausverkauft ist und der Verlag nicht mehr existiert, weiß ich nicht, wen ich für die Berechtigung für die Verwendung dieses Kapitels Fragen sollte.
  • Auch die Doktorarbeit „Het verborgen front / Geschiedenis van de georganiseerde illegaliteit in de provincie Limburg tijdens de tweede wereldoorlog“ (Die versteckte Front / Geschichte des organisierten Widerstandes in der Provinz Limburg während des zweiten Weltkrieges") von A.P.M. Cammaert ist auch eine wichtige Quelle. Eine englischer Kurzfassung mit darunter Links zu den Kapiteln des Originals (PDF).
    Siehe auch das VIII.5.8. Valkenburg.
    Het verborgen front, Zitate aus diesem Buch.
  • Jan (Jules) van Betuw, ein Mitstreiter meiner Eltern, sprach mich bei der Beerdigung meiner Mutter an. Er hatte ein bestürzendes Gespräch mit meiner Mutter. Es geht um die Erlebnisse des alten jüdischen Paares Soesmann, und wie der niederländische Staat und einzelne Bürger sich aus ihrem Erbe bedient haben. Es wird hierunter in seiner Gesamtheit gezeigt.
  • Aus Australien bekam ich eine Reaktion, die Sie hier auf Deutsch lesen können. Über Coen Grotaers - einer von vielen
  • „Harry“, Widerstandsname von Theo Goossen, hat während des Beerdigunggottesdienstes seines Mitstreiters „Paul“ eine Abschiedsrede gehalten, in der er vor allem über das Ende des Krieges erzählt. Th. J. M. Goossen leitete das „Rayon“ Kerkrade und kümmerte sich um die vor allem um die Außenbeziehungen des Distriktes Heerlen. Seine Beziehungen und Erfahrungen brachte Goossen Mitte Juni 1944 dazu, einen Nachrichtendienst (I.D. ) aufzubauen, im Dienst aller Widerstandsorganisationen der Region. Die erste und wichtigste Aufgabe war der Schutz der Untergrundler. Darüber hinaus sammelte der Dienst militärische Nachrichten. Seit der alliierten Landung an der Küste der Normandie Anfang Juni war die Bedeutung solcher Informationen sogar noch gewachsen.
  • Biografische details über Pierre J.A. Schunck Pierre Joseph Arnold Schunck

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